Wer die Weihnachts-Schokolade auspackt, hat eine hohe Chance, dass sie in einer Anlage der Firma Loesch verpackt worden ist. 2100 Riegel jagen hier pro Minute durch eine Maschine. Eine Komplettanlage schafft bis zu 7000.
Hidden Champion und Weltmarktführer aus Altendorf
„Wir sind Weltmarktführer im Bereich vom Verpacken von Schokoladetafeln“, erklärt Christoph Krombholz stolz. Der Marketing-Manager ist einer von 280 Mitarbeitern der Firma Loesch Pack in der 2000-Seelen-Gemeinde Altendorf – ein echter Hidden Champion.
In fünf Jahren ist das Unternehmen um 30 Beschäftigte gewachsen – und will weiterwachsen. Personal gesucht: Während sich die großen Betriebe der Bamberger Autoindustrie - Bosch, Brose, Schaeffler und Valeo - mit Hiobsbotschaften zum Stellenabbau übertreffen, stellt Loesch Pack Altendorf stetig Beschäftigte ein.
Personal aus der Bamberger Autoindustrie ist willkommen
„Leute aus der Autoindustrie können wir gut gebrauchen“, bestätigt Nicole Kreinsberger aus der Personalabteilung. „Wir suchen sowohl im Engineering als auch in der Montagehalle, darunter einen technischen Trainer für Designservice und Virtual Reality, um den Kunden international beizubringen, wie unsere Anlagen laufen. Wir suchen außerdem Elektroniker, Fräser und Dreher.“
Freilich ist es für das Altendorfer Unternehmen nicht so einfach, sich gegen die großen Industriebetriebe der Region im Rennen um Nachwuchstalente durchzusetzen. Da hilft es nicht, dass die eigene Firmenmutter, die Unternehmensgruppe Piepenbrock aus Osnabrück, in der Branche als gewerkschaftsfeindlich gilt. Die starke IG Metall ist für die Auto-Zulieferer um Bamberg ein Trumpf im Recruiting.
„Den Fachkräftemangel spüren wir nach wie vor. Das liegt auch daran, dass junge Leute ihre Ausbildung oft lieber bei großen Unternehmen machen“, bestätigt Kreinsberger. „Erst wenn sie älter werden, schätzen sie die Kultur in kleineren Firmen wie bei uns. Wir sind hier wirklich eine Familie“, sagt die Personalerin. Und: „Wir zahlen nicht nach Tarif, aber wir sind schon sehr nahe dran, wenn nicht in manchen Teilen sogar darüber.“
Auch Studenten sind gern gesehen in Altendorf – als Abschlussarbeiter. „Viele Studenten schreiben bei uns ihre Bachelor- und Master-Arbeiten, zum Beispiel über die Entwicklung eines technischen Moduls. Studenten aus dem Maschinenbau und der Elektrotechnik, aber auch der Informatik sind willkommen“, sagt Kreinsberger.
Ingenieurskunst aus der Gruppe Piepenbrock
Denn das Know-how ist der große Trumpf des fränkischen Weltmarktführers. „Engineering“ made in Germany. „Wir sind stolz auf unsere eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung“, sagt Krombholz.
Das ermögliche es dem Unternehmen auch, im Wandel der Zeit nicht stehenzubleiben. Längst hat Loesch Pack den Trend und den Zwang hin zu ökologischeren, recycelbaren Verpackungen aufgegriffen – und technische Lösungen parat. Ziel sei es, bereit zu sein, wenn EU-Vorgaben zu Verpackungen neue Verfahren nötig machen.
Selbst der Boom der Dubai-Schokolade konnte die Altendorfer nicht schocken. „Die Dubai-Schokolade ist aus unserer Sicht nur ein Hype. Aber auch für diesen haben wir eigene Verpackungslösungen im Portfolio.“
Selbst Donald Trump sieht man gelassen entgegen
Ein Überraschungs-Ei bleibt der USA-Markt mit Präsident Donald Trump. Strafzölle drohen. „Die USA sind der größte Verpackungsmarkt der Welt und für uns sehr wichtig“, antwortet Krombholz, wirkt aber selbstbewusst: „Die Verpackungstechnologie ist eine Technologie, da haben wir technologisch als Marktführer noch einige Eisen im Feuer. Da verfügen wir über Equipment, das es so in den USA nicht gibt.“
Die Altenburger sind wahre Globetrotter. Ihre rund 50 Vertriebsgesellschaften sind quer über den Globus verteilt, ihre Maschinen und Anlagen rattern bei Kunden weltweit.
Schmerzlich deutlich wurde das mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zu vielen ukrainischen Firmen“, berichtet der PR-Mann. „Aber wir hatten vor dem Krieg auch einen großen Russlandmarkt. Diese Geschäfte sind uns weggebrochen. Da haben wir viel verloren.“
Welche Süßigkeiten werden in Zukunft genascht?
Um Risiken noch breiter streuen zu können, soll auch das Portfolio noch breiter werden. Der Markenkern mit Schokolade und Kaugummis soll bleiben – doch auch abseits des Essens sollen Loesch-Verpackungs-Systeme zum Einsatz kommen.
Um Personal zu finden, setzt die Firma Loesch Pack auf Humor:
So kommt es, dass die 280 Loesch-Mitarbeiter im beschaulichen Altendorf schon heute die Süßigkeiten der Zukunft weltweit kennen.
„Die Schokoindustrie der Zukunft wird weiterhin die Klassiker bieten“, blickt Krombholz in die Glaskugel. „Dazu sicher ein paar Trendsetter, die sind zum Teil sehr experimentell mit den Geschmacksrichtungen. Das geht von Brezeln mit Meersalz bis zur Weihnachtssonderkreation. Die Tafeln werden kleiner und der Trend geht zum Multipack.“
Das Know-how ist bei Loesch Pack in einer über hundertjährigen Firmengeschichte erarbeitet worden. Zunächst von Max Loesch mit der Gründung in Dresden, nach dem Zweiten Weltkrieg dann in Forchheim. 1982 hat die 27.000 Mitarbeiter starke Unternehmensgruppe Piepenbrock die Firma aus der Insolvenz gehoben – und 1983 nach Altendorf verlegt.
Das könnte Sie auch interessieren:


















