„Ohne uns würde das System nicht funktionieren“, sagen die Forchheimer Pflege-Azubis. Ohne Zorn über die grundsätzlich schwierigen Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.
Ohne Hast ob der vielen Baustellen in besagtem System. Dafür mit viel Ehrlichkeit, denn sie lieben, was sie tun. Trotzdem und weil, weil „Pflege mehr ist als nur den Menschen zu helfen.“
Sie sagen das an diesem Donnerstagmorgen, weil ihnen heute alle zuhören. Einige Polit-Promis inklusive des Bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek (CSU) haben sich in der Pflegeschule am Forchheimer Klinikum versammelt, um die Gründung des ersten bayerischen Ausbildungsverbundes als gemeinnütziger Verein zu feiern.
Verbund im Landkreis Forchheim 2019 gestartet
Bereits im Jahr 2019 startete der Verbund, seinerzeit noch unter dem Namen „Ausbildungsverbund Pflege Landkreis Forchheim und Umgebung“ mit 17 Trägerorganisationen und drei Berufsfachschulen. Das Ziel: eine qualitativ zukunftsfähige generalistische Pflegeausbildung zu ermöglichen, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums.
Mittlerweile sei der regionale Zusammenschluss mit 28 Trägerorganisationen, 80 Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen und 191 Auszubildenden einer der größten Ausbildungsverbünde in ganz Bayern.
Vereinsstruktur soll Ausbildungszahlen im Pflegebereich steigern
„Mit dem neuen Verein wollen wir die Ausbildungszahlen im Pflegebereich steigern“, erklärt der Vorsitzende des neuen Ausbildungsvereins und Leiter der Berufsfachschule für Pflege im Forchheimer Klinikum Andreas Schneider.
Das Ziel kommt nicht von ungefähr: 6126 neue Ausbildungsverträge sind in Bayern laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr neu abgeschlossen worden, fast 700 weniger als im Jahr zuvor.
200.000 Vollzeitstellen fehlen in Deutschland in der Pflege
So wird es nur schwerlich gelingen, die vom Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe geschätzten 200.000 fehlenden Vollzeitstellen zu besetzen; zumal bis 2030 rund jede fünfte heute tätige Pflegekraft in den Ruhestand geht.
Wie aber soll gerade der Forchheimer Ausbildungsverein für Besserung sorgen? Laut Andreas Schneider erarbeite man gemeinsame Ausbildungspläne und unterstütze sich in organisatorischen Dingen, werbe für das Berufsbild im Internet und auf Ausbildungsmessen.
Minister Klaus Holetschek: „Vorreiterrolle in Bayern“
Mit adelnden Worte honoriert Minister Holetschek die Bemühungen: „Der Verein ist ein echter Vorreiter in Bayern.“ Und er komme zur rechten Zeit, „das System Pflege ist fast schon an die Wand gefahren worden“. Dies sei umso fataler, als dass die Pflege eine der größten gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit sei, sagt er.
Forderung: Mehr auf Praxis fokussieren
Für Pflegeschulleiter Schneider muss vor allem mehr in die praktische Ausbildung der jungen Leute investiert werden. Und damit meint er nicht die finanziellen Förderungen aus den Ministerien, sondern Zeit.
Pflegezeit, Ausbildungszeit.
„Wir sehen, das die praktischen Abschnitte von den Azubis schlechter bewertet werden als die theoretischen. Daher wollen wir uns nun noch mehr darauf fokussieren.“
Auszubildende brauchen und fordern mehr Wertschätzung
Eine Einschätzung, die Schneiders Schützlinge teilen. Wie die jungen Leute erzählen, würden teils ganze Praxis-Blöcke wegfallen, in wieder anderen Stationen müssten sie gar die Löcher in den Dienstplänen stopfen, fungierten eher als personelle Feuerlöscher denn als Auszubildende.
Solche Menschen zu halten, die trotzdem weiterhin in der Pflege arbeiten wollen, stelle die große Herausforderung für die Politik, die Träger und Einrichtungen dar.
Dass viele davon nun an einem Strang ziehen, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.
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