Die Debatte um den Bamberger Stadtmarketingverein und den städtischen Zuschuss an diesen hat eine Flut von Hassreden in sozialen Medien ausgelöst. Leidtragende sind vor allem lokale SPD-Politiker wie OB-Kandidat Sebastian Niedermaier, Stadtvorsitzender Olaf Seifert und Bundestagsabgeordneter Andreas Schwarz.
Auf Facebook wurden die Drei seit Freitag, 25. April 2025, derart massiv angegangen, dass sie die Hasstiraden wegen Verleumdung, übler Nachrede und Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige brachten. Kostproben über Olaf Seifert: „Ekelhaft! Dieser dumm studierte, denunziantische Olaf ist eines Politikers nicht würdig – der würde sogar seine eigene Mutter verkaufen, wenn es ihm nützt.“ Oder es wird in AfD-Manier sogar die Remigration Seiferts gefordert.
OB-Kandidat Niedermaier wird als „grantiger Gärtner“ und „Stieringer-Hater“ verunglimpft. Dabei mache Stadtmarketing-Geschäftsführer Klaus Stieringer einen „Bombenjob“, dem „alte politische Weggefährten“ wie Niedermaier, Schwarz und Seifert den Erfolg nicht gönnten.
Auslöser war ein Antrag der SPD im Stadtrat, den Zuschuss der Stadt von jährlich 70.000 Euro für einen „Innenstadtkümmerer“ zur Stärkung der Gastronomie umzuwidmen, statt sie dem Stadtmarketing als Zuschuss zufließen zu lassen.
Das besonders Perfide dabei: Bei den Absendern handelt es sich – wieder – um Fake-Konten in dem zum Meta-Unternehmen von Mark Zuckerberg gehörenden sozialen Netzwerk Facebook. Und das ausgerechnet im von einer Fake-Account-Affäre ohnehin geplagten Bamberg.
Die erste Fake-Affäre begann 2021 mit vermeintlich harmlosen Internettrollen, die sich „Matthias Franken“, „Stefan Sandmann“ und „Timo Hausdörfer“ nannten. Später gesellte sich ein gefakter „Stefan Franken“ hinzu.
Stieringer fand es okay, dass Fake-Accounts Politiker kritisieren
Die Trolle kommentierten auf der von Stadtmarketing-Geschäftsführer Stieringer seinerzeit gegründeten Facebook-Seite „Bamberg Facts“ oder auf Stieringers Seite direkt, teilten gegen die Presse und SPD-Kritiker in der Boni-Rathausaffäre aus.
Bekanntermaßen endete dieser erste Fake-Account-Spuk im Bruch der grün-roten Rathaus-Koalition und im Rücktritt von Klaus Stieringer als damaliger SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat. Stieringer fand es damals „okay", dass sich Accounts mit falschem Namen in die politische Debatte einmischen.
Die neuen Trolle nennen sich in Anlehnung an ihre Vorgänger „Andreas Franken“ und „Steven Sandman“. Mittlerweile wurden sie abgeschaltet. Von wem sie betrieben wurden, wird möglicherweise in Gerichtsprozessen, durch journalistische Recherche oder von Kommissar Zufall geklärt werden. Als wahrscheinlich gilt eine Gruppe von drei oder vier Personen.
Die Tragik der Trolle: Zuschuss für 2025 an das Stadtmarketing fließt doch
Die Tragik der Trolle: Den Grund für ihre verbale Gewalteskalation gibt es gar nicht mehr. Denn der Zuschuss an das Stadtmarketing wird nicht gestrichen, sondern nun doch ausbezahlt. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) hatte die Auszahlung der vom Stadtrat für 2025 bereits beschlossenen 70.000 Euro bis 30. April gestoppt, um das Ergebnis von Gesprächen zwischen den Stadtratsfraktionen von CSU, SPD und Grünen mit dem Stadtmarketing-Vorstand abzuwarten.
„Inzwischen gab es die von uns verlangte Sondersitzung mit dem Vorstand“, erklärt Niedermaier auf FT-Anfrage. Darin hätten einige der kritisierten Fehlentwicklungen beim Stadtmarketing geklärt werden können. So habe erreicht werden können, dass Stieringer künftig zwischen seiner Arbeit als Geschäftsführer und als politischer Stadtrat trenne, so Niedermaier.
Als Beiräte im Stadtmarketing-Verein hatten er, Ursula Redler aus der CSU-Fraktion und Markus Schäfer von Grünes Bamberg ursprünglich sechs Maßnahmen zur „Zukunft des Stadtmarketing e. V.“ gefordert.
Unter anderem verlangten die Drei eine „formale Rüge des Vorstands an den Geschäftsführer“. Des Weiteren eine öffentliche Entschuldigung von Stieringer für den teils fremdenfeindlichen Forderungskatalog seiner BuB-Stadtratsfraktion zum Ankerzentrum. Außerdem sollte sich Stieringer als Geschäftsführer künftig auf das operative Geschäft des Vereins beschränken – und die Vertretung des Vereins nach außen den Vorständen überlassen.
Grünes Bamberg kritisiert „Einknicken“ von Niedermaier und Redler
Grünen-Fraktionsvorsitzender Christian Hader zeigt sich über das „Einknicken“ von Niedermaier und Redler enttäuscht. Für seinen im Urlaub weilenden Kollegen Schäfer erklärt er: „Wir halten den Forderungskatalog der Beiräte gegenüber dem Stadtmarketing für nicht erfüllt. Wir hätten den Zuschuss für 2025 unter diesen Bedingungen nicht ausgezahlt.“
Entsetzt sei seine Fraktion über das Niveau der Diskussion in den sozialen Medien. „Dazu gehört, dass sich die CSU – flankiert von Fake-Profilen – als Steigbügelhalter der Skandal-BuB empfiehlt.“
CSU-Pressemitteilung kann es im Ton mit Hass-Trollen aufnehmen
Just an dem Tag, als das Facebook-Phantom „Andreas Franken“ seine Hasskanonen auf Bamberger SPD-Leute abfeuerte, hatte die CSU eine Pressemitteilung veröffentlicht, die es im Ton mit den unbekannten Hass-Trollen im Netz aufnehmen kann. Unter anderem wird Niedermaier, Betreiber einer Bioland-Gärtnerei, darin als „Kleingärtner“ und „Kleinunternehmer“ verunglimpft.
Mit zwei Beiratskollegen plane der OB-Kandidat der SPD, die Unterstützung für das Stadtmarketing einzustellen und damit das Aus für Veranstaltungen wie „Bamberg zaubert“, AOK-Familientage und das Blues- & Jazzfestival, heißt es darin weiter.
Das Papier hat CSU-Kreisvorsitzender Gerhard Seitz im Namen der CSU Bamberg-Stadt versendet – nicht im Namen der christsozialen Stadtratsfraktion, die nach FT-Recherchen die Arbeit des Stadtmarketings mehrheitlich kritisch sieht und reformieren will.
Nach FT-Recherchen ist ein neuer gemeinsamer Antrag der Fraktionen von CSU und SPD in Vorbereitung, der in der Vollsitzung des Stadtrats am Mittwoch, 30. April 2025, gestellt werden soll. Inhalt: die definitive Streichung des Stadtmarketing-Zuschusses für 2026.
Weitere interessante Artikel zum Thema lesen Sie auf fraenkischertag.de:
















