Das Kulmbacher Altstadtfest hat am Wochenende bayernweit für Schlagzeilen gesorgt. Nicht wegen des großen Trubels in der Innenstadt, sondern wegen eines Drogenfundes. Am Freitag hatte die Polizei einen 19-Jährigen kontrolliert und bei ihm die besonders gefährliche Ecstasy-Pille „Blue Punisher“ entdeckt. Vor der blauen Pille, die übersetzt „Blauer Bestrafer“ heißt und mit einem Totenkopf versehen ist, wird eindringlich gewarnt, weil sie eine teilweise viel zu hohe Konzentration des Wirkstoffs MDMA enthält. Die Einnahme kann zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Herzstillstand führen.
Ein dringender Appell im TV
Es ist eine Party-Droge, die jüngst in Deutschland für mehrere Todesfälle gesorgt hat. Ein Opfer ist eine 13-Jährige aus einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, die nach der Einnahme von „Blue Punisher“ verstorben ist. In der TV-Sendung „Stern TV am Sonntag“ haben die Eltern des Mädchens einen eindringlichen Appell an das Fernsehpublikum gerichtet.: „Nehmt keine bunten Pillen! Wenn etwas angeboten wird, nicht annehmen! Weggehen, Polizei rufen!“, sagten sie und führten an: „Es darf nicht noch einmal passieren, dass wegen des Zeugs jemand stirbt.“
Die Angst vor der Pille ist groß. Ob der 19-Jährige, der am Freitagabend in der Kulmbacher Innenstadt festgenommen wurde, diese vorher beim Altstadtfest verkauft hat? „Wir haben diesbezüglich keine Hinweise bekommen“, sagt dazu auf Anfrage der Bayerischen Rundschau Reiner Erfurt, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken. „Wir hoffen natürlich, dass wir ihn vorher rechtzeitig festnehmen konnten.“ Dass der junge Mann die Partydroge nicht nur zum Eigenverbrauch dabei hatte, davon gehen die Ermittler aus. Erfurt: „Er hat eine so große Menge mit sich geführt, dass der Verdacht naheliegt, dass er mit dem gefährlichen Betäubungsmittel Handel treiben wollte.“
Kommt der Tatverdächtige aus Kulmbach?
Der 19-Jährige, der am Freitag festgenommen wurde, wurde am Samstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth Haftbefehl wegen des Verdachts des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln erlassen. Inzwischen sitzt der Mann in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt. Ob der Tatverdächtige aus Kulmbach kommt? „Zur Herkunft des Mannes sagen wir nichts“, sagt Rainer Erfurt.
Polizei warnt eindringlich vor der Droge
Darüber, woher die Droge produziert wurde, könne man nur spekulieren. „Weil Crystal oftmals in Tschechien hergestellt wird, liegt die Vermutung nahe, dass die Droge auch aus unserem Nachbarland kommt. Sie kann aber auch aus einem deutschen Labor stammen.“
In Oberfranken sei zuletzt kein vermehrtes Auftreten von „Blue Punisher“ zu verzeichnen gewesen. In den vergangenen fünf Jahren habe es vier Fälle gegeben, in denen die Partydroge sichergestellt worden ist, so der Pressesprecher weiter. Wem die Pille zum Kauf angeboten werde, der wird gebeten, sich dringend an die Polizei zu wenden, da die Einnahme wie im Falle der 13-Jährigen aus Mecklenburg-Vorpommern fatale Folgen haben kann.
Pillen mit viel mehr Wirkstoff
Nach dem Tod des Mädchens, der in „Stern TV am Sonntag“ thematisiert wurde, war Haftbefehl gegen einen 37-Jährigen erlassen worden, der ihr die Pille gegeben haben soll. Ein Experte machte in der Sendung deutlich, dass mittlerweile deutlich mehr MDMA in Ecstasy enthalten ist als noch in den in der Rave-Szene der 1990er-Jahre zirkulierenden Pillen.
Die Suchtberatung warnt
Vor Ecstasy-Tabletten wie „Blue Punisher“ wie auch vor jeder anderen Droge warnt die Suchtberatung der Diakonie Bayreuth, die eine Außenstelle in Kulmbach hat. „Jede Tablette, von der ich nicht weiß, welchen Inhalt sie hat, ist sehr gefährlich“, sagt die Leiterin der Suchtberatung, Urte Bornschein.
„Die Gefahren sind immens“
Anders als bei Medikamenten gebe es bei Drogen keinen Beipackzettel, in dem vor den Gefahren gewarnt werde. Urte Bornschein: „Bei Drogen wie ,Blue Punisher’ sind die Gefahren immens.“
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