Zwölf Jahre ist es her, dass Merlin Hummel bei einem Talentsichtungstag auf der Wurfanlage in Stadtsteinach erstmals mit dem Sport in Berührung kam. Im Alter von damals zehn Jahren nahm der Kulmbacher das Training bei Martin Ständner auf, der die Trainingsgemeinschaft der Leichtathleten des UAC Kulmbach und der Rasenkraftsportler des TSV Stadtsteinach leitet. Und Ständner formte aus dem talentierten Burschen den ersten Olympioniken in der Geschichte Kulmbachs.
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Für beide Vereine sammelte Merlin Hummel etliche Erfolge, wenngleich er mit dem Aufstieg zum Weltklasse-Athleten im Hammerwerfen nur noch sporadisch im Rasenkraftsport startete.
Im Trikot des UAC Kulmbach wurde Merlin Hummel im Nachwuchsbereich zig Mal Deutscher Meister und 2023 erstmals auch bei den Männern. Zudem holte er Silber bei den Olympischen Jugendspielen 2022 in Aserbaidschan, wurde 2023 Junioren-Vize-Europameister, belegte 2024 Platz 4 bei der Europameisterschaft und schaffte es bei seinen ersten Olympischen Spielen gleich in den Endkampf, den er auf Rang 10 beendete.
Doch wie sich jetzt herausstellt, war der Werfertag in Stadtsteinach im Oktober der letzte Wettkampf für Hummel im Trikot des UAC Kulmbach. Denn ab der kommenden Saison schlüpft Merlin Hummel ins Trikot der LG Stadtwerke München.
Doch was steckt hinter dem Vereinswechsel? Verlegt der Kulmbacher wohl seinen Wohnsitz in die bayerische Landeshauptstadt? Verlässt er also seinen Entdecker, Förderer und langjährigen Trainer Martin Ständner?
Angebot von Cologne Athletics
"Nein", sagt der 69-jährige Ständner. "Außer Merlins Trikot wird sich nichts verändern. Er bleibt in Kulmbach und wird weiter bei uns trainieren." Der Vereinswechsel hat lediglich finanzielle Vorteile für seinen Athleten. "Er ist inzwischen in einer gewissen Leistungsklasse, wo er Angebote von anderen Vereinen erhält, für sie zu starten", erklärt Ständner. So habe Merlin Hummel auch ein Angebot des Vereins Cologne Athletics erhalten. Hinter dem erst 2021 gegründeten Verein aus Köln steckt der 54-jährige ehemalige Olympia-Hammerwerfer und Medien-Unternehmer Dr. Claus Dethloff. "Er kauft gerade alle Athleten, die es zu kaufen gibt", sagt Martin Ständner.
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So haben sich gleich mehrere deutsche Spitzen-Leichtathleten in der noch bis zum 30. November endenden Vereins-Wechselfrist den Cologne Athletics angeschlossen. Darunter die beiden amtierenden Deutschen Meister im Hochsprung, Imke Onnen (bisher Hannover 96) und Tobias Potye (LG Stadtwerke München). "Natürlich muss jeder Athlet schauen, wo er bleibt, zumal der Bund die Sporthilfe gekürzt hat." So bekommt Merlin Hummel, der als Sportsoldat bei der Bundeswehr angestellt ist, nur noch 150 statt 300 Euro Sporthilfe im Monat.
Beratung mit BLV-Chef Gerd Neubauer
Deshalb kann ihn sein Trainer Martin Ständner verstehen, wenn er zu einem Verein wechselt, der ihn auch finanziell unterstützen kann. "Der UAC als kleiner Verein kann das nicht." Nach dem Angebot der Cologne Athletics führte Martin Ständner ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Bayerischen Leichtathletik-Verbandes, Gerd Neubauer. "Ihm war natürlich wichtig, dass Merlin weiter für einen bayerischen Verein startet", erklärt Martin Ständner, der beim UAC nicht nur Trainer, sondern auch Vorsitzender ist. Und so kam der Kontakt zur LG Stadtwerke München zustande, die den Kulmbacher Olympioniken künftig unterstützt.
"Mir ist es auch lieber, dass Merlin zur LG Stadtwerke München wechselt, wo ich viele Leute kenne, als nach Köln", sagt Martin Ständner. Sogar Markus Söder werde sich freuen, glaubt der UAC-Trainer. "Denn er will ja den Spitzensport durch ein bayerisches Sportfördergesetz stärken." Der Ministerpräsident hat dabei auch die Olympischen Spiele 2040 im Hinterkopf, die er gerne nach München holen will. Söder hat zudem versprochen, dass die Landesregierung den bayerischen Olympia-Medaillengewinnern künftig die doppelte Prämien des Bundes zahlen will und die Zahl der Sportschulen in Bayern von vier auf zehn aufstocken möchte.
Das sagt Merlin Hummel
Merlin Hummel selbst wäre nie auf die Idee gekommen, sein gewohntes Umfeld in Kulmbach zu verlassen. "Ich habe hier Familie, Freunde, Wohnung und die besten Trainingsbedingungen, perfekte Physiotherapie bei Fares Day und mit Martin Ständner ein super Trainingssystem gefunden. Da wäre ich ja blöd, wenn ich etwas ändern würde." Das Angebot, künftig für die LG Stadtwerke München zu starten, konnte er aber nicht ausschlagen: "Der Verein hat ein leistungsorientiertes Prämiensystem, das sich für mich auszahlen kann. Diese Unterstützung kann ich dann wieder in meinen Sport stecken."
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Merlin Hummel ist nicht der erste Athlet, der im Laufe seiner Karriere den UAC Kulmbach verlässt. So war Simone Mathes Ende der neunziger Jahre auf dem Papier zum LAC Quelle Fürth gewechselt, trainierte aber weiter in Stadtsteinach bei Martin Ständner. "Merlin will jetzt auch den nächsten Schritt machen, hat aber zugesagt, weiter für den TSV Stadtsteinach im Rasenkraftsport zu starten und für den UAC bei Aktionen an Schulen dabei zu sein." So besucht er demnächst die Grundschule Presseck, um für den Wurfsport zu werben.
Aktuell befindet sich Merlin Hummel im Grundlagentraining. Eine Teilnahme an einem zweiwöchigen Trainingslager des DLV in Südafrika hat er abgesagt, auch weil es sein Trainer Martin Ständner als wenig sinnvoll erachtet: "Nach zwei Wochen Training in der Wärme muss sich der Körper wieder auf unseren Winter umstellen. Und dann holt man sich schnell eine Erkältung."
Die Geschichte des UAC Kulmbach
Der Unabhängige Athleten-Club (UAC) Kulmbach entstand aus der Schwerathletik-Abteilung des ATS Kulmbach. Mitte der siebziger Jahre baute der frühere Bayerische Meister im Boxen, Volker Scheibe, eine Gewichtheber-Staffel beim ATS auf. Die Gruppe feierte bald Erfolge auf Bezirks- und Landesebene. Nachdem vom ATS Kulmbach über Jahre keine adäquate Trainingsstätte zur Verfügung gestellt werden konnte und die Gewichtheber sich als "siebtes Rad am Wagen" fühlten, verließen sie den Verein und gründeten 1984 den UAC Kulmbach. Neue Heimstätte war das Fitness-Studio von Jürgen Scheibe.
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Im Gewichtheben betrieb der UAC jahrelang eine Startgemeinschaft mit dem AC Bayreuth, die bis in die Landesliga aufstieg. 1985 rief der UAC eine Leichtathletikabteilung ins Leben, die in den Wurfdisziplinen 24 Deutsche und über 100 Bayerische Meistertitel holte und zig Kaderathleten hervorbrachte. Mit Merlin Hummel hat der UAC erstmals auch einen Olympioniken hervorgebracht.
Parallel dazu wurde mit den Rasenkraftsportlern des TSV Stadtsteinach ein Kooperationsvertrag geschlossen. So treten die Athleten bei Wettkämpfen im Rasenkraftsport im Trikot des TSV Stadtsteinach an. Die Stadt Stadtsteinach stellt der Trainingsgemeinschaft das Wurfzentrum in der Au zur Verfügung.













