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Kleiner Pieks, große Wirkung
Selbstversuch beim BRK Forchheim: So läuft Blutspenden ab
Blutspende ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Bayernweit wird wegen einer Grippewelle derzeit zu wenig gespendet. Doch auch unter den Gesunden gibt es noch Potenzial. Dass nicht viel dabei ist, zeigt unsere Reportage aus Forchheim. // Andreas Wolfger
Forchheim – Jeden Tag werden in Bayern 2000 Blutkonserven benötigt. Regelmäßig werden Spendetermine organisiert, aber aktuell gibt es einen Engpass. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, wie unser Reporter zeigt.

Das Blut läuft. Mal pumpen meine Venen 50 Milliliter pro Minute in den Beutel, mal sind es nur 33. Aber es läuft. Wird es kurzzeitig etwas langsamer, balle ich einfach eine Faust um eine Taschentuchpackung, schon bekommt es neuen Schub. Nach genau elf Minuten und zweiundfünfzig Sekunden ist der Beutel voll, dann habe ich meine 500 Milliliter geschafft. Die Nadel wird aus dem Arm entfernt, später erinnert nur noch ein kleiner Verband an die Einstichstelle. Nach ein paar Ruheminuten verlasse ich die Liege. Geschafft, so einfach ist das.

Mit mir werden es an diesem angenehmen Herbsttag fast 300 Menschen sein, die im Forchheimer Rotkreuzzentrum in der Henri-Dunant-Straße eine Vollblutspende abgeben. Sie alle hatten sich vorab über den Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes angemeldet. Gleich zu Beginn um 13 Uhr bildet sich eine lange Schlange vor der Anmeldung, der Andrang scheint groß zu sein. Das ist nicht selbstverständlich.

Wegen Grippewelle: Aktuell wird in Bayern zu wenig gespendet

Aktuell wird zu wenig gespendet. Allein in Bayern werden täglich etwa 2000 Blutkonserven benötigt. Wie der Gebietsreferent des Blutspendedienstes Dieter Popp erklärt, liege das an der derzeit kursierenden Grippewelle. Das Problem dabei sei, dass eine Blutkonserve lediglich 42 Tage lang haltbar ist. Dementsprechend könne man das Blut aus spendenstarken Zeiten nicht einfach auf Vorrat lagern. „Zehn bis 15 Prozent weniger Terminanfragen gibt es in der Region aktuell“, sagt Popp.

Männer dürfen bis zu sechsmal im Jahr, Frauen viermal Vollblut spenden. Insgesamt geht jeder Blutspender jedoch nur knapp zweimal im Jahr. Zumindest Forchheim scheint seiner guten Quote treu zu bleiben – durchschnittlich 289 Spenden gibt es an einem der sechs jährlichen Termine. Zum Vergleich: Im bayernweiten Mittel kommen weniger als halb so viel zu einem Blutspendetermin. Im vergangenen Jahr hatten im gesamten Landkreis Forchheim 5700 Menschen über das BRK Blut gespendet.

Die Vollblutspende von 500 Milliliter passt nicht in dieses Röhrchen. Doch neben der Konserve wird auch ein bisschen Blut zur Untersuchung entnommen.
Die Vollblutspende von 500 Milliliter passt nicht in dieses Röhrchen. Doch neben der Konserve wird auch ein bisschen Blut zur Untersuchung entnommen. // Andreas Wolfger

A und 0 positiv sind die häufigsten Blutgruppen

Heute also auch ich. Es ist nicht mein erstes Mal, aber das erste Mal im Landkreis Forchheim. Den Altersdurchschnitt von 46,7 Jahren senke ich etwas, mit meiner Blutgruppe 0+ gehöre ich aber zur zweithäufigsten Gruppe in Deutschland. 35 Prozent der Deutschen haben dieselbe Blutgruppe, häufiger ist nur A+ (37 Prozent). Vor allem für die Versorgung von Notfallpatienten am wichtigsten ist die Blutgruppe 0-, weil diese universell einsetzbar ist und jedem Menschen verabreicht werden könnte.

Bevor ich aber Blut spenden darf, muss ich noch einige Formalitäten erledigen. Nachdem ich meine Identität per Personal- und Blutspenderausweis nachgewiesen habe, muss ich einen Fragebogen mit Gesundheitsfragen und ähnlichem ausfüllen.

Darin muss ich unter anderem angeben, ob ich in letzter Zeit eine Erkrankung hatte, ob es bestimmte Erbkrankheiten in meiner Familie gibt oder ob ich in jüngster Vergangenheit promiskuitiv gelebt hatte. Mittlerweile geht das Ausfüllen nicht mehr analog, sondern digital auf einer Art Terminal. Doch auch ohne Papier funktioniert das schnell und selbsterklärend.

Wie eine Blutspende abläuft – in Bildern

Schritt 1 und 2: Zuallererst weist man sich aus und wird für den Tag registriert. Danach füllt man einen medizinischen Fragebebogen aus.
Schritt 1 und 2: Zuallererst weist man sich aus und wird für den Tag registriert. Danach füllt man einen medizinischen Fragebebogen aus. // FOTOGALERIE Andreas Wolfger
Schritt 3: Der Hämoglobin-Wert wird gemessen. Der zeigt an, ob ich für eine Spende derzeit genügend Blut habe.
Schritt 3: Der Hämoglobin-Wert wird gemessen. Der zeigt an, ob ich für eine Spende derzeit genügend Blut habe. // FOTOGALERIE Andreas Wolfger
Schritt 4: In einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt werden meine Vital-Parameter gemessen. Er entscheidet letztlich, ob ich spenden darf.
Schritt 4: In einem persönlichen Gespräch mit dem Arzt werden meine Vital-Parameter gemessen. Er entscheidet letztlich, ob ich spenden darf. // FOTOGALERIE Andreas Wolfger
Schritt 5: Fürchtet man, dass das Blut doch infiziert sein könnte, kann man sein Blut anonym nicht freigeben.
Schritt 5: Fürchtet man, dass das Blut doch infiziert sein könnte, kann man sein Blut anonym nicht freigeben. // FOTOGALERIE Andreas Wolfger
Schritt 6 und 7: Die Spende an sich dauert in der Regel etwa zehn Minuten. Danach kann man sich mit einer Brotzeit stärken.
Schritt 6 und 7: Die Spende an sich dauert in der Regel etwa zehn Minuten. Danach kann man sich mit einer Brotzeit stärken. // FOTOGALERIE Andreas Wolfger

Blutspende: Zwei Piekse, ganz große Wirkung

Nur ein paar Minuten später und eine Station weiter folgt der erste Pieks. Mit einer Lanzette wird mir aus dem Mittelfinger ein kleiner Tropfen Blut entnommen, um meinen Hämoglobinwert zu bestimmen. Hämoglobin ist ein Molekül, das in den roten Blutkörperchen vorkommt und den Hauptteil des Sauerstoffs findet. Immer ein spannender Moment. Reicht der Wert nämlich nicht aus, dürfte ich nicht spenden.

Dieter Popp erklärt es so: „Wir haben nicht nur eine Fürsorgepflicht für die Blutempfänger, sondern auch für die Spender“. Keinesfalls wolle man die in Gefahr bringen. Auch deshalb werden im nächsten Schritt meine Körpertemperatur, mein Puls sowie mein Blutdruck gemessen.

120 zu 80, Puls 68 - der Arzt reckt den Daumen nach oben. Schon gelange ich in den Spenderraum. 60 Betten haben die Mitarbeitenden des Blutspendeteams im eigentlichen Schulungsraum aufgebaut. Medizinische Fachangestellte und Krankenschwestern wuseln umeinander und kümmern sich um die Spendenden. Bevor ich auf meine Liege komme, muss ich über den vertraulichen Selbstausschluss noch darüber entscheiden, ob meine Spende tatsächlich verwendet werden soll. Dann geht es los.

Teamleiterin Anemone Hartmann führt mich zur Liege, schnappt sich ein steriles Blutspendeset, desinfiziert die Haut und setzt die Kanüle vorsichtig in meinen Arm. Klar spüre ich einen Stich, von Schmerz aber kann keinesfalls die Rede sein. Sie schließt alles mit der Blutmischwaage zusammen und nach kurzer Zeit geht es los. Kontinuierlich läuft mein Blut in den Beutel. Über ein kleines Display kann man Zeit, Geschwindigkeit und Füllmenge verfolgen. Dann heißt es warten.

Zusammen ist man weniger allein - das gilt auch beim Blutspenden.
Zusammen ist man weniger allein - das gilt auch beim Blutspenden. // Andreas Wolfger

Spenden aus ganz Bayern landen in Wiesentheid

Am Abend werden die Spenden gesammelt aus ganz Bayern in die Zentrale im unterfränkischen Wiesentheid gebracht und weiterverarbeitet. Geht alles nach Plan, werden in den nächsten Tagen von dort aus etwa 2000 neue Konserven einsatzbereit sein. Und sie werden gebraucht, hauptsächlich für die Krebstherapie, aber auch für Operationen und mitunter zur Versorgung von Verkehrsunfallopfern.

Mit einer Blutspende kann bis zu drei kranken oder verletzten Menschen geholfen werden. Neben dem BRK bieten auch Kliniken und andere private Anbieter Blutspendetermine an, der BRK generiert allerdings knapp drei Viertel aller Blutkonserven.

Mit stabilem Kreislauf und dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, stehe ich von meiner Liege auf und gehe ich in den Nebenraum, wo sich die vielen Ehrenamtlichen des Forchheimer BRK-Verbands um die Verpflegung der Spender kümmern. Bei Leberkäsbrötchen und Orangensaft lasse ich mir noch einmal die Wichtigkeit der Blutspende durch den Kopf gehen und frage mich, warum nur lediglich fünf Prozent der infrage kommenden Bayern ihr Blut spenden wollen.

Vor allem bei den Erstspendern gebe es noch Luft nach oben, erklärt Dieter Popp. In Forchheim lag die Erstspenderquote im vergangenen Jahr bei gerade einmal sechs Prozent.

An fehlendem Engagement oder fehlenden Marketings kann es nicht liegen. Auch der organisatorische und zeitliche Aufwand für einen selbst ist begrenzt. Meist sind die Blutspendetermine über einen gesamten Nachmittag gestreckt, bis in den Abend hinein. Da findet jeder seinen Slot.

Ich selbst muss nun mindestens 56 Tage warten. Erst dann darf ich wieder „Vollblut“ spenden. Wenn keine Krankheit oder Ähnliches dazwischenkommt, werde ich dann wieder meine Ausweise zücken und meine Mittagspause auf einer Spenderliege verbringen. Und zwar nicht nur des Leberkäsbrötchens wegen. Sondern, damit das Blut läuft.

Dieter Popp, Gebietsreferent des Blutspendedienstes
Dieter Popp, Gebietsreferent des Blutspendedienstes // Stephan Großmann

Blut spenden: Die wichtigsten Fakten zusammengestellt

Blut spenden kann jeder gesunde Mensch ab dem 18. Geburtstag. Eine Altersobergrenze gibt es seit der Änderung des Transfusionsgesetzes 2023 nicht mehr. Frauen können viermal, Männer sechsmal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden. Zwischen zwei Blutspenden muss ein Mindestabstand von 56 Tagen liegen.

Zur Blutspende mitzubringen ist unbedingt ein amtlicher Lichtbildausweis (Personalausweis, Reisepass oder Führerschein) und der Blutspenderausweis. Bei Erstspendern genügt ein amtlicher Lichtbildausweis.

Eine frische Tätowierung, eine Zahnreinigung oder ein Infekt: Manchmal darf man vorübergehend kein Blut spenden. Mit dem Spende-Check des BRK können Sie vorab checken, ob Sie derzeit zur Spende zugelassen werden können oder nicht. Wichtig: Die endgültige Entscheidung trifft das ärztliche Personal vor Ort.

Am Tag der Spende muss man sich gesund fühlen und es dürfen vier Wochen vorher keine Erkrankungen mit Fieber, Schüttelfrost, Husten/Atemnot oder Antibiotikaeinnahme aufgetreten sein.

Alle Blutspendetermine des BRK sowie weitere Infos sind im Internet unter www.blutspendedienst.com abrufbar, darüber hinaus bieten auch Kliniken und andere private Dienste Termine an.

 

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