Kurzer Prozess. Nach gerade einmal 25 Minuten schaut Richter Johannes Tränkle in verdutzte Gesichter im Sitzungssaal 103 im Bamberger Landgericht. Es ist der erste Verhandlungstag im Prozess gegen zwei Männer einer mutmaßlichen Geldautomatensprengerbande.
Es ist 9.25 Uhr und der aufwendig anmutende Prozess findet bereits ein Ende.
Prozesstag 1 gegen Forchheimer Geldautomatensprenger in Bamberg
Zumindest vorübergehend. Nachdem der Staatsanwalt die umfangreiche, fast sieben Seiten lange Anklageschrift verlesen und die Anwälte der Angeklagten erklärt hatten, dass sich ihre Mandanten vorerst nicht äußern würden, unterbricht Richter Tränkle die Sitzung. Erst am Nachmittag geht es weiter, dann sind einige Ermittler in den Zeugenstand berufen.
Polizisten, Juristen, Medienvertreter, Zuschauer müssen für den Vormittag überraschend umplanen. Auch die beiden Angeklagten.
Angeklagte sollen etliche Automaten gesprengt und Bargeld entwendet haben
Was im Raum bleibt, sind die bereits verlesenen Taten, die dem 28-jährigen M. sowie dem 26-jährigen H. vorgeworfen werden.
Die beiden niederländischen Staatsbürger sollen in mehreren Städten in Deutschland im vergangenen Jahr „zielgerichtet“ Geldautomaten gesprengt haben, dabei hohe Summen Bargeld entwendet haben und anschließend in der Regel mit hochmotorisierten Fahrzeugen geflohen sein.
So sprengten die mutmaßlichen Täter die Automaten in Forchheim
Bevor sie im August 2025 in Zwickau gefasst und festgenommen worden sind, hatten die Männer zusammen mit noch unbekannten Mittätern laut Anklageschrift in einigen Regionen Deutschlands zugeschlagen. Das Muster war immer ähnlich. So auch bei ihrer mutmaßlich ersten Tat in der Nacht auf den 14. Februar 2025 in Forchheim.
Vier vermummte Männer sind damals um 2.15 Uhr in der Nacht mit Brecheisen in den Einkaufsmarkt Globus im Forchheimer Süden eingedrungen und sprengten darin gleich zwei Geldautomaten in die Luft. Laut Anklageschrift sollen sie sich in Zweierteams aufgeteilt und mit Stirnlampen ausgerüstet jeweils einen Automaten der Sparkasse Forchheim und einen der VR-Bank Bamberg-Forchheim vorgenommen haben.
Die Bilder der Überwachungskamera würden das bestätigen, sagte damals die Marketingleiterin des Globus-Marktes dem Fränkischen Tag. Während des Prozesses sollen nun weitere Beweise und Aussagen die mutmaßlichen Täter und eventuell weitere Mittäter überführen.
Sprengung im Globus: Hoher Schaden in Forchheim
Nach der Sprengung im Forchheimer Globus sollen die Täter dann das freigelegte Bargeld an sich genommen haben, immerhin ein Geldbetrag in Höhe von insgesamt fast 130.000 Euro, führt der Staatsanwalt aus. Zudem sei am Gebäude des Marktes ein Sachschaden in Höhe von 50.000 Euro entstanden sowie Schäden von insgesamt etwa 113.000 Euro an den beiden Automaten.
Ähnlich seien die Täter in weiteren Städten vorgegangen, führt der Staatsanwalt weiter aus. Auch in der Region. So sollen sie zwei Wochen später einen Automaten in Lauf an der Pegnitz gesprengt haben, am 7. Juli einen Automaten der VR-Bank in Eckental und am 17. Juli in Küps (Landkreis Kronach).
Sachschäden der mutmaßlichen Bande summieren sich auf 1,7 Millionen Euro
Insgesamt summiert sich die Beute der acht mutmaßlichen Taten in Forchheim, Lauf, Friolzheim, Stadtlauringen, Küps, Eckental, Amorbach und Zwickau auf mehr als 500.000 Euro, hinzu kommt ein Sachschaden von insgesamt fast 1,7 Millionen Euro. Der Staatsanwalt spricht von „professionell und im großen Umfang organisiert agierenden Tätern“, weil die aktuell verhandelten Fälle der Vielzahl ähnlicher Taten in den vergangenen Jahren ähneln.
Fälle von gesprengten Geldautomaten gehen in Bayern laut LKA zurück
Laut dem Bayerischen Landeskriminalamt seien die Fallzahlen der Geldautomatensprengungen unter anderem durch verstärkte Präventionsmaßnahmen zurückgegangen. Trotzdem würden Geldautomatensprengungen weiterhin Teil einer „konzentrierten Ermittlungsarbeit“ bleiben, teilt das Bayerische Landeskriminalamt dieser Redaktion mit.
Auch weil „ein erhebliches Gefährdungspotenzial für die Bevölkerung sowie für Einsatzkräfte darstellen“. Denn Geldautomatensprengungen würden regelmäßig mit hohem Explosionsdruck und unkontrollierbaren Folgeschäden einhergehen.
Gehören die Angeklagten zu einer großen niederländischen Bande?
Die beiden Männer sind jeweils angeklagt wegen „schweren Bandendiebstahls in Tateinheit mit Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit Zerstörung eines Bauwerkes“ sowie des Weiteren dem Versuch derselben Taten. Im Jahr 2024 hatte in Bamberg bereits ein Mammutprozess gegen 17 Geldautomatensprenger (ebenfalls hauptsächlich mit Wurzeln in den Niederlanden) für Aufsehen gesorgt, die unter anderem in der Region aktiv waren.
Der aktuelle Prozess wird noch mindestens bis zum 11. Juni dauern, bislang sind acht weitere Termine angesetzt. Weiter geht's am 5. Mai.


















