Dass nach zwei Jahren in der Regionalliga Bayern beim FC Eintracht Bamberg ein Umbruch ansteht, war abzusehen. Sieben Spieler verabschiedeten die Domreiter vor dem letzten Saisonspiel gegen Aubstadt, die ganz großen Überraschungen fehlten.
Zusätzlich zog es auch Nachwuchskeeper Rainer Pflaum weg vom FCE, als letzter Abgang kam Radzivon Hushcha hinzu. Den flinken Offensivmann hätten die Domreiter gerne gehalten, doch "Radi" zog ein Angebot aus der Regionalliga Bayern vor.
Seitdem verlaufen die Wege von Hushcha, Björn Schönwiesner, Lukasz Jankowiak, Muiz Alli, Nico Baumgartl, Koray Kaiser, Benjamin Desic, Andreas Mahr und Pflaum höchst unterschiedlich. Während einigen jüngeren Spielern die Wechsel guttaten, kickt einer gar nicht mehr. Ein anderer hat seinen Pass in Deutschland liegen, wohnt aber nicht mehr im Land.
FC Bamberg: Björn Schönwiesner beendet Karriere
Hätte das Team von Jan Gernlein die Klasse gehalten, wäre Björn Schönwiesner womöglich noch im Kader. Dort wäre für den Stürmer, der ein gutes Verhältnis zu Gernlein besitzt, bestimmt ein Platz frei gewesen.
So aber entschloss sich der 32-Jährige dazu, seine Karriere im Sommer 2025 zu beenden. Passenderweise mit der Partie gegen den TSV Aubstadt, von wo er zur Saison 2022/23 nach Bamberg wechselte. Und dessen mitgereiste Fans ihn nach dem Sieg mitsamt dem sicheren Klassenerhalt im Fuchsparkstadion mit viel Applaus verabschiedeten.
61 Regionalligapartien mit fünf Toren stehen in seiner Vita, in Bamberg fehlte er zwischendurch monatelang. Noch heute trifft man Schönwiesner gelegentlich im Fuchsparkstadion, als Zuschauer drückt er dem Team die Daumen.
Radzivon Hushcha: In Aubstadt Ergänzungsspieler
Vom Knipser in der U19-Landesliga wurde Radzivon Hushcha zur Vorsaison fester Bestandteil des Bamberger Regionalligateams. Und deutete in 32 Einsätzen mit fünf Toren sein Potenzial an. Den 20-Jährigen hätten die Domreiter gerne gehalten, doch Hushcha entschied anders.
Er unterschrieb beim TSV Aubstadt, blieb damit als einziger Domreiter in der Regionalliga. Doch beim bisher bärenstark aufspielenden Tabellenzweiten ist "Radi" meist außen vor. Sechs Einsätze, jeweils von der Bank kommend hat Hushcha absolviert. Im Verbandspokal durfte er beim 5:0-Zweitrundensieg beim TuS Leider durchspielen.
Eine Torbeteiligung fehlt Hushcha bislang. An Severo Sturm, Max Grimm, Pascal Moll und Timo Pitter ist für den Youngster kein Vorbeikommen. 58 Minuten in der Regionalliga sammelte Hushcha für Aubstadt bislang - 80 Minuten weniger als Ex-Domreiter Franz Helmer.
Lukasz Jankowiak: Über Lichtenfels nach Polen
Ein Jahr lang probierte es Lukasz Jankowiak in der Regionalliga. In Lichtenfels fand der im polnischen Olesnica geborene Stürmer im Jahr 2010 eine neue Heimat. Vom ESV wechselte er früh zum FC Lichtenfels, spielte acht Landesliga-Saisons bei den Korbmachern. Für den FC Eintracht spielte er 25 Mal, schoss drei Tore, stand aber frühzeitig als Sommerabgang fest.
Nur logisch, dass der 27-Jährige seine letzten Einsätze in Deutschland dann auch beim Nordwest-Landesligisten absolvierte. Fünf Spiele machte er in der laufenden Saison, sein bislang letztes am 16. August gegen Bad Kissingen. Sein Pass liegt beim FCL, sein Herz hängt am Karl-Fleschutz-Stadion. Doch künftig wohnt er wieder in Polen, hat dort einen Job.
"In Bamberg habe ich viel gelernt – allein das Tempo in der Regionalliga ist ein ganz anderes Level. Keine Zeit zum Verschnaufen, der Ball ist sofort weg, wenn man zu lang überlegt", fasste Jankowiak seine Zeit bei den Domreitern zusammen.
Andreas Mahr im Dauerpech
Ebenfalls wieder beim FC Lichtenfels spielt Andreas Mahr - zumindest theoretisch. Denn der Langzeitverletzte hat noch keinen Einsatz für die Korbmacher hinter sich. Schon die gesamte Saison 2024/25 in Bamberg verpasste der Gymnasiallehrer.
Sein letztes Pflichtspiel bestritt er am 24. Februar 2024. Ob und wann der 32-jährige Mittelfeldspieler wieder auf den Platz zurückkehrt, ist offen. Für den FC Eintracht machte er 16 Regionalligaspiele und lief einmal im Verbandspokal auf.
Koray Kaiser spielt nun gegen Bamberg
Maximal enttäuschend verlief die Saison in Bamberg für Koray Kaiser. Von der SpVgg Bayreuth kam junge Zentrumsspieler, beim FC Eintracht war ihm aber kein Ligaeinsatz von Beginn an vergönnt. Er hinkte hinterher, zeigte nur im Verbandspokal-Achtelfinale bei Fortuna Regensburg, was vielleicht möglich wäre. Nur 85 Minuten in sechs Joker-Einsätzen sammelte Kaiser in Liga 4.
Doch die Wege des heute 21-Jährigen und des FCE trennten sich im Sommer, Kaiser zog weiter zum FSV Stadeln. Beim bislang furios aufspielenden Bayernliganeuling hat Kaiser bislang auch eine Nebenrolle. Sieben von neun Ligaspielen machte er, nur einmal durfte er von Beginn an ran.
Doch die Domreiter hat er schon wiedergesehen, durfte beim 3:2-Erfolg des FSV gegen Bamberg Ende August in den Schlussminuten den Sieg nach Hause verteidigen. Womöglich hat der vergangene Spieltag ihm aber geholfen: Kaiser kam nach 36 Minuten beim Stand von 0:2 gegen Neudrossenfeld ins Spiel - am Ende siegte Stadeln noch mit 5:2, ist weiterhin Tabellenführer der Bayernliga Nord.
Benjamin Desic spielt mit Abtswind um den Aufstieg
Zur Rückrunde 2025 kam Benjamin Desic von Greuther Fürth II zum FC Eintracht, spielte dort aber keine Runde. Magere 48 Regionalligaminuten sammelte er, dass es für den 20-Jährigen in Bamberg nicht weitergeht, war früh klar.
Beim TSV Abtswind in der Landesliga Nordwest scheint der Mittelfeldspieler besser klarzukommen. Zumindest war der Start vielversprechend: Die ersten sechs Partien startete er, traf sogar beim 4:1-Auftaktsieg.
Doch am siebten Spieltag kam er gegen Fuchsstadt nur für die letzten drei Minuten, wurde angeschlagen nach 32 Minuten am Folgespieltag gegen Bad Kissingen ausgewechselt.
"Benni war verletzt und ist erst zurückgekommen, die anderen Jungs haben es jetzt gut gemacht. Aber er hat am Anfang immer gespielt und hat sicher gute Chancen", klärt Sven Wenzel auf. Die vergangenen beiden Siege des Tabellenführers gegen Leider und in Rimpar verfolgte Desic über 90 Minuten von der Bank aus.
Nico Baumgartl ist beim Jahn Forchheim gesetzt
Gehen müssen hätte Nico Baumgartl im Sommer nicht. Der 21-Jährige aus dem eigenen Nachwuchs war in der Regionalligarunde 24/25 zwar nur Ergänzungsspieler, machte 15 Spiele, zwölfmal von der Bank kommend. Doch die Domreiter hätten sich durchaus eine Verlängerung vorstellen können.
Aber Baumgartl wollte etwas Neues, ging zum Jahn nach Forchheim. Und schreibt dort aktiv die Erfolgsgeschichte mit. In der Landesliga Nordost wird das stark aufgerüstete Team unter dem neuen Coach René Ebert den Erwartungen bislang vollauf gerecht.
Als Rechtsverteidiger in der Viererkette machte Baumgartl alle elf Ligaspiele von Beginn an, steuerte eine Torvorlage dabei. Der Jahn verpasste am Wochenende gegen Weisendorf spät den achten Sieg am Stück, ist Tabellenzweiter im Nordosten. Und Baumgartl scheint Lust auf mehr zu haben. "Man kann nicht jedes Spiel gewinnen. Nächste Woche geht es nach Ammerthal und dann gewinnen wir eben dort", kommentierte der Youngster das späte 2:2 gegen Weisendorf.
Muiz Alli ist der Shootingstar des SV Buckenhofen
Wohl die geringsten Erwartungen brachte Muiz Alli mit zu seinem neuen Verein. Beim FC Eintracht war der aus der Jugend aufgerückte Stürmer meist außen vor, kam in elf Jokereinsätzen auf 99 Spielminuten (kein Tor). Doch warum die Verantwortlichen des FCE ihm die Chance gaben und in die erste Mannschaft zogen, zeigt der 20-Jährige bei Nordost-Landesligist Buckenhofen bislang eindrucksvoll.
In elf Spielen unter Neu-Trainer Markus Fischer hat Alli schon sechs Tore erzielt, stand abgesehen vom ersten Spieltag immer in der Startelf. "Das ist ein geiler Kicker. Der wird die Überraschung der Saison. Bisher hat er schon sechs Tore gemacht. Klar müssen wir jetzt aufpassen, dass er nicht überspielt ist. Aber es macht Spaß dem Jungen zuzuschauen. Wie er Tore schießt und für die Mannschaft arbeitet, davon profitieren wir richtig", lobt sein Trainer den jungen Angreifer.
Für Alli war der Wechsel an die Staustufe goldrichtig, unter Fischer entwickelt er sich gut. Beim 0:7 in Schwabach am vergangenen Wochenende ging Alli allerdings mit dem ganzen Team unter.
Rainer Pflaum im Bamberger Bezirksliga-Duell
Einmal hütete Nachwuchskeeper Rainer Pflaum das Bamberger Regionalligator. Vom FC Bayern München II bekam er an der Grünwalder Straße sechs Stück eingeschenkt, ansonsten war er sicherer Rückhalt des U19-Landesligameisters der Domreiter.
Im Herrenbereich zog es Pflaum in die Bezirksliga, wo er beim TSV Schammelsdorf gesetzt ist. Der 19-Jährige hat bislang alle Punktspiele des Landesliga-Absteigers gemacht, zeigt sein Potenzial.
Pflaum hat sogar schon ein Tor vorgelegt - und das ausgerechnet gegen einen guten Bekannten: Gegen den FC Strullendorf leitete Pflaums langer Ball auf Lukas Witterauf die Wende ein, vor einer Woche drehte der TSV ein 0:2 noch in ein 4:2. Sehr zum Ärger von FCS-Keeper Hermann-Otto Horst, der in der Vorsaison noch Pflaums Backup in der Bamberger U19 war und nun Stammkeeper von Strullendorf ist.


















