Bisher fließen jährlich 70.000 Euro an den Stadtmarketingverein Bamberg. Trotz Bedenken vieler Räte und Rätinnen wurde das Geld für 2025 vom Stadtrat beschlossen und überwiesen.
Die Auszahlung hatte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bis zum 30. April 2025 ausgesetzt, um eine Sondersitzung zwischen Stadtmarketing-Vorstand und den drei Stadträten Sebastian Martins Niedermaier (SPD), Ursula Redler (CSU) und Markus Schäfer (Grünes Bamberg) abzuwarten.
Die Drei fungieren als Beiräte in dem rund 250 Mitglieder zählenden Verein und pochen auf eine engere Einbindung lokaler Akteure aus Gastronomie und Handel in die Aktivitäten und Events des Stadtmarketings. Außerdem auf eine Trennung der Arbeit von Klaus Stieringer als Stadtmarketing-Geschäftsführer einerseits und als Stadtrat von Bambergs Unabhängigen Bürgern (BuB) andererseits.
In einer Sechs-Maßnahmen-Liste verlangten sie von Stieringer zudem eine öffentliche Entschuldigung für den Forderungskatalog zum Ankerzentrum, mit dem die BuB-Fraktion teils fremdenfeindliche und verfassungswidrige Aussagen zum Umgang mit Geflüchteten veröffentlicht hatte.
Stieringer solle sich allein auf das operative Geschäft beschränken. Die Repräsentation des Stadtmarketings nach außen sollen die Vorstände übernehmen.
Zwar habe es inzwischen die verlangte Sondersitzung mit dem Vorstand gegeben, doch strukturelle und inhaltliche Reformen im Stadtmarketing seien weiter abgelehnt worden – „trotz jahrelanger Kritik aus Politik, Handel und Bürgerschaft“, so Niedermaier.
So begründet SPD-OB-Kandidat Sebastian Niedermaier die Streichung des Zuschusses für den Stadtmarketingverein:
SPD-OB-Kandidat Sebastian Niedermaier zu Stadtmarketing
„Es ist nicht nachvollziehbar, dass jährlich hohe Summen in eine Institution fließen, deren konkrete Wirkung für die Innenstadt nicht transparent belegt ist“, erklärt der OB-Kandidat der Sozialdemokraten. „Wir brauchen endlich ein Stadtmarketing, das die Interessen von Handel, Gastronomie und Innenstadt aktiv einbindet – nicht eines, das sich in Eigenwerbung erschöpft.“
Das Geld soll nach Ansicht Niedermaiers künftig „effektiver“ eingesetzt werden für die Gastronomie und den Einzelhandel der Innenstadt. Dazu solle eine „Taskforce“ im Rathaus eingerichtet werden, in der Vertreter der wichtigen Ämter und der Feuerwehr vertreten sind, „um schnell und unbürokratisch Entscheidungen zu treffen“.
Außerdem soll es nach Niedermaiers Vorschlag künftig einen Mitarbeiter oder Mitarbeiterin in der Stadtverwaltung geben, der oder die als Ansprechpartner für Gastwirte und Einzelhändler fungiert, um Probleme direkt in die Taskforce einzubringen.
Stadträtin Ursula Redler: „Brauchen frische Ansätze für Bambergs Innenstadt“
Stadträtin Ursula Redler (CSU) betont: „Gerade in Zeiten, in denen Innenstädte durch den Online-Handel, gestiegene Kosten und sinkende Besucherzahlen unter massivem Druck stehen, müssen öffentliche Mittel gezielt eingesetzt werden. Wir brauchen neue Strukturen und frische Ansätze, um Bambergs Innenstadt zukunftsfähig zu machen.“
Gemeinsamer SPD-/CSU-Antrag
Den gemeinsamen Antrag reichten die Räte in der Stadtratssitzung am Donnerstag, 30. April 2025, ein. Abgestimmt wird über ihn bei den im Herbst anstehenden neuen Beratungen für das Haushaltsjahr 2026.
Unterschrieben ist der Antrag von sechs SPD-Räten sowie von CSU-Seite von Fraktionschef Peter Neller, Stefan Kuhn, Ursula Redler, Anna Niedermaier und Michael Kalb.
CSU-Chef Seitz verfasste diametral andere Pressemitteilung
Einen diametral anderen Inhalt hat eine am 25. April 2025 von CSU-Kreisvorsitzendem Gerhard Seitz im Namen der CSU Bamberg-Stadt versendete Pressemitteilung. Darin wird das Stadtmarketing als ein „engagierter Verein mit fleißigen und hoch motivierten Mitarbeitern“ gelobt.
Eine Streichung der städtischen Gelder würde „auch die Mitglieder des Stadtmarketings, die seit Jahren maßgeblich für die Anziehungskraft unseres Stadtzentrums sorgen, vor den Kopf stoßen und ein Desaster für die Innenstadt auslösen“.
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