Dem Wasser ist nichts anzusehen. Und höchstwahrscheinlich ist in Joachim Schneiders Wasserglas auch nichts als Wasserstoff, Sauerstoff und eine Hand voll wertvoller Mineralien zu finden.
Gemeinsam mit Stephanie Schütz vom Forchheimer Gesundheitsamt begutachtet der Wassermeister den Pumpenraum in der Aufbereitungsanlage Unterstürmig.
Ein paar Treppenstufen darüber tagt gerade eine Art Krisenstab: Denn nicht überall in Eggolsheim ist das Wasser derzeit rein.
4300 Haushalte der ZWE in Eggolsheim aktuell betroffen
Etwa 4300 Haushalte in Eggolsheim sowie in dessen Ortsteilen Kauernhofen, Rettern und Bammersdorf sollen derzeit auf Anordnung des Gesundheitsamtes ihr Wasser abkochen, bevor sie es verzehren.
Vorsichtshalber, wie es heißt.
Der Grund: Anfang Februar waren bei einem Hydranten im Eggolsheimer Ortskern bakterielle Verunreinigungen festgestellt worden.
Gesundheitsamt Forchheim erlässt Abkochanordnung
Daraufhin erließ das Amt die Abkochanordnung und weitere Probenentnahmen – jene zeigten zum Teil wieder positive Befunde. Die Labore haben sogenannte coliforme Keime, also Darmkeime, festgestellt.
„Die sind per se nicht gefährlich“, sagt Fachberater Burkhard Bittner von der PfK Ansbach GmbH, die Eggolsheims Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbands zur Wasserversorgung der Eggolsheimer Gruppe (ZWE) Claus Schwarzmann zur Soforthilfe hinzugezogen hat.
Aber: Laut Trinkwasserverordnung dürfen solche Keime nicht im Wasser auftauchen.
Ursache steht noch nicht fest
Weil die genaue Ursache für den Keimbefall noch nicht eindeutig geklärt ist, werden Bittner und sein Team in den kommenden Tagen an allen sieben Tiefbrunnen sowie an Hochbehältern und anderen Netzstellen Proben entnehmen.
Stand jetzt gehen sie zwar nicht davon aus, dass weitere der insgesamt mehr als 17.000 Haushalte innerhalb der Eggolsheimer Gruppe betroffen sind. „Aber ganz ausschließen können wir es im Moment auch nicht“, so Schwarzmann.
Eisen, Mangan, Bakterien: Verkettung von Umständen
Auf die Mikroben sind die Eggolsheimer eher zufällig gestoßen. Ende 2022 klagten einige Anwohner über trübes Wasser. Wie sich herausstellte, lag das an Ablagerungen von Eisen und Mangan.
Dies sei in kleinster Konzentration normal und auch nicht schädlich. Eine Verkettung der Umstände (der Brand am Weihnachtsfeiertag, dann viele Rohrbrüche) führte jedoch dazu, dass mehr Mangan als üblich ins Wasser gespült wurde.
Daraufhin wurden Proben entnommen und die Keime sozusagen mitentdeckt.
Muss gesamtes Netz desinfiziert werden?
Sollten diese in den kommenden Tagen nicht verschwunden sein oder neue entdeckt werden, müsse man das gesamte Netz desinfizieren, erklärt Büttner.
Dies gehe mit Chlor oder, wie es in Eggolsheim dann wohl getan würde, mittels einer verträglicheren Alternativlösung. So oder so solle Desinfektion aber das letzte Mittel sein.
„Jetzt müssen wir erst einmal herausfinden, auf welche Weise und wo die Keime ins Wasser gelangten.“
Schon häufiger Fälle im Landkreis Forchheim
Das Keim-Wasser ist kein Einzelfall im Landkreis. Erst im Dezember mussten die Menschen im Gößweinsteiner Ortsteil Moschendorf sowie weiten Teilen der nordöstlichen Fränkischen Schweiz ihr Wasser abkochen, weil Bakterien entdeckt worden sind.
Ende September hat es die Bewohner in Pretzfeld erwischt: dort wurden Colibakterien gefunden.
Aus anderen Regionen Forchheims melden die Versorger auf FT-Nachfrage aktuell keine Probleme.
Die Stadtwerke Forchheim etwa chloren ihr Trinkwasser (1,8 Millionen Kubikmeter aus dem Wasserschutzgebiet Zweng) stets vorsorglich und entnehmen darüber hinaus alle zwei Wochen Proben.
Klimawandel erschwert Trinkwasserlage
Burkhard Bittner wagt indes nicht viel Optimismus für die Zukunft. „Bayerns Infrastruktur hat über Jahre einen großen Wartungsstau erlebt.“ Viele Anlagen, aber noch mehr Leitungen, seien seit vielen Jahrzehnten in Betrieb – und gehörten erneuert.
Hinzu komme, dass der Klimawandel die Bedingungen etwa durch austrocknende Böden und vereinzelte hohe Tagesentnahmen (etwa für Pools im Sommer) noch erschwere.
Kommunen im Landkreis wollen verstärkt handeln
Forchheims Kommunen wissen das. Und wollen handeln, so gut sie können. „Wir werden weiterhin Stück für Stück erneuern“, sagt Bürgermeister Schwarzmann.
Ein bis anderthalb Prozent des Ortsnetzes wolle man pro Jahr schultern, hinzu kämen weitere Projekte. Ähnliches verlautbaren die übrigen Städte und Gemeinden.
So haben Forchheims Stadtwerke erst 2019 ihr neues Wasserwerk eröffnet, bald soll der Hochbehälter Serlbach vergrößert werden, Wiesenttal will einen ihrer Tiefbrunnen komplettsanieren; diese Liste ließe sich fortführen.
Eggolsheims Verbrauchern dürfte das kein Trost sein. Für sie gilt weiterhin die Abkochanordnung. Wie lange noch? Das könne Stephanie Schütz vom Gesundheitsamt nicht genau sagen. Bis alle Keime aus dem Wasser gespült sind.
Wasserversorger empfiehlt: Das sollten Betroffene tun
Leitungswasser nur abgekocht trinken.
Das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens zehn Minuten abkühlen lassen.
Für die Zubereitung von Nahrung, zum Zähneputzen und zum Reinigen offener Wunden ausschließlich abgekochtes Leitungswasser nehmen.
Das Leitungswasser kann für die Toilettenspülung sowie zum Duschen oder Händewaschen genutzt werden. Man soll es vor allem nicht schlucken.
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