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Innovative Wehren
Forchheimer Firma will Feuerlöschen revolutionieren
Auf Pick-up-Basis entsteht  das innovative Fahrzeug: Der Ford Ranger wird bei Compoint zum GW-TS aufgebaut.Forchheim & Fränkische Schweiz
Auf Pick-up-Basis entsteht das innovative Fahrzeug: Der Ford Ranger wird bei Compoint zum GW-TS aufgebaut. // Martin Regner
Baiersdorf – In Franken entsteht gerade ein komplett neues Fahrzeugkonzept für kleine Dorffeuerwehren. Ein speziell ausgerüsteter Pick-Up könnte bald die mancherorts bis heute üblichen Spritzenanhänger ersetzen.

Wenn in kleinen Dörfern Feueralarm ausgelöst wird, muss vor dem Ausrücken zum Brandort mitunter erst noch ein Traktor organisiert werden. Dann nämlich, wenn die örtliche Feuerwehr nur über einen Tragkraftspritzenanhänger (TSF) ohne eigenen Antrieb verfügt.

Eine Innovation, die das ändern soll, wird gerade in Forchheim entwickelt – in der Firma von Ralf Meisner aus Baiersdorf.

Neuer Typ Feuerwehrfahrzeug konzipiert

Die Entwürfe und Konstruktionszeichnungen für den neuartigen Gerätewagen Tragkraftspritze (GW-TS) bei Compoint in Forchheim sind schon weit gediehen. So soll das Fahrzeug einmal aussehen.Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Entwürfe und Konstruktionszeichnungen für den neuartigen Gerätewagen Tragkraftspritze (GW-TS) bei Compoint in Forchheim sind schon weit gediehen. So soll das Fahrzeug einmal aussehen. // Grafik: Compoint

Die Bayerische Staatsregierung hat nämlich einen ganz neuen Typ von Feuerwehrfahrzeugen definiert, den Gerätewagen Tragkraftspritze (GW-TS). Dabei handelt es sich um einen Pick-up, auf dessen Ladefläche ein Koffer mit der Tragkraftspritze und der weiteren feuerwehrtechnischen Beladung aufgebaut wird.

Der in Forchheim ansässige Feuerwehrfahrzeughersteller Compoint von Ralf Meisner hat jetzt auf Basis der staatlichen Vorschriften ein solches neuartiges Fahrzeug konstruiert.

Millimeterarbeit für die Beladung

Vorerst existiert das neue Auto nur im Computer.

Aber noch in diesem Jahr, so Meisner im Gespräch mit dem FT, soll ein erster Prototyp fertiggestellt werden. Damit könnte Compoint der erste Hersteller in Deutschland sein, der das neue Fahrzeugkonzept liefern kann. Als Basis dient das Modell Ford Ranger, auf dem bei Compoint ein maßgeschneiderter Aufbau gefertigt wird.

TSA: Im Einsatz viele Nachteile

Der in manchen Gegenden noch weit verbreitete TSA hat im Einsatzfall viele Nachteile.

Zum Beispiel, dass er keinen eigenen Motor hat und für die Fahrt zum Einsatzort entweder ein Zugfahrzeug benötigt oder gar von den Einsatzkräften von Hand geschoben werden muss.

Hat wohl bald ausgedient: das Konzept des TSA.Forchheim & Fränkische Schweiz
Hat wohl bald ausgedient: das Konzept des TSA. // Foto: Martin Regner

Was bei hügeligen Straßenverhältnissen oder bei Einsätzen außerorts das Erreichen des Brandorts mitunter verunmöglicht. Außerdem verfügen die Anhänger für gewöhnlich weder über Sitzplätze für die Einsatzkräfte noch über eine Sondersignalanlage oder ein Funkgerät.

Die Notwendigkeit für das jetzt neu konstruierte Fahrzeug besteht aus Meisners Sicht vor allem aus Platzgründen.

Im Feuerwehrgerätehaus fehlt oft der Platz

Denn die Alternative, einfach ein selbstfahrendes Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) anzuschaffen, das keinen dieser Mängel aufweist, fällt in vielen Dörfern deswegen aus, weil ein solches oft nicht in ein nur für einen Anhänger gebautes Feuerwehrgerätehaus passt.

Hier kommt der neuartige Gerätewagen Tragkraftspritze ins Spiel, der im Vergleich zum TSF kompaktere Außenmaße aufweist. Außerdem ist das Fahrzeug auf Pick-up-Basis multifunktional verwendbar: „Der Aufbau ist abnehmbar und dann steht das Basisfahrzeug für die verschiedensten Transportzwecke zur Verfügung“, erklärt der Konstrukteur Florian Burkhardt, der den GW-TS bei Compoint federführend entworfen hat.

„Die Konstruktion hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet“, räumt sein Chef Meisner ein. Denn der Platz auf der Ladefläche ist sei knapp. Dabei, den besten Platz für die Beladung zu finden, ginge es deswegen mitunter um Millimeter. Auch eine möglichst gute Erreichbarkeit der verladenen Technik für die Feuerwehrleute müsse gewährleistet werden.

In der Kabine finden vier Einsatzkräfte Platz. Deswegen eignet sich der GW-TS nicht für einen eigenständigen Löscheinsatz.

Compoint Fahrzeugbau rechnet mit hoher Nachfrage

Aber er ermöglicht es, dass die damit ausgestattete Dorffeuerwehr den Brandort vor mitalarmierten Kameraden aus der Umgebung erreicht, die mit größeren und besser ausgerüsteten Fahrzeugen anrücken. Und die dann bereits erste Erkundungen der Einsatzstelle anstellen, die Straße absperren und die nachrückenden Feuerwehren aus der Umgebung vor Ort einweisen können.

Ralf Meisner fasst das so zusammen: „Der GW-TS hat für die Feuerwehren einen höheren einsatztaktischen Wert als ein TSA.“ Meisner und Burkhardt rechnen mit einer ansehnlichen Nachfrage, sobald die Entwicklungsarbeit abgeschlossen ist und das erste auslieferbare Fahrzeug auf dem Hof steht: Auf einer kürzlich veranstalteten Hausmesse bei Compoint hätten bereits mehrere Landkreise und Gemeinden ihr Interesse am neuen GW-TS angemeldet.

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