Die Weltspiele der Studenten im Rhein-Ruhr-Gebiet nahm Merlin Hummel aus dem Training heraus mit. Die Atmosphäre des drittgrößten Sportereignisses der Welt nach den Olympischen Spielen und den Paralympics zu erleben, reizte ihn einfach.
Rund 8.500 Studentinnen und Studenten aus mehr als 150 Ländern messen sich noch bis 27. Juli in 16 Sportarten. "Ich bin dankbar für die Erfahrung, doch so richtig gefangen hat mich die Veranstaltung nicht", gibt Merlin Hummel, der ein Fernstudium in Angewandter Künstlicher Intelligenz absolviert, ehrlich zu.
"Das Stadion hat schon Bock gemacht. Allerdings war es der am schlechtesten besetzte Wettkampf in diesem Jahr." Und weil der Kulmbacher inzwischen zur absoluten Weltspitze gehört, will er sich möglichst nur noch mit den Besten messen.
Natürlich hätte der 23-Jährige Kulmbacher den Hammerwurf-Wettbewerb im frisch renovierten Lohrheidestadion von Wattenscheid, in dem sich eine Woche zuvor sein kleiner Bruder Matti Bronze bei der Deutschen U23-Meisterschaft geholt hatte, auch gerne gewonnen.
Universiade: Hammerwerfer Hummel wird Zweiter
Doch Hummels Titelträume durchkreuzte der einzige ernsthafte Konkurrent im ansonsten international zweitklassig besetzen Hammerwurf-Wettbewerb.: Mykhaylo Kokhan.
Mit dem ein Jahr älteren Ukrainer misst sich Merlin Hummel schon seit vielen Jahren. Zumeist hatte der Kulmbacher das Nachsehen. Etwa bei der EM 2024, als Hummels Vierter direkt hinter Kokhan wurde.
Oder bei der Team-EM vor kurzem in Madrid. Da reichte dem Kulmbacher selbst eine persönliche Bestweite von 81,27 Metern nicht, um seinen Angstgegner zu schlagen. Denn auch der Ukrainer warf so weit wie nie: 81,66. Doch einmal hat Merlin Hummel den Ukrainer schon geschlagen. Das war heuer im Frühjahr auf Zypern. Da wurde der Kulmbacher mit 76,90 Metern Fünfter vor Kokhan (76,11).
Keine Konkurrenz für Hummel und Kokhan
Bei den "World University Games" mussten die Hammerwerfer zunächst die Qualifikation überstehen. Sowohl für Hummel (75,76) als auch Kokhan (73,74) war das ein Spaziergang. Beide gewannen ihre Qualifikationsgruppen, blieben aber schon da weit unter ihrem eigentlichen Leistungsvermögen. "Wir haben beide keine guten Leistungen gezeigt", meint Merlin Hummel, der das nicht allein damit entschuldigen will, dass sich Kokhan und er im Trainings-Neuaufbau für die Weltmeisterschaft vom 13. bis 21. September in Tokio befinden.
Im Finale der besten Zwölf einen Tag später ging Hummel mit einem Sicherheitswurf auf 75,88 Meter in Führung, die er mit 77,03 Metern im zweiten Versuch noch ausbaute. Kokhan weitester Versuch nach drei Würfen wurde mit 75,53 Metern notiert - satte sechs Meter hinter seiner Bestweite.
Erst im vierten Anlauf konnte der Olympia-Dritte von Paris 2024 den Kulmbacher mit dem hauchdünnen Vorsprung von sieben Zentimetern von Platz 1 verdrängen. Merlin Hummel konnte nicht mehr kontern, alle drei weiteren Versuche waren ungültig. Bronze holte der Italiener Giorgio Olivieri mit 73,78 Metern.
Merlin Hummel ärgerte sich weniger über die Niederlage, hat doch für ihn die Universiade keinen allzu hohen Stellenwert. "Die Platzierung ist mir völlig wurscht." Viel mehr wurmte ihn, dass er keinen guten Wettkampf abgeliefert hatte: "Das mir nicht gelungen ist. Deswegen bin ich schon etwas angefressen."
Zumal er "für diese Phase der Saison überdurchschnittlich viel Power" habe. Und das, obwohl Trainer Martin Ständner in Hinblick auf den Saisonhöhepunkt, die Weltmeisterschaft im September in Tokio, noch einmal das Training in Richtung Kraftaufbau intensiviert hat.
Technische Probleme bei Weltspielen
Doch Merlin Hummel hatte bei den Weltspielen der Studenten mit technischen Problemen zu kämpfen, wie er verrät. Die Probleme liegen bei der Drehung im Oberköper.
"Ich kann mich mit den Beinen so schnell drehen wie ich will. Wenn ich mit der Schulter zu früh wegziehe, dann kommt die Kugel schnell in eine Position , in der sie nicht sein sollte. Das ist eine Baustelle, auf die wir uns nun im Training konzentrieren müssen."
Martin Ständner sagt: "Merlin hat beim Einwerfen schöne Würfe gezeigt, aber dann die Schulter verrissen." Doch auch der Heimtrainer vom UAC Kulmbach hat Verständnis für die eher schwächere Leistung seines Schützlings: "Wir haben seit der Team-EM in Madrid das Training auf einen Mini-Neuaufbau mit Kraftausdauer und schweren Geräten umgestellt. Das hat ihn schon geschlaucht."
Man darf gespannt sein, ob das Duo Ständner/Hummel die technischen Probleme schon bis zur Deutschen Meisterschaft in Dresden (Sonntag, 3. August, Finale ab 14 Uhr) in den Griff bekommt.
Doch weil der einzige Weltklasse-Werfer neben Hummel, Sören Klose, verletzungsbedingt diese Saison pausiert, wird Merlin Hummel im neuen Heinz-Steyr-Stadion von Dresden höchstwahrscheinlich schon ein Sicherheitswurf zum zweiten Titel nach 2022 reichen. Denn die nationale Konkurrenz ist aktuell sehr schwach. So hat der Zweite in der deutschen Jahresbestenliste, Kai Hurych, heuer erst 71,56 Meter weit geworfen.
Seine Motivation für die Deutsche Meisterschaft zieht Merlin Hummel deshalb vor allem aus der Wettkampf-Atmosphäre: "Das Stadion ist an beiden Tagen ausverkauft, das wird sicher eine geile Stimmung geben. Da kommt dann die Weite von ganz alleine."
Am Samstag im "Aktuellen Sportstudio"
Zuvor hat der Kulmbacher aber noch einen großen Fernseh-Auftritt. So wird er am Samstagabend ab 22.30 Uhr neben dem Fußball-Geschwisterpaar Lena und Tim Oberdorf zu Gast im "Aktuellen Sportstudio" sein. Deshalb war auch ein ZDF-Team in Wattenscheid, um einen Beitrag über Merlin Hummel zu drehen.
Auch sein Trainer Martin Ständner stand Rede und Antwort. Der Kulmbacher Hammerwerfer freut sich schon sehr auf seinen Auftritt in der renommiertesten Sport-Talk-Sendung Deutschlands, bei der auch seine Freundin im Publikum sitzen wird.













