Pettstadts Minimarkt
Revolution oder Rohrkrepierer: Eine Chronik
Pettstadt Josefsbox
Ein Blick in die Josefsbox in Pettstadt. Hier sollte eigentlich Einkaufen rund um die Uhr möglich sein - auch sonntags.
Foto: Ronald Rinklef
Pettstadt – Erst die feierliche Eröffnung, nur wenig später der große Rückschlag – und jetzt das Aus? Wir fassen die Ereignisse rund um die Josefsbox zusammen.

Die Freude war groß beim Pettstadter Gemeinderat: Rewe hatte die Gemeinde als Standort für ein Pilotprojekt auserkoren. Ein Einkaufscontainer, rund um die Uhr geöffnet, kein Personal. Es klang nach einer perfekten Lösung, denn die Ansiedlung eines "richtigen" Supermarkts war am zu kleinen Einzugsbereich Pettstadts gescheitert.

Ein Modell, das im ländlichen Raum vielerorts Schule machen könnte:

 

Dementsprechend feierlich war dann auch die Eröffnung der "Josefsbox". Die Politprominenz war da, die ersten Kunden begeistert.

Ein gelungener Start:

 

Doch wenige Tage später wurde es kurios. Der Plan der Bamberger Redaktion des Fränkischen Tags war eigentlich eine Reportage: Einkaufen zur sonntäglichen Geisterstunde. Schließlich ist das ja das wirklich besondere am Mini-Nahkauf: Öffnungszeiten rund um die Uhr, wenn jeder andere Supermarkt längst geschlossen hat. Doch noch während Reporter und Fotograf vor Ort waren, sperrte der Betreiber den Laden zu. 

Das Landratsamt hatte darauf hingewiesen, dass eine Öffnung am Sonntag in Bayern gesetzlich verboten ist:

 

Der Vorgang wirft Fragen auf: Wen schützt das Ladenschlussgesetz in einem Supermarkt, in dem niemand arbeitet? Wie kann es sein, dass dem Landratsamt – trotz der "Immer offen"-Ankündigung – erst am Freitag nach Eröffnung klar wurde, dass ein Betrieb am Sonntag verboten ist? Und hatten sich die Betreiber im Vorfeld nicht mit der bayerischen Gesetzgebung befasst?

Wir haben nachgefragt:

 

Jetzt haben die Pettstadter und das Umland am Sonntag also doch keine Einkaufsmöglichkeit. Nur eine ärgerliche Änderung des ursprünglichen Plans? Es könnte durchaus schlimmer kommen.

Denn das bringt die Kalkulation hinter dem Projekt ins Wanken:

 

Die Box muss schließen, während ein reiner Automatenladen rund um die Uhr geöffnet haben darf: Die Gesetzeslage ist kompliziert.

Wir versuchen, Ordnung in das Paragraphen-Chaos zu bringen:

 

Mit der unsicheren Lage in Pettstadt geht auch die Gefahr einher, dass das Konzept doch nicht zum Heilsbringer für kleinere Gemeinden wird. Wir haben uns bei Bürgermeistern umgehört, wer für seinen Ort ebenfalls auf eine Box-Lösung schielt.

Das Ergebnis ist dann doch etwas überraschend: