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Verlässt er jetzt Kulmbach?
Hammerwerfer Hummel überwirft sich mit seinem Trainer
Nur wenige Wochen nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft kam es zum großen Knall zwischen Merlin Hummel und seinem Trainer Martin Ständner. Das Tischtuch ist zerschnitten.
Nur wenige Wochen nach dem Gewinn der Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft kam es zum großen Knall zwischen Merlin Hummel und seinem Trainer Martin Ständner. Das Tischtuch ist zerschnitten. // Foto: Iris Hensel, Collage: Franziska Schäfer
Kulmbach – Vor zwei Monaten gewann Merlin Hummel in Tokio WM-Silber. Nun folgt der nächste Hammer. Denn der 23-Jährige hat sich von seinem Trainer getrennt. Und verlässt womöglich Kulmbach. Das steckt hinter dem großen Bruch.

Als Martin Ständner am Wochenende bei einer Spitzensport-Gala des Deutschen Leichtathletik-Verbandes in Darmstadt wie alle anderen Trainer der WM-Medaillengewinner von Tokio geehrt wurde, durfte er ans Mikrofon treten. Und da ließ er die Bombe platzen: „Ich bin nicht mehr Trainer von Merlin Hummel, er hat sich von mir getrennt und möchte Kulmbach verlassen.“ Die rund 300 Gäste im Saal werden von der Nachricht völlig überrascht.

Martin Ständner (Zweiter von links) wurde bei der DLV-Gala in Darmstadt wie alle Trainer der WM-Medaillengewinner geehrt. Dort machte er auch die Trennung von Merlin Hummel öffentlich.
Martin Ständner (Zweiter von links) wurde bei der DLV-Gala in Darmstadt wie alle Trainer der WM-Medaillengewinner geehrt. Dort machte er auch die Trennung von Merlin Hummel öffentlich. // Jan Papenfuss

Merlin Hummel bestätigt auf Nachfrage die Trennung. "Die Zusammenarbeit mit Martin Ständner hat mich über viele Jahre sportlich geprägt. Es haben sich unterschiedliche Auffassungen zur Trainingsgestaltung entwickelt, die zur Trennung geführt haben. Aus Respekt vor der gemeinsamen Zeit möchte ich mich nicht weiter öffentlich äußern und konzentriere mich auf die kommende Saison."

Doch was war passiert? Hatte nicht Merlin Hummel erst kürzlich seinen Trainer noch in höchsten Tönen gelobt? Bei einem Ehrenabend des UAC Kulmbach  in den Mönchshof-Museen sagte er an die Adresse von Martin Ständner: „Ohne Dich würde die ganze Werfergruppe nicht existieren. Du bist Trainer, Platzwart, einfach alles. Im Namen aller Athleten, die Du schon trainiert hast, einen großen Dank!"

Auch auf seiner Internetseite (merlinhummel.de) sparte Hummel nicht mit Lob  für seinen Trainer: „Ich bin unglaublich dankbar für meinen Trainer, der mich seit über zehn Jahren begleitet. Er hat mich als sehr jungen Athleten von Grund auf aufgebaut und in jeder Phase unterstützt. Mit ihm werde ich diesen Weg weiterhin gehen.“

Die Kulmbacher Stadtspitze mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann (rechts) sowie den Bürgermeistern Frank Wilzok und Ralf Hartnack (von links) gratuliert Merlin Hummel.
Die Kulmbacher Stadtspitze mit Oberbürgermeister Ingo Lehmann (rechts) sowie den Bürgermeistern Frank Wilzok und Ralf Hartnack (von links) gratuliert Merlin Hummel. // Christian Schuberth

Eklat beim Training

Den warmen Worten folgte der Eklat. Als Martin Ständner vor einer Woche im Wurfzentrum Stadtsteinach seinen Athleten die neuen Trainingspläne für den Winter austeilen wollte, sei Merlin Hummel plötzlich auf Konfrontation gegangen. Ständner: „Er hat gesagt, dass nach meinen Plänen hier keiner mehr trainiert.“ Der Hammerwurf-Vize-Weltmeister habe ihm „veraltete Trainingsmethoden“ vorgeworfen und ihm mitgeteilt, dass er künftig nach eigenen Plänen trainieren werde. Und dass sich ihm auch andere junge Werfer aus  der Trainingsgruppe anschließen würden, unter anderem sein Bruder Matti (19), der ebenfalls im Nationalkader steht und heuer an der U23-EM teilgenommen hat.

Für Ständner ein echter Schock, auch wenn es schon im Vorfeld unterschiedliche Meinungen zwischen Hummel und ihm über die künftige Trainingsgestaltung gegeben habe. „Ich hatte mich zwei Mal mit Merlin zusammengesetzt, um das bevorstehende Wintertraining zu besprechen. Merlin legte mir seinen eigenen Plan vor, zum Großteil Bodybuildingübungen in sehr langsamer Ausführung. Unser bisheriges Training bestand zum Großteil aus dynamischen Athletik- und Kraftübungen mit häufigem Reizwechsel. Dieses System hat Merlin schließlich zu dem gemacht, was er heute ist. Ich habe ihm gesagt, dass ich nicht alles, was ihn groß gemacht hat, plötzlich in die Mülltonne werfen werde und dass er teilweise auf dem Holzweg ist.“ Dass er sich weigerte, sich Hummels Trainings-Vorstellungen zu unterwerfen, habe schließlich zum Bruch geführt, glaubt Ständner.

Doch der Trainer vermutet nach einem Hinweis von DLV-Team-Manager Danny Scheinpflug noch einen weiteren Grund für den Sinneswandel seines Schützlings.  "Er hat ja einen neuen Mentor", spielt Martin Ständner auf seinen Physiotherapeuten Fares Day an, der  ihn "gegen den Willen des DLV zur WM nach Tokio begleitet" habe.

Was den 70-Jährigen besonders ärgert, dass sein langjähriger Schützling inzwischen selbst den Erfolg des „gemeinsamen trainingsmethodischen Vorgehens Richtung WM verleugnet, obwohl ihm es letztlich die Silbermedaille beschert hat“. Zudem musste sich Ständner nach eigener Aussage von Hummel vorwerfen lassen, „dass mein fachliches Trainerniveau seit zwei Jahren nachgelassen habe“. Das passe aber nicht mit Hummels Leistungen zusammen. Denn die gingen seit zwei Jahren durch die Decke. So steigerte er seine Bestweite mit dem 7,2 Kilo schweren Hammer um satte sechseinhalb Meter: von 76,28 Meter (Mai 2023) über 79,25 (Juni 2024) auf 82,77 (September 2025).

Konflikt eskaliert in WhatsApp-Gruppe

Nach dem Disput auf dem Stadtsteinacher Trainingsplatz fand der  Konflikt seine Fortsetzung in der WhatsApp-Gruppe der Kulmbach-Stadtsteinacher Werfer, wie Ständner berichtet. Danach sei das Tischtuch endgültig zerschnitten gewesen.

Merlin Hummel und sein Trainer Martin Ständner planen nun die Vorbereitung auf das Wettkampfjahr 2024, das den jungen Kulmbacher Hammerwerfer zu den Olympischen Spielen nach Paris bringen soll.
Martin Ständner trainierte Merlin Hummel zwölf Jahre lang und formte ihn zum Olympioniken und Vize-Weltmeister. Jetzt ist das Tischtuch zwischen Trainer und Athlet zerschnitten. // Christian Schuberth

Martin Ständner macht auch seiner Enttäuschung darüber keinen Hehl. „Ich denke, Merlin sollte mal ernsthaft darüber nachdenken, in welchem Licht er mich, der tausende Stunden für ihn geopfert hat, hinstellt. Das hätte ich menschlich nicht von ihm erwartet.“

Gehen die Hummel-Brüder nach Frankfurt?

Doch wie geht es nun weiter? Wie Martin Ständner vom Präsidenten des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes, Gerhard Neubauer, erfahren hat, hat sich Merlin Hummel nach nur einem Jahr wieder von den LG Stadtwerken München abgemeldet. Der Vize-Weltmeister wolle mit seinem Bruder Matti Kulmbach ganz den Rücken kehren, hat Ständner erfahren. Merlin Hummel bestätigt, dass Eintracht Frankfurt eine Option sei, sagt aber auch. "Es ist noch gar nichts beschlossen." Bislang trainieren die  Hummel-Brüder weiter in Stadtsteinach, und zwar in Eigenregie. 

Empfang für Hammerwurf-Vize-Weltmeister Merlin Hummel
Simone Mathes (rechts) war die erste auch international erfolgreiche Hammerwerferin von Martin Ständner. Die Stadtsteinacherin war Deutsche Meisterin, Vierte bei der EM und Siebte bei der WM. // Christian Schuberth

Ständner macht weiter

Martin Ständner wird trotz des Hummel-Hammers und gesundheitlicher Probleme – nach der WM in Tokio erlitt er einen kleinen Schlaganfall – als Trainer weitermachen und sich um die verbliebenen Athleten seiner Werfergruppe kümmern. Seinem bisherigen Vorzeigeathleten Merlin Hummel wünscht er mit dessen neuen Trainingsmethoden „viel Glück“, schreibt ihm zum Abschied aber auch noch ins Stammbuch: „Wir haben viel schöne Zeiten miteinander erlebt, hart gearbeitet und sportlich verdammt viel erreicht. Aber wenn nur noch Arroganz und Unvernunft übrigbleiben, dann macht es wohl keinen Sinn mehr.“

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