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16 Tonnen verseuchtes Erdreich
Unternehmer reißt Asbest mit bloßen Händen herunter
Dach mit Wellasbest
Werden Asbestfasern eingeatmet, können sie sich in der Lunge festsetzen. Die Folgen können Asbestose (Staublunge), Lungenkrebs und Mesotheliom (Tumor des Brust- oder Bauchfells) sein. // Florian Schuh/dpa-tmn
Bamberg – Mitten in Bamberg wird eine alte Garage abgerissen. Weil Asbestfasern in die Umwelt gelangen, kommt es zum Prozess vor dem Amtsgericht. Der Bauunternehmer weist alle Schuld von sich.

Der Nachbar traut seinen Augen nicht. Da steht ein Mann auf der in die Jahre gekommenen Doppelgarage nebenan und reißt die Wellzement-Platten mit einer Brechstange und bloßen Händen herunter. Dabei müsste er in Sachen Eternit und Asbest doch die eine oder andere Schutzmaßnahme einhalten. Einmal-Schutzkleidung mit Handschuhen, die man nach dem Einsatz entsorgt. Aber auch eine Filtermaske, um keine der krebserregenden Asbestfasern einzuatmen. Die richtige Vorgehensweise, um möglichst wenig Schadstoffe in die Umgebung freizusetzen.

Der Mann da drüben schert sich nicht um die eigene Gesundheit – und um die der anderen ringsumher. Ihm scheint es nur darum gegangen zu sein, möglichst schnell zu arbeiten und dabei möglichst wenig Aufwand zu betreiben. Auch wenn solch ein Schutzset nur rund 50 Euro kostet. Er hat zudem die Baustelle, irgendwo in Bamberg, nicht abgesperrt. So könnten unbeteiligte Besucher in Gefahr geraten, jene schädlichen Mineralfasern einzuatmen.

Nachbar filmt die Aktion

Der Nachbar ahnt, dass da etwas Illegales vor sich geht und greift zum Smartphone, um zu filmen. Auch, weil er als Familienvater Angst hat, dass seinem Kind dieser Umweltfrevel schaden könnte. Einige Tage später ist der Mann mit der Brechstange wieder auf dem Grundstück. Diesmal hat er einen Bagger dabei. Einerseits, um die Wände und das Fundament der Doppelgarage abzureißen und aufzuladen. Andererseits will er – auch das verstößt gegen gesetzliche Regelungen – die sperrigen Eternit-Platten auf handliche Größe bringen. Damit sie leichter in die sechs Spezialsäcke passen.

Arbeiter in Schutzkleidung demontieren Asbestplatten auf Dach
Nur etwas für Profis: Wer mit Asbest arbeitet, muss eine spezielle Schutzkleidung tragen. // Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Solange hat er sie unter freiem Himmel herumliegen lassen. Solche Big Bags sind extrem reißfest und lassen sich luftdicht verschließen. Insgesamt sind es fast eineinhalb Tonnen Sondermüll, die der Mann auf die Deponie Gosberg bringt. Ob er überhaupt den dafür notwendigen Sachkundenachweis hat oder vor seiner Garagen-Aktion das Gewerbeaufsichtsamt Coburg informiert hat, das bleibt im Laufe des Prozesses am Amtsgericht Bamberg unklar. Klar wird nur, dass er in erster Linie Garten- und Landschaftsbauer ist und Abbrucharbeiten nur nebenbei macht.

 Asbestverseuchter Boden: Gefahr für Mensch und Natur

Der Nachbar hat genug gesehen. Er informiert die Behörden. Die Wasserschutzpolizei Bamberg und das Staatliche Umweltamt nehmen sich der Sache an. Man entdeckt, dass der Mann beim Zerkleinern des Bauschutts nur die großen Teile aufgesammelt und weggebracht hat. Unzählige kleinere Bruchstücke hat er liegenlassen. Nun geht es schnell, um Gefahren von Mensch und Natur abzuwehren. Das Landratsamt Bamberg ordnet innerhalb weniger Tage an, das verunreinigte Erdreich bis in eine Tiefe von zehn Zentimetern abzutragen und als Sondermüll zu entsorgen. Solch eine Maßnahme aber kostet.

Denn die Deponierung geht nach Gewicht. Damit Gras über die Sache wächst, besorgt der Mann mit dem Bagger rund 16 Kubikmeter Erdaushub. Damit bedeckt er einige Wochen später das Gelände, auf dem bis vor Kurzem noch eine Doppelgarage gestanden hat und verdichtet alles ordentlich. Natürlich ohne den asbestverseuchten Boden zuvor wegzuschaffen. Das bleibt am Bauunternehmer hängen, der für Abtragung, Transport und Entsorgung des kontaminierten Erdreichs rund 25.000 Euro aufbringen muss.

Unerlaubter Umgang mit Abfällen und vorsätzliche Bodenverunreinigung

Vor dem Amtsgericht Bamberg steht nun aber nicht der Mann mit der Brechstange. Er ist bereits verurteilt worden. Vielmehr hat man den Bauunternehmer im Visier, der hinter den Abbrucharbeiten steckt. Er sieht sich dem Vorwurf des fahrlässigen, unerlaubten Umgangs mit Abfällen und der vorsätzlichen Bodenverunreinigung ausgesetzt. Weil er die Dinge hat geschehen lassen. Es droht eine hohe Geldstrafe. In schweren Fällen sind sogar bis zu fünf Jahren Gefängnis möglich.

Problemfall Asbest
Asbest war als Baustoff lange beliebt. Daher findet sich der Stoff auch noch in und an vielen Immobilien. // Florian Schuh/dpa-tmn

Was folgt, ist eine Erklärung des Bauunternehmers, der jegliche Verantwortung von sich schiebt: Er habe sich nicht selbst um den Abbruch der Garage gekümmert. Erstens sei er kein Fachmann in diesen Dingen und zweitens habe er wichtigere Dinge zu tun. Mit dem Rückbau habe er einen Generalunternehmer beauftragt. Einen langjährigen Geschäftspartner, der dafür etwa 6.000 Euro erhalten und sich auch um die Bauüberwachung gekümmert habe. Von dem ungeeigneten Subunternehmer habe er erst erfahren, als alles schon zu spät gewesen sei.

Verfahren vor dem Amtsgericht Bamberg wird eingestellt

Am Ende wird das Strafverfahren gegen den Bauunternehmer eingestellt. Was auch daran liegt, dass der Mann mit der Brechstange seine Aussage bei der Polizei mehrfach geändert hat. Mal zugunsten des Bauunternehmers, mal zu seinen Lasten. Ein glaubwürdiger Zeuge der Anklage sieht anders aus. Allerdings muss der Bauunternehmer im Gegenzug eine Geldauflage von 10.000 Euro für das Projekt Lifeline in Bamberg zahlen. Dort kümmert man sich vor allem um straffällig gewordene Jugendliche. Denn ganz aus der Verantwortung will ihn Strafrichterin Carina Distler auch nicht entlassen.

Dafür bleibt der Bauunternehmer nicht vorbestraft und muss keine weitreichenden Konsequenzen nach dem GmbH-Gesetz fürchten. Inzwischen ist die generalsanierte Immobilie übrigens verkauft. Mit einer einladenden Grünfläche rund um den frei stehenden Bungalow. Ein echtes Schmuckstück mit einer spannenden Geschichte.

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