Auf großen Plakaten wird am neuen Standort für die Neueröffnung des Woolworth-Stores am 24. September geworben, während am alten Gebäude in der Langgasse noch mit der Botschaft geworben wird: „Wir bauen für dich um!“
Für Woolworth-Kunden baut dort aber offensichtlich niemand mehr etwas um. Gearbeitet wird in den nächsten Wochen stattdessen in dem Gebäude, das sich die Warenhauskette als neues Domizil auserkoren hat: Es handelt sich um das seit kurzem leerstehende ehemalige Rofu-Gebäude in der Albert-Ruckdeschel-Straße.
Über die Hintergründe des Sinneswandels lässt sich nur spekulieren, denn weder von der Woolworth-Pressestelle noch von Bernd Förtsch, dem Eigentümer des Anwesens Langgasse 6, gab es bis Redaktionsschluss eine Antwort auf unsere Nachfragen.
Rattenplage war der Anfang
Grund dafür, dass das Kaufhaus Anfang Juli 2025 schließen musste, war eine Rattenplage in den Geschäftsräumen. Woher die Nager kamen? Diese Frage ließ sich nie endgültig beantworten.
Nachdem das Rattenproblem beseitigt war, wurde die Gelegenheit genutzt, um gleich noch zu renovieren und eine neue Lüftungsanlage einzubauen. Der erste geplante Wiedereröffnungstermin „in der Vorweihnachtszeit“ 2025 verstrich ereignislos, weitere folgten.
Es wurde deutlich, dass es wohl Differenzen zwischen Mieter und Vermieter gab, wer für welche noch notwendigen Maßnahmen zuständig und finanziell verantwortlich sei.
Und jetzt also der große Paukenschlag: Aufgabe des Standorts in der Innenstadt und Umzug vom Zentrum in das Subzentrum Albert-Ruckdeschel-Straße.
Schlechte Nachricht für die Händler in der Innenstadt
Für die Händler in der Innenstadt ist das eine schlechte Nachricht. „Wir sind sehr enttäuscht, dass offensichtlich keine Einigung zustande kam“, sagt die Sprecherin der Händlervereinigung „Unser Kulmbach“, Christine Friedlein.
„Es fehlt jetzt wieder ein Geschäft, und es tut sich eine große Lücke auf. Bei Woolworth gab es ein sehr kleinteiliges Sortiment, viele Dinge des Alltags, die jetzt im Gesamtangebot fehlen - von Geschenkpapier über Haushaltswaren und Putzmittel bis zu Kleidung.“
Eine Riesen-Lücke in der Fußgängerzone
Die von Christine Friedlein angesprochene „große Lücke“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen: Zwischen dem Friseur neben Sophies Café bis zur Grabenstraße ist die Woolworth-Straßenseite jetzt ein einziger riesiger Leerstand – nicht schön für das Innenstadtbild.
Sie könne nachvollziehen, dass sich für Woolworth der Rofu-Leerstand angeboten habe, die Kette gehe auch in anderen Städten raus aus den Zentren. Das ändert aber nichts daran, dass sie die Entscheidung sehr bedauert. „Wir tun als Händler alles dafür, Leerstände wieder zu aktivieren.“
Einzelhändler sind "immer im Gespräch"
Wie? „Wir sind immer im Gespräch mit der Stadt, mit den Vermietern, mit der Wirtschaftsförderung, mit Interessierten, versuchen, das aktiv zu bewerben und zu zeigen, wie wichtig inhabergeführte Geschäfte für den Gesamteindruck einer Stadt sind.“
Ob Neueröffnungen funktionieren, hänge freilich nicht nur vom Handel ab, sondern auch von den Kunden. „Die Verbraucher steuern durch ihr Kaufverhalten die Entwicklung ihrer Innenstadt.“ Der Kauf im Netz sei der Trend. „Das können wir nicht ändern, aber vielleicht kann man doch das eine oder andere in unserer Stadt kaufen.“
OB Ralf Hartnack bedauert Entscheidung
Deshalb tut jede Schließung im Zentrum weh, auch und gerade die von Woolworth.
Auch Kulmbachs OB Ralf Hartnack hat sich zur Woolworth-Wende geäußert. Auf Nachfrage schreibt er der Bayerischen Rundschau: „Ich bedauere sehr, dass die bekannte deutsche Kaufhauskette Woolworth die Kulmbacher Innenstadt verlässt, die eine sehr hohe Kundenfrequenz und damit ein attraktives Umfeld für den Einzelhandel bietet.“
Leider könne die Stadt Kulmbach auf das Privatverhältnis zwischen Vermieter und Mieter nicht einwirken. „Wir bieten aber selbstverständlich unsere volle Unterstützung an, um diesen Leerstand zu beseitigen.“
Keine Stellungnahme von Eigentümer Bernd Förtsch
Wir hätten gerne mit dem Eigentümer der Immobilie, Bernd Förtsch, darüber gesprochen, wie er die neue Entwicklung bewertet, doch von seiner Seite gab es auf Anfrage unserer Redaktion keine Antwort.
Anfang Juni hatte es aus seinem Haus noch geheißen: „Wir haben als Vermieter keinen Einfluss darauf, wann unser Mieter Woolworth gedenkt zu öffnen. Von unserer Seite aus wurde alles getan und erledigt, es ist nichts mehr offen. (...) Jede Art von Behauptung, von unserer Seite seien noch irgendwelche Tätigkeiten zu erledigen, weisen wir mit aller Schärfe zurück.“














