Georg Schmitt schiebt seine Brille zurecht. Klar könne er von seinem Tag erzählen. Von seinem Tag als Zeitschenker. Von seiner Zeit als Teil des ehrenamtlichen Besuchsdiensts am Klinikum Forchheim. Von seinen unzähligen guten Gesprächen, die er schon mit Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen geführt hat. Gerne erzählt er auch davon. Schnell ist klar, dass er eigentlich lieber auf der anderen Seite sitzt. Dass er es ist, der lieber zuhört. Und erzählen lässt.
Besuchsdienst im Klinikum: Trost, Mut, Zuversicht
Georg Schmitt, 69 Jahre alt, Rentner aus Hausen, fährt mindestens einmal die Woche ins Forchheimer Klinikum. Auch heute. Während er in den ersten Stock läuft, heftet er sich sein Namensschild an, biegt um die Ecke und hält geradewegs auf Station 11 zu. Allgemeinchirurgie. Wie immer grüßt er eine der Pflegekräfte und erkundigt sich, in welchem Zimmer seine Dienste heute besonders gefragt sein könnten.
Seine Dienste sind im Prinzip simpel erklärt. Georg Schmitt besucht verschiedene Menschen auf Station, macht ihnen Mut, spendet Trost oder durchschneidet ihre Langeweile. Er schenkt ihnen Zeit. In der Regel sind es ein bis zwei Stunden in der Woche.
„Ich war schon immer ein guter Zuhörer“, erklärt Schmitt an diesem Oktobertag, nachdem er seine Runde beendet hat. Und lächelt dabei. Sofort möchte ich ihm von meinem eigenen Leben erzählen, reiße mich aber zusammen und mime selbst den guten Zuhörer. Wie er dazu gekommen sei? Wieder lächelt er. „Meine Frau hat damals eine Anzeige in der Zeitung gelesen, dass sie Zuhörer fürs Klinikum suchen. Mit ihr zusammen bin ich zu dem Infoabend gegangen und habe die Ausbildung gemacht. Seither sind wir dabei“, sagt er.
Patientenfürsprecherin Sandra Roth leitet Besuchsdienst seit 2021
Infoabend, Ausbildung, Zuhören will gelernt sein. Mit Georg Schmitt am Tisch sitzt Sandra Roth. Die 40-Jährige vertritt seit 2020 als Patientenfürsprecherin die Interessen der Patienten und deren Angehörigen, für ihr Engagement wurde sie im vergangenen Herbst sogar vom Gesundheitsministerium ausgezeichnet. Seit 2021 leitet sie überdies den ehrenamtlichen Besuchsdienst in Forchheim, der wegen der Corona-Pandemie einige Jahre nicht sehr aktiv sein konnte.
Seit August 2023 hat Roth wieder elf ausgebildete Zeitschenker im Forchheimer Klinikum im Einsatz. Darunter Georg Schmitt als bislang einziger Mann sowie seine Frau. „Ich empfinde den Einsatz als Zeitschenkerin total bereichernd und auch sehr wertvoll für mein eigenes Leben“, berichtet etwa Heike Illig, die ebenfalls regelmäßig im Klinikum vorbeischaut.
Dreimonatige Ausbildung vor erstem Einsatz im Klinikum
Bevor sie loslegen konnten, hatten die Ehrenamtlichen in einem dreimonatigen Kurs gelernt, wie herzliche Begegnungen und sensible Gespräche in schwierigen Situationen helfen können, wie sie aktiv zuhören und sogar kritische Gespräche meistern können. Überdies standen medizinische Themen wie Hygienevorschriften oder ethische Fragen rund um Krankheit, Trauer und Tod auf dem Stundenplan.
„Wir wollen uns bewusst die Zeit nehmen, uns gemeinsam in aller Ruhe auf den Einsatz im Besuchsdienst vorzubereiten“, betont Roth. Während des Ausbildungskurses hätten die Teilnehmer auch schon Gelegenheit, erste Gesprächserfahrungen auf den Stationen zu sammeln. „Es ist einfach immer wieder herzergreifend zu sehen, wie persönliche Begegnungen und sensible Gespräche in schwierigen Situationen helfen können“, sagt Roth.
Ehrenamtliche fühlen sich wertgeschätzt
Georg Schmitt etwa erinnert sich noch ganz genau an seinen ersten Gesprächspartner damals. „Ein älterer Herr, der partout nicht reden wollte. Ich bin dann mit seinem Zimmernachbarn ins Gespräch gekommen. Plötzlich hat sich auch mein eigentlich geplanter Gesprächspartner eingeschaltet. Wir haben ewig gesprochen, vor allem über Sport und die Arbeit.“ Das habe den beiden Herren gutgetan, aber auch ihm selbst, erzählt Schmitt. „Ich war voll aufgeregt, aber es war ein guter Start.“
Das Schöne sei vor allem die Wertschätzung, berichten Schmitt und seinen Kolleginnen. Nicht nur von Patientinnen und Patienten selbst. „Wir leben leider in einer Zeit ohne Zeit. Umso wichtiger ist der Einsatz der Zeitschenker“, lobt beispielsweise Landrat Hermann Ulm den Einsatz der Zeitschenker. „Wir Ärzte sind unwahrscheinlich dankbar für den Einsatz der Zeitschenker“, sagt der ärztliche Direktor im Klinikum Forchheim-Fränkische Schweiz, Professor Jürgen Gschossmann.
Krankenhausaufenthalt für viele eine Extremsituation
Menschen wollen sich grundsätzlich ihre Probleme von der Seele reden, dies gilt noch mehr in Extremsituationen wie einem Krankenhausaufenthalt. Denn, das betont Roth, besucht würden keinesfalls nur einsame Menschen. „Die meisten Menschen wollen reden“, sagt sie. Das gelinge vor allem bei sensiblen Themen mit Fremden mitunter einfacher als mit der Verwandtschaft. Emotionale Nähe könne manchmal hemmen, offen zu sprechen. Und spendet ein bis dato Fremder Trost, wiege das viel.
Neuer Kurs für Besuchsdienst startet am 30. November
Der Bedarf an Gesprächen ist groß. Allein am Standort Forchheim behandelt das Klinikum pro Jahr 10.000 Fälle stationär, hinzu kommen noch 20.000 ambulante, wie ein Klinik-Sprecher mitteilt.
Und der Bedarf ist größer geworden, glaubt man Sandra Roth. Daher startet Sandra Roth am 30. November einen neuen, dreimonatigen Ausbildungskurs. Nach der Auftaktveranstaltung am letzten Samstag vor Dezember finden die weiteren Treffen jeweils am Dienstag von 14.30 bis 18 Uhr statt. Für Interessenten findet am Dienstag, 5. November, 19 Uhr, ein Informationsabend statt.
Auch Georg Schmitt wird wieder dabei sein. „Es schadet nicht, die Informationen noch einmal aufzufrischen“, sagt er. Und vielleicht könne er an diesem Tag noch den einen oder anderen Zögernden überzeugen. Er lächelt, nimmt sein Schild ab. Zumindest für heute.
Informationen zum Ausbildungskurs: Ehrenamtlicher Besuchsdienst
Wer sich als ehrenamtlicher Besucher im Klinikum engagieren möchte, kann sich bei der Patientenfürsprecherin des Klinikums Forchheim-Fränkische Schweiz melden:
Sandra Roth, patientenfuersprecher@klinikum-forchheim.de und mittwochs 16 bis 18 Uhr telefonisch unter 09191/61015042.
Die Ausbildungsmodule starten am Samstag, 30. November, 10 Uhr bis 16.30 Uhr. Die weiteren Termine sind immer dienstags von 14.30 Uhr bis 18 Uhr (30.11., 3.12., 10.12., 17.12., 14.1.25, 4.2.25, 18.2.25, 11.3.25). Weitere Informationen unter www.klinikum-forchheim.de.
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