Seit Beginn des Prozesses rätseln die Zuhörer am Landgericht Bamberg über das Motiv der wiederholten Mordversuche mit vergifteter Pizza und Lasagne. Der Angeklagte selbst hat zwar gestanden, über seine Beweggründe aber nur wenige Worte verloren.
Warum wollte Mann aus Breitengüßbach seine Frau töten?
Nun hat der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Wenske aus Möhrendorf etwas Licht ins Dunkel gebracht. Er glaubt zu wissen, warum der Mann aus Breitengüßbach seine Ehefrau aus dem Weg räumen wollte. Es ging nicht ums Geld...
Lesen Sie hier das Geständnis des Angeklagten:
Am Landgericht Bamberg erfährt man: Der Mann geht auf die sechzig zu. Die erwachsenen Kinder sind schon aus dem Haus. Beruflich hat er einiges erreicht. Doch das Ende kündigt sich an – es wird spürbar. Bald wird er in Rente gehen. Dann wird er nicht mehr gebraucht werden. Ein großer Bereich, der ihm Halt gibt, droht einfach wegzufallen.
Auch in der Partnerschaft kriselt es. Nach vielen Jahrzehnten sind romantische Momente selten. Erotische gibt es gleich gar nicht mehr. Immer wieder streitet man über Kleinigkeiten. Dabei ist sie das, was man eine perfekte Ehefrau nennen könnte. Nach außen hin kann man die Fassade einer harmonischen Familie aber aufrechterhalten.
Zuletzt kommt noch ein Schlaganfall hinzu. Für den stets sportlichen, auf seinen Körper und das Aussehen fixierten Mann ist das ein schlimmer Schock. Zumal solche Ereignisse in seinem Alter eher ungewöhnlich sind.
Er aber kämpft sich mit langwierigen Reha-Maßnahmen zurück. Es bleiben aber sichtbare, und vor allem spürbare Spätfolgen. Eine seiner Hände kann er nicht mehr richtig bewegen. Und er beginnt zu ahnen, dass in seinem restlichen Dasein zwischen Arbeit und Schuldenabbau nicht mehr viel kommen wird. Keine aufregenden Höhepunkte, nur noch banaler Alltag, dann der körperliche Verfall und irgendwann der Tod.
Mann aus Kreis Bamberg will nochmal neu anfangen
Der Mann will noch einmal ganz neu anfangen. Mit einer deutlich jüngeren Frau, auch um sich selbst noch einmal jünger zu fühlen. Auf TikTok lernt er eine attraktive Thailänderin kennen, die in Hamburg lebt. Auch sie ist verheiratet und steckt mit ihrer Ehe in einer psychologischen Sackgasse.
Irgendwann beschließt er, sie zu sich zu holen. In das Haus, in dem er noch immer mit seiner Ehefrau lebt. Deshalb muss sie weg. Eine Scheidung aber dauert, macht jede Menge Ärger und kostet viel Geld. Ganz zu schweigen vom öffentlichen Ansehensverlust. Denn dadurch würde klar, dass das Idyll aus Beruf, Haus und Familie tiefe Risse hat. Dann schon lieber erst den fürsorglichen Ehemann und nach dem „Erfolg“ seiner Bemühungen den trauernden Witwer geben.
In dem Mann entsteht die Idee, die Ehefrau umzubringen. Nicht erwürgen, erstechen oder erschlagen, sondern vergiften. Damit es im Falle des Falles aussieht wie ein natürlicher Tod. Schließlich will der Mann sein neues Leben nicht hinter Gittern verbringen. Sondern an der Seite seiner jungen Geliebten und künftiger gemeinsamer Kinder.
Dabei kommt es ihm zupass, dass die Ehefrau tatsächlich Probleme mit dem Herzen hat. Es braucht also Gifte, die es wie einen Herzinfarkt oder Herzstillstand aussehen lassen. Am besten ganz exotische, die sich nur schwer nachweisen lassen, weil kein rechtsmedizinisches Labor darauf vorbereitet ist. Er bestellt im Online-Versandhandel die Samen verschiedener hochgiftiger Pflanzen.
Lesen Sie hier, wie der Mann seine Gattin vergiften wollte:
Gleichzeitig lügt er seine künftige Geliebte, die er bis zur gemeinsamen Flucht nach Frankreich nie persönlich getroffen hat, über die tatsächlichen Verhältnisse an. Er erzeugt eine „Fata Morgana“, wie es der Gutachter nennt. Er sei bereits geschieden und lebe alleine im Haus.
Tatsächlich lädt er die Thailänderin ein, zu ihm zu ziehen – sogar mehrfach. Und zwar offenbar immer in jenen Phasen, wenn er gerade wieder einen Giftanschlag auf seine Ehefrau vorhat. Und sobald auch dieser wieder fehlschlägt, erfindet er Ausreden wie schwere Erkrankungen oder Auslandsaufenthalte, damit die Internet-Bekanntschaft nicht nach Breitengüßbach kommt, sondern in Hamburg bleibt.
Mordversuche im Kreis Bamberg fliegen durch Zufall auf
So geht das bis zu jenem Tag, als die Serie an Mordversuchen durch einen blöden Zufall auffliegt. Weil sein Sohn, der nach einer gescheiterten Beziehung kurzzeitig wieder heimgekehrt ist, aus Versehen von der vergifteten Pizza abbeißt, die eigentlich für seine Mutter gedacht ist. Nachdem der junge Mann unter ähnlichen Symptomen leidet, aber keinerlei Herzprobleme hat, werden die Notärzte misstrauisch.
Wenige Tage später versucht der Ehemann, seinen Traum vom neuen Leben doch noch in die Tat umzusetzen. Er flüchtet zur Geliebten nach Hamburg, mit der er noch im Hotel an der Autobahn die erotischen Erlebnisse hat, nach denen er sich jahrelang gesehnt hat. Noch einmal fühlt er sich jung. Dann wird er von Spezialkräften der französischen Polizei festgenommen.
Der Prozess wird am Donnerstag (13.11.2025) um 9 Uhr fortgesetzt.













