Als sich Merlin Hummel als Elfjähriger Ende 2013 bei einem Talentsichtungstag im Wurfzentrum Stadtsteinach vorstellt, erkennt Martin Ständner sofort: "Aus dem Bürschchen könnte was werden." Die erfahrenen Augen des Wurftrainers, der seit fast 40 Jahren unzählige Talente ausgebildet hat, sollten sich nicht täuschen. Hummel wird der 15. Athlet aus Ständners Werfer-Schmiede, der es in den Nationalkader bringt und der Zweite nach Simone Mathes, der zu einer EM und WM im Seniorenbereich fahren darf. Zudem schreibt Merlin Hummel Kulmbacher Geschichte. 2024 ist er erster Olympionike, in diesem Jahr erster Medaillen-Gewinner bei einer Weltmeisterschaft in einer olympischen Kern-Sportart.
Als Martin Ständner bei der WM in Tokio Ende September seinen Schützling zur Silbermedaille coacht, ahnt er allerdings nicht, dass es der letzte gemeinsame Wettkampf sein würde. Denn nur wenige Wochen später trennt sich Merlin Hummel nach Differenzen über die künftige Trainingsausrichtung von seinem 70-jährigen Entdecker, Mentor und Förderer, der Ende November bei der Gala des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes in Weißenstadt zum zweiten Mal in Folge zu Bayerns Trainer des Jahres gekürt wird.
Wir zeichnen die Erfolge nach, die Merlin Hummel unter Martin Ständners Regie seit 2014 eingefahren hat.
Klicken Sie sich durch eine Bildergalerie aus Merlin Hummel Karriere von 2014 bis 2025:
2014: Hummel wird süddeutscher B-Schüler-Meister
Der zwölfjährige Merlin Hummel bestreitet seine ersten Wettkämpfe. Im Rasenkraftsport wird er im Trikot des TSV Stadtsteinach Süddeutscher Meister bei den B-Schülern und heimst mit seinem Verein den Bayern-Cup für den besten Nachwuchsverein ein. Den drei Kilo schweren Hammer schleudert der gebürtige Kronacher bereits auf beachtliche 44,59 Meter.
2015: Gold bei der "Bayerischen"
Merlin Hummel steigert zum Saisonabschluss beim Heimwettkampf in Stadtsteinach seine persönliche Bestleistung mit dem drei Kilo schweren Schülerhammer um fast genau zwölf Meter auf 56,58 Meter. Zuvor gewann er 2015 in der Altersklasse M 14 seinen ersten Bayerischen Meistertitel in der Leichtathletik - und das als B-Schüler gegen ein Jahr ältere Konkurrenz. Den vier Kilo schweren Hammer schleudert er bereits im ersten Versuch locker und technisch sicher auf die Siegesweite von 43,08 Meter.
2016: Bayerischer Rekord
Auch 2016 gelingt Merlin Hummel eine außergewöhnliche Steigerung mit dem Hammer. Jetzt wirft er bereits mit dem vier Kilo schweren Gerät und verbessert damit seine Bestweite auf 63,36 Meter - neuer bayerischer M14-Rekord. Im Rasenkraftsport wird er im Gewichtwerfen der A-Schüler (Schwergewicht) Deutscher Meister.
2017: Deutscher Vize-Meister
2017 knackt der mittlerweile 15-jährige Merlin Hummel mit dem vier Kilo schweren Hammer erstmals die 70-Meter-Marke. In Deutschland ist er damit aber "nur" die Nummer 2 hinter Sören Hilbig (heute Klose), der zu seinem Dauerrivalen wird. Bei den nationalen Titelkämpfen der U16 hat der Kulmbacher mit 68,40 Metern gegen Hilbig, der den vier Kilo schweren Hammer auf die neue deutsche Rekordweite von 75,17 Metern schleudert, keine Chance. Hummels Bestweite in diesem Jahr beträgt 71,37 Meter und ist erneut neuer bayerischer Rekord (Altersklasse M15).
2018: Platz 5 in der Welt
Auch 2018 muss sich Merlin Hummel mit Silber bei der "Deutschen" begnügen. Wieder ist Sören Hilbig nicht zu schlagen. Bei den nationalen Jugend-Meisterschaften in Rostock sichert sich Hilbig mit 75,43 Metern Gold vor Hummel, der auf 67,43 Meter kommt. Seine Jahresbestleistung mit dem nun fünf Kilo schweren Altersklassen-Hammer von 72,80 Metern bedeuten Platz 5 in der B-Jugend-Weltrangliste 2018. Für seine Leistungen erhielt Hummel vom Bayerischen Leichtathletik-Verband den „Bayern-Star“ in Gestalt eines bayerischen Porzellan-Löwen.
2019: Silber bei Jugend-Olympia
Erster Auftritt von Merlin Hummel auf der internationalen Bühne. Der 17-Jährige darf Deutschland bei den europäischen Sommer-Jugendspielen in Baku (Aserbaidschan) vertreten und feiert mit dem Gewinn der Silbermedaille seinen bislang größten Erfolg. Der Kulmbacher schleudert den Fünf-Kilo-Hammer in Baku auf die persönliche Bestleistung von 81,06 Metern. Nur Topfavorit Valentin Andreev aus Bulgarien war besser. In der Jahresweltbestenliste 2019 ist Hummel Zweiter und kommt bei der Wahl zu Deutschlands Nachwuchs-Leichtathlet des Jahres auf Platz 5.
2020: Deutschlands bester Nachwuchs-Leichtathlet
2020 führt bei der Wahl zu Deutschlands bestem Nachwuchs-Leichtathleten kein Weg mehr an Merlin Hummel vorbei. Denn der 19-Jährige wird nicht nur Deutscher A-Jugend-Meister im Winter und im Sommer, sondern holt auch bei seiner ersten nationalen Meisterschaft in der Männerklasse hinter Tristan Schwandke Silber. In Braunschweig schleudert er den 7,26 Kilo schweren Erwachsenen-Hammer auf beachtliche 70,54 Meter. Mit dem sechs Kilo schweren Jugend-Hammer verpasst Merlin Hummel den Deutschen Rekord von 79,96 Metern nur um 22 Zentimeter. In der Weltrangliste liegt der Kulmbacher 2020 auf Rang 2.
2021: Vize-Europameister
Auch 2021 leidet der Sport unter Corona. Merlin Hummel darf als Spitzensportler mit einer Ausnahmegenehmigung trainieren und stellt im Juni bei der Oberfränkischen Meisterschaft im Bamberger Volksparkstadion einen neuen deutschen U20-Rekord auf. Der 19-Jährige verbessert die sechs Jahre alte Bestmarke von Alexej Mikhailov (Hannover 96/79,96 Meter) um 1,25 auf 81,21 Meter. Bei der U20-Leichtathletik-Europameisterschaft in Tallinn (Estland) folgt der nächste große internationale Erfolg. Merlin Hummel holt Silber. Sehr ärgerlich findet es allerdings Hummel, dass der Deutsche Leichtathletik-Verband wegen Corona keine Mannschaft zur Jugend-Weltmeisterschaft nach Nairobi schickt. Der Kulmbacher wäre in Afrika als Weltjahresbester ein heißer Medaillenkandidat gewesen.
2022: Erstmals Deutscher Herren-Meister
Mit 20 Jahren wird Merlin Hummel 2022 in Berlin erstmals Deutscher Meister bei den Herren. Schon im Frühjahr darf er Deutschland beim Werfer-Europacup in Portugal vertreten und wird in der U23-Wertung Zweiter hinter dem Ukrainer Mykhaylo Kokhan. Kleiner Wermutstropfen: Hummels Jahresbestweite von 75,66 Metern ist zu wenig, um sich für die Heim-EM in München zu qualifizieren.
2023: EM-Silber und verpatzte Wettkämpfe
Merlin Hummel startet mit einem Sieg bei der Deutschen Winterwurf-Meisterschaft und Platz 4 beim Werfer-Europacup in Portugal vielversprechend in die Saison 2023. Bei der Team-EM in Polen schraubt er seine persönliche Bestleistung mit dem 7,26 Kilo schweren Hammer auf 76,28 Meter und wird damit Vierter. Mit dem Team gewinnt er Bronze.
Doch dann passiert dem Titelverteidiger bei der Deutschen Meisterschaft ein Missgeschick. Er gibt Startkarte zu spät ab und darf nur außer Konkurrenz teilnehmen. Mit Wut im Bauch wirft sich Merlin Hummel nur eine Woche später den Hammer bei der U23-EM in Espoo in Finnland auf den Silberrang – um nur einen Monat später die nächste herbe Enttäuschung zu erleben. Bei seiner ersten Teilnahme an einer Männer-WM setzt er in Budapest alle Würfe in den Sand. Erst später stellt sich heraus, dass ihn ein verschleppter Bandscheibenvorfall behindert hat.
2024: EM-Vierter und Olympionike
Merlin Hummel katapultiert sich 2024 erstmals auch im Männerbereich in die Weltspitze der Hammerwerfer. Der 22-Jährige verbessert sich mit dem 7,26 Kilo schweren Wurfgerät um fast drei Meter. Seine neue Bestweite von 79,25 Metern beschert Hummel Platz 4 bei der Europameisterschaft in Rom – eine echte sportliche Überraschung. Es ist gleichzeitig der erste 79-Meter-Wurf eines deutschen Athleten seit 2011, als Markus Esser 79,69 Meter erzielt.
Dank der Leistung von Rom wird Hummel zum ersten Kulmbacher Olympioniken der Geschichte. Bei den Spielen in Paris übersteht der Athlet des UAC Kulmbach die Qualifikation – obwohl eine Messpanne gehörig an seinen Nerven zerrt. Hummel zieht als Zwölfter noch ins Finale ein, wo er vor der Kulisse von 70.000 Zuschauern im Pariser Stade de France mit 76,03 Metern unter seinen Möglichkeiten bleibt und Platz 10 belegt.
2025: Vize-Weltmeister
Im Mai 2025 knackt Merlin Hummel beim Werfermeeting in Halle mit 80,11 Metern erstmals die magische 80-Meter-Marke, die er in diesem Jahr noch einige Male überbieten wird. In Dresden wird er souverän zum zweiten Mal in seiner Karriere Deutscher Meister, holt bei der Team-Europameisterschaft in Madrid mit einer erneuten persönlichen Bestleistung (81,27 Meter) und Platz 2 wichtige Punkte für die deutsche Nationalmannschaft, die am Ende Dritter wird. Zweiter wird Merlin Hummel auch bei der Universiade in Wattenscheid.
Bei der Weltmeisterschaft im September in Tokio setzt er einer außergewöhnlichen Saison dann die Krone auf. Merlin Hummel schraubt seine persönliche Bestleistung zum Saisonhöhepunkt auf 82,77 Meter und setzt damit Top-Favorit Ethan Katzberg gehörig unter Druck. Der kontert mit 84,70 Metern und holt sich Gold vor dem Kulmbacher.



















































