Das Annafest ist das Highlight des Jahres. Und doch liegt trotz der langen pandemiebedingten Durststrecke ein Schatten auf der diesjährigen Ausgabe des beliebten Volksfestes.
Wer während des Festes durch den Kellerwald flanierte, hat von schlechter Stimmung oder Angespanntheit vielleicht nicht viel gespürt. Es wurde gelacht, getrunken, gefeiert, geschunkelt. Auf den ersten Blick ein Annafest wie immer. Aber war es das?
Udo Schönfelder: „Werten gerade aus“
„Aktuell werten wir das diesjährige Annafest aus“, sagt Kellerwald-Bürgermeister Udo Schönfelder auf FT-Anfrage.
Es wird sicher einiges aufzuarbeiten geben, denn auch der Stadtverwaltung als Veranstalterin ist die zum Teil vorherrschende Katerstimmung nicht entgangen. Bestimmende Themen: die Verkehrssituation und die Sicherheitsauflagen für die Kellerwirte.
Matthias Erlwein findet klare Worte
Wirte-Sprecher und Betreiber des Glockenkellers Matthias Erlwein findet am Telefon klare Worte: „Mit diesen Sicherheitsauflagen kann es nicht noch einmal stattfinden.“
„Viele Wirte mussten wegen der Sicherheitsabstände und Sperrgitter große Einbußen hinnehmen“, sagt er. Tatsächlich: „Beim Annafest 2022 waren wir von einem Besucherrekord weit entfernt“, bestätigt Schönfelder.
Corona, Ukraine-Krieg, Inflation
Dies nur den städtischen Auflagen zuzuschieben, wäre aber zu kurz gegriffen. Pandemie, Sorgen wegen des Kriegs in der Ukraine, stark steigende Preise in beinahe allen Lebenslagen – es mag viele Gründe gegeben haben.
Doch Schönfelder sagt, als wolle er sich selbst beruhigen: „Quantität ist nicht alles“.
Das im Vergleich zu den Vorjahren magere Besucheraufkommen ließe sich immerhin in mindestens einem Punkt sogar als Glücksfall werten.
Verkehrs-Chaos wegen Piastenbrücke?
Wenngleich sich viele vorab große Sorgen wegen der gesperrten Piastenbrücke machten und ein Verkehrs-Chaos fürchteten, zieht Ordnungsamtsleiter Klaus Backer in dieser Hinsicht ein positives Resümee: „Das Verkehrskonzept klappte besser als erwartet“, sagt er.
Bahn: Sommer 2023 fertig
Und doch: Dass die Piastenbrücke wie von der Deutschen Bahn versprochen bis spätestens zum Sommer 2023 wieder offen ist, sehen die Stadt und die meisten Forchheimer als Grundvoraussetzung dafür an, dass ein gelungenes Annafest stattfinden kann.
Abstände und Gitter stoßen heftig auf
„Sicherheit geht vor.“ So legitimierte die Stadt vor und während des Annafestes mantraartig die Bauvorschriften, dass die geforderten Sicherheitsabstände und Sperrgitter auf den Kellern nötig seien.
Dass bisher nichts Schlimmeres passiert ist in den vergangenen Jahren? Glückssache. Bei Besuchern und Wirten aber hallen die als ungemütlich und störend empfundenen Einschränkungen nach.
Ulli Raab: „Wie im Zoo“
Annafest-Urgestein Ulli Raab fasst es so zusammen: „Ich bin mir ein bisschen vorgekommen wie im Zoo.“
Auch einige Bands, wie etwa die Moskitos neulich im FT-Interview sagten, störten sich an den Sicherheitsbauten, ebenso Stammgäste und Familien mit Kinderwagen.
Kurzum: Die Gitter-Provisorien sind der größte Zankapfel des diesjährigen Festes.
Stadt Forchheim: „Arbeiten mit Hochdruck“
Bürgermeister Schönfelder gelobt Besserung. „Im nächsten Jahr sollen die ersten Umwehrungen spätestens fertig sein, dann können die Annafest-Besucher auch wieder bis an den Zaun herantreten.
Nur zu den Bänken gibt es dann noch einen Abstand von einem Meter. Die Stadt arbeitet mit Hochdruck an kurz- und mittelfristigen Lösungen.“
Runder Tisch mit allen Akteuren?
Der Begründer von „Alladoch Annafest“ Ulli Raab sieht dies als bitter notwendig an. „So schnell wie möglich sollten nun alle Akteure an einer Art Rundem Tisch zusammenkommen. Nicht erst im Herbst. Denn dann könnten die meisten Eindrücke schon wieder verflogen sein.“
ZirkArt, Kneipenfetzt, mobile Bühnen
Überhaupt sprudeln aus Raab viele Ideen für eine stärkere Nutzung des Kellerwaldes: ein Kneipenfest auf den Kellern, mobile Musikbühnen, eine Mini-Version des Zirkart und so weiter.
Diese Veranstaltungen nähmen zwar nicht den Druck vom Annafest, größter Besuchermagnet und umsatzstärkste Zeit des Jahres zu sein. „Aber sie könnten das Zusammengehörigkeitsgefühl aller Kellerwald-Akteure stärken.“
Stärkere Nutzung des Kellerwaldes?
Einen prominenten Mitstreiter findet Raab in Udo Schönfelder. Der denkt in eine ähnliche Richtung, spricht sich auch für eine verstärkte ganzjährige Nutzung aus. Das sind aber nächste Schritte.
Die für die meisten Forchheimer entscheidende Frage lautet zuvorderst: Quo vadis, Annafest? Eine belastbare Antwort fehlt noch. Aber immerhin ist viel Wille erkennbar, dass es das Highlight des Jahres bleiben soll. Trotz aller Probleme.
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