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Zigaretten
Nach Ministeriumspatzer: Gesetz tritt aus Versehen in Kraft
Illustration - Zigaretten
Zigaretten werden teurer. // Sven Hoppe/dpa
Tabakmesse Intertabac 2026
Früher für die FDP im Bundestag, heute als Tabaklobbyist tätig: Jan Mücke. // Wolf von Dewitz/dpa
von dpa
Berlin – Ab 2027 sollten die Tabaksteuern steigen und das Rauchen verteuern, so dachte man. Von wegen - ein Steuergesetz gilt schon jetzt. Das sei keine Absicht gewesen, heißt es aus dem Finanzministerium.
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Nach einem Fehler des Bundesfinanzministeriums ist eine gesetzliche Regelung, die zu deutlich höheren Zigarettenpreisen führen wird, aus Versehen schon heute in Kraft getreten. Im Bundesgesetzblatt war das Tabaksteuer-Gesetz am Dienstag veröffentlicht worden mit dem Hinweis, dass es am Folgetag in Kraft tritt - also am Mittwoch. 

Auf dpa-Nachfrage räumte das Bundesfinanzministerium allerdings ein, dass die höheren Steuersätze eigentlich erst zum 1. Januar 2027 in Kraft treten sollten: «Es ist ein technischer Fehler in Bezug auf das Datum des Inkrafttretens in den Unterlagen passiert.» Man habe eine Berichtigung angestoßen. Für Raucher dürfte sich durch den Patzer und die folgende Korrektur Branchenbeobachtern zufolge allerdings nichts ändern.

Es drohen wohl keine Kippen-Engpässe in den Verkaufsstellen

Laut dem nun in Kraft getretenen Gesetz müssen Tabakhersteller in Deutschland weit mehr Steuern zahlen als zuvor. Das aber können sie gar nicht, weil die dafür nötigen Steuerzeichen nicht vorhanden sind. 

Vertreter der Tabakbranche äußern Kritik. «Die Bundesregierung muss jetzt sehr schnell Rechtssicherheit für die Fortführung der Produktion herstellen», sagt Jan Mücke vom Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE). Die schon jetzt in den Geschäften befindlichen Zigaretten könnten zwar noch abverkauft werden, diese Bestände wären aber in wenigen Wochen aufgebraucht. 

Nach Lesart der Tabakbranche sind Steuersätze fällig, die der Gesetzgeber eigentlich erst ab dem Jahr 2030 vorgesehen hat. Dabei sollte es erst ab 2027 schrittweise bis 2030 nach oben gehen. Das Bundesfinanzministerium bekräftigte das Vorhaben, die Steuern erst ab Januar anheben zu wollen. Darüber sei auch die Generalzolldirektion, die die Steuer administriert, entsprechend informiert worden, so ein Ministeriumssprecher.

«Solche Worte sind zwar schön und gut, aber das jetzt gültige Gesetz besagt etwas anderes», sagt Mücke. Es sei eine Gesetzesänderung nötig, die der Bundesrat frühestens in einem Monat abschließen und den Fehler beheben könne. «Wir begeben uns als Tabakbranche wochenlang in eine Grauzone, die von den Behörden toleriert werden soll.» 

Mücke sagt zwar, dass die Tabakfirmen wohl weiterproduzieren werden. Er ist aber frustriert. «Nur weil das Ministerium bei der Gesetzgebung gepatzt hat, befinden wir uns in einer unzumutbaren Lage.»

Tabaklobbyisten sind frustriert

In dem Gesetzgebungsverfahren zur Tabaksteuer ist aus Sicht von Mücke von Beginn an der Wurm drin gewesen. So habe das Finanzministerium der Branche im Juni viel zu wenig Zeit gelassen, um auf den Gesetzesentwurf zu reagieren und Stellung nehmen zu können. 

«Später haben das Finanzministerium und Gesundheitsministerium den Gesetzesentwurf in einer Art Hinterzimmerpolitik noch verschärft», sagt der frühere FDP-Bundespolitiker Mücke. «Dieses Gesetzgebungsverfahren ist rechtlich angreifbar und einer parlamentarischen Demokratie wirklich unwürdig.» 

Andere Tabaklobbyisten schütteln ebenfalls mit dem Kopf. Maximilian van Ackeren vom Verband der deutschen Rauchtabakindustrie (VdR) ärgert sich über den nach seinen Worten «Dilettantismus» des Ministeriums. 

Als Folge des Tabaksteuer-Gesetzes werden Zigaretten in den kommenden Jahren deutlich teurer. Kostet eine 20er-Packung Zigaretten im Schnitt derzeit noch rund acht Euro, so dürften es 2030 knapp 12 Euro sein. Das soll dem Bund zusätzliche Milliardeneinnahmen bescheren und den Gesundheitsschutz stärken.

In Deutschland greifen Millionen Menschen zur Tabakzigarette. Der Mikrozensus 2025 kam auf einen Raucheranteil von 19 Prozent der Ab-15-Jährigen: 14 Prozent tun dies nach eigenen Angaben regelmäßig und 5 Prozent gelegentlich.

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