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Wahlwerbung in Coburg
Jetzt geht es Olaf Scholz an den Kragen
SPD Wahlwerbung in Coburg
Anfang September 2024 hing in der Bamberger Straße Coburg noch immer dieses Plakat aus dem Wahlkampf zur Europawahl. // Oliver Schmidt
Coburg – Am 9. Juni fand die Europawahl statt. Drei Monate später hängen in Coburg noch immer mehrere Großplakate der SPD. Eine Nachfrage bei der zuständigen Firma hat Konsequenzen für den Bundeskanzler.

„Haltung und Verstand für Europa“ – mit diesem Slogan zog die SPD im Frühjahr in den Wahlkampf zur Europawahl. Auch auf vielen Großplakaten war dieser Slogan zu finden; daneben gab es meistens die Gesichter der SPD-Spitzenkandidatin Katarina Barley und von Bundeskanzler Olaf Scholz zu sehen.

SPD Wahlwerbung in Coburg
Der ewige Olaf: In Coburg wird auch im September noch immer für die Europawahl geworben. // Oliver Schmidt

Mit gerade mal 13,9 Prozent holte die SPD bei der Europawahl am 9. Juni zwar ein sehr schwaches Ergebnis.  Doch mit ein bisschen Galgenhumor lässt sich immerhin feststellen: „Haltung“ haben Katarina Barley und Olaf Scholz in der Tat bewiesen. Zumindest im übertragenen Sinne. Denn in Coburg hängen mehr als drei Monate später noch immer mehrere Plakate. Obwohl das Haltbarkeitsdatum doch längst überschritten ist...

Warum hängt der Kanzler noch immer in Coburg herum?

Das Coburger Tageblatt hat sich auf Ursachenforschung begeben. Frei nach dem Motto: Warum hängt der Kanzler noch immer in Coburg herum?

SPD Wahlwerbung in Coburg
In der Rodacher Straße in Coburg hing auch im September noch immer ein SPD-Plakat zur Europawahl. // Oliver Schmidt

Zunächst einmal muss festgestellt werden: Bei den Überbleibseln aus dem Europawahlkampf handelt es sich ausschließlich um sogenannte Großplakate auf frei mietbaren Plakatwänden. Sprich: Für das Auf- und Abhängen ist nicht die jeweilige Partei zuständig, sondern der Inhaber der Plakatwand. In Coburg gehören die meisten dieser Plakatwände der Firma Tiefenbacher Außenwerbung aus Bad Kissingen-Albertshausen.

Auch der Apfel hing recht lange

Der aktuelle „Scholz-Fall“ erinnert an eine ähnlich kuriose Begebenheit aus dem Coburger Kommunalwahlkampf 2020: Von Thomas Apfel, dem damaligen Oberbürgermeisterkandidat der Wählergemeinschaft „Pro Coburg“, war im Februar 2020 ein Wahlplakat in der Uferstraße aufgehängt worden. Doch dann kamen Corona und die Lockdowns. In dieser Zeit ergab Plakatwerbung an öffentlichen Straßen wenig Sinn, sodass bei der Firma Tiefenbacher kaum noch neue Buchungen eingingen. Dies hatte zur Folge, dass Thomas Apfel auch noch Anfang 2021 - wenn auch etwas ramponiert – von der Plakatwand in der Uferstraße lächelte.

Warum „erwischt“ es immer den Kanzler?

Auch bei insgesamt drei Barley-&-Scholz-Plakaten in Coburg gab es jetzt offenbar keine Nachbuchungen. „Seit Corona ist das Plakatgeschäft allgemein etwas zurückgegangen“, heißt es auf Nachfrage bei Tiefenbacher Außenwerbung. Warum es aber ausgerechnet dreimal den Kanzler „erwischt“ hat, könne man sich auch nicht erklären.

Werbung für karitative Organisationen

Hinzu kommt, dass Tiefenbacher bei ausbleibenden Neubuchungen eigentlich eine Regelung für Plakatwände hat: Nach drei nicht gebuchten Dekaden wird ein sogenanntes Füllplakat geklebt. Eine Dekade umfasst zehn Tage, und bei einem Füllplakat handelt es sich um Werbung für einen karitativen Zweck, die von der jeweiligen Organisation (beispielsweise Unicef oder Rotes Kreuz) nicht bezahlt werden muss. Warum dies ausgerechnet bei den drei SPD-Plakaten aus dem Europawahlkampf drei Monate lang nicht geschehen ist, kann man sich bei Tiefenbacher Außenwerbung ebenfalls nicht erklären.

Aber: Jetzt kommt Bewegung in die Sache!

Ein Barley-&-Scholz-Plakat, das noch bis Ende vergangener Woche in der Callenberger Straße (gegenüber Agip-Tankstelle) hing, ist bereits überklebt worden. Statt für die SPD wird dort jetzt für die Bundeswehr geworben. Tiefenbacher Außenwerbung stellt aber klar, dass es sich hierbei nicht um eines der besagten Füllplakate handelt, sondern um ein tatsächlich bezahltes Plakat.

In der Bamberger Straße (schräg gegenüber Einkaufsmärkte Tegut und Netto) soll sich noch in diesen Tagen etwas tun. Dem Coburger Tageblatt wurde am Montag mitgeteilt, dass eine „Abdeckung“ – also das Überkleben mit einem Füllplakat – veranlasst worden sei.

SPD Wahlwerbung in Coburg
Der vergessene Olaf – SPD-Wahlwerbung in Coburg. // Oliver Schmidt

Bleibt noch das dritte Barley-&-Scholz-Plakat, das sich in der Rodacher Straße befindet (kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Goldbergsee/Beiersdorf).  Doch diese Plakatwand gehört gar nicht der Firma Tiefenbacher Außenwerbung, sondern einer Reklamefirma aus Nürnberg. Die Frage, warum es auch bei ihnen ausgerechnet den Bundeskanzler erwischt hat, der aufgrund fehlender Nachbuchungen zum „ewigen Olaf“ avanciert, konnte dort am Montag (noch) nicht beantwortet werden.

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