"Megastark, Merlin!", "Maschine" oder "Merlin Magic" - in den sozialen Netzwerken feierten tausende Fans und Freunde Merlin Hummel. Der neue Hammerwurf-Vize-Weltmeister, der Anfang des Jahres von seinem Ausbildungsverein UAC Kulmbach zur LG Stadtwerke München gewechselt ist, zeigte sich von den Glückwünschen aus aller Welt überwältigt. "Ich muss das erst einmal verarbeiten", sagte der 23-Jährige, der zwar insgeheim mit einer Medaille geliebäugelt hatte, sich dann aber schwer tat zu realisieren, was er da in Tokio geleistet hat. 82,77 Meter - neuer persönlicher Rekord und Platz 5 in der ewigen deutschen Bestenliste.
Doch die rauschende Party blieb aus. Zum einen ist der 23-jährige Kulmbacher kein Feierbiest, sondern ein stiller Genießer. Und außerdem war er sehr müde. "Es war ein langer Tag, ich gehe jetzt ins Bett", sagte Merlin Hummel, als wir mit ihm um 1 Uhr japanischer Zeit am Mittwochmorgen sprechen können. Erst eine Stunde zuvor hatte er das deutsche Mannschaftshotel in Tokio erreicht, nachdem er im Stadion natürlich ein gefragter Mann gewesen ist.
Während sich sein 69-jähriger Trainer Martin Ständner, ausgebildeter Bier-Sommelier, nach dem größten Erfolg seiner langen Trainerlaufbahn noch das ein oder andere Schlückchen japanischen Gerstensafts gönnte, blieb Hummel abstinent. Alkohol trinkt der 23-Jährige schließlich aus Prinzip nicht. Auch bei seiner Ernährung ist er längst Vollprofi, achtet sehr auf gesunde Lebensmittel und isst nur selten Fleisch. Nach seinem Silber-Coup machte Hummel aber mal eine kleine Ausnahme. "Wir haben uns im Hotel noch einen Burger bestellt", verriet der Kulmbacher. Mit "wir" meinte er seinen Bruder Matti und den mitgereisten Physiotherapeuten Fares Day vom gleichnamigen Kulmbacher Therapiezentrum, der sich während der WM um Merlin Hummels imposanten Muskelapparat kümmert.
Audienz beim deutschen Botschafter
Noch ein paar Tage bleibt Merlin Hummel in Tokio. Der Kulmbacher will sich noch einige Wettkämpfe, aber auch die knapp 10-Millionen-Stadt anschauen. Außerdem möchte der Sauna-Fan ein japanisches Bad besuchen und auch die Kulinarik Japans genießen.
Einen wichtigen Termin haben Hummel und sein Trainer Ständner aber auch noch. Denn der deutsche Botschafter hat sie am Donnerstag zur Audienz geladen.
Sechste deutsche WM-Medaille im Hammerwerfen
Merlin Hummels Silber ist erst die sechste deutsche Medaille bei inzwischen 20 Weltmeisterschaften. Der deutsche Rekordhalter Ralf Haber aus Chemnitz hatte bei der zweiten WM 1987 ebenso Bronze gewonnen wie Heinz Weis zwei Jahre später. Letzterer wurde 1997 der erste deutsche Weltmeister, ehe ihn zwei Jahre später Karsten Kobs als Titelträger folgte. Nach dem Gewinn der Silbermedaille 2005 durch Markus Esser dauerte es 20 Jahre, bis mit Merlin Hummel wieder ein deutscher Athlet auf dem Treppchen stand.
Hummels fünfte Silbermedaille
Für Merlin Hummel war es bereits der fünfte 2. Platz bei bedeutenden Wettkämpfen. Los ging es mit der Silbermedaille bei den olympischen Jugendspielen 2019 in Baku (Aserbaidschan). Ein Jahr später sowie 2024 wurde er Deutscher Vize-Meister bei den Herren. 2023 gewann Merlin Hummel bei der U23-Europameisterschaft in Finnland ebenso Silber wie 2025 bei der Universiade in Wattenscheid.
2024 überraschte er die internationale Konkurrenz mit Platz 4 bei der Europameisterschaft in Helsinki und kam bei seinen ersten Olympischen Spielen in Paris gleich ins Finale, wo er den respektablen 10. Platz belegte. Zudem gewann Hummel 2023 und 2025 mit der deutschen Nationalmannschaft Bronze bei der Team-Europameisterschaft.
Seine erste WM 2023 war allerdings zum Vergessen. Denn Merlin Hummel schied ohne gültigen Versuch bereits in der Qualifikation aus. Allerdings litt er damals unter Rückenschmerzen, die sich später als Bandscheibenprobleme herausstellten. Diese hat er aber längst überwunden.
Mit WM-Silber ist Merlin Hummel nun vom Hoffnungsträger zu einem der Aushängeschilder der deutschen Leichtathletik aufgestiegen und deutschlandweit in aller Munde. So will ihn am Donnerstag das ZDF-Morgenmagazin interviewen.
Große Freude in Kulmbach
Natürlich fieberten auch die sportbegeisterten Kulmbacher mit ihrem ersten Olympioniken mit. Oberbürgermeister Ingo Lehmann gratulierte Merlin Hummel via WhatsApp und bekam unverzüglich eine Dankes-Sprachnachricht zurück. Lehmann ist überzeugt, dass Merlin Hummel mit seinen 23 Jahren noch einiges zuzutrauen ist. "Er hat einen unglaublichen Weg beschritten, der weiter steil nach oben führt."
Kulmbachs Landrat Klaus-Peter Söllner, bekennender Sport-Fan, sprach von einer "großen Freude" über WM-Silber und bezeichnete Merlin Hummel als "überragenden Botschafter" für die Region." Er sei nicht nur "ein toller Sportler, der sich großartig entwickelt hat", sondern auch ein "sehr lockerer, sympathischer Mensch", was er mit seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio bewiesen habe. "Das ist vielleicht der größte sportliche Erfolg, den je ein Sportler aus dem Landkreis Kulmbach erreicht hat", so Söllner.
Vergessen dürfe man aber nicht Hummels Trainer Martin Ständner: "Er hat ja schon viele erfolgreiche Sportler herausgebracht und immer wieder Talente geformt." Besonders freut es Söllner, dass die Basis für diesen Erfolg in seiner Heimatstadt Stadtsteinach gelegt wurde, wo die Trainingsgruppe der Wurfgemeinschaft des UAC Kulmbach und TSV Stadtsteinach mit einer selbst gebauten "Mucki-Bude" großen Aufwand betreibe.
Ebenso wie die Stadt Kulmbach will auch der Landkreis Merlin Hummel und seinem Trainer eine besondere Ehrung zuteil kommen lassen.
















