0
Bedeutender Restaurantführer
„Gault & Millau“ adelt Heroldsbacher Gin-Destillerie
Patrick Lübke Shadows Distillery HeroldsbachForchheim & Fränkische Schweiz
Seit rund fünf Jahren widmet sich Patrick Lübke ganz dem Thema Gin. // Katharina Steinhäuser
Heroldsbach – Vom Maschinenbauer zum Gin-Virtuose: Mit Experimentierfreude und Leidenschaft begeistert Patrick Lübke Gin-Liebhaber und Branchenkenner. Das ist sein Erfolgsrezept.

Fränkisches Bier oder fränkischen Obstbrand kennt vermutlich jeder, doch auch Gin gibt es direkt hier aus der Region. Eingebettet zwischen Einfamilienhäusern in einem Wohngebiet in Heroldsbach liegt die Shadows Distillery. In der Einliegerwohnung im Keller seines Elternhauses zaubert Patrick Lübke seine aromatischen Kreationen. Und das mit Erfolg: 2025 wurde die Destillerie in den Weinguide des „Gault & Millau“ aufgenommen. Der „Gault & Millau“ ist einer der einflussreichsten französischen Restaurantführer. Im Weinguide gibt es ein Special für Spirituosen mit Empfehlungen. 

Angefangen hat bei der Shadows Distillery alles mit einer Vorliebe für Gin und dem Besuch eines Gin-Seminars. Sich selbst ausprobieren und im kleinen Stil zu experimentieren, hat Lübke sofort begeistert. „Es sollte ursprünglich nur ein Hobby sein und irgendwie hat es sich dann ergeben, dass ich da Vollzeit drin bin.“ 2019 gründet der heute 29-Jährige eine eigene Firma. Unterstützung gibt es von der Familie sowie Aushilfen und Freelancern. 

Shadows Distillery: Gin aus Heroldsbach

Schnell sei klar gewesen: „Wir wollen eine eigene Produktion“. Außerdem sollte eine Marke entstehen, die Handwerk und Moderne verbindet. Heute, rund fünf Jahre nach dem Launch des ersten Gins, wird es langsam eng in den Produktionsräumen. In den Regalen entlang der Wand reihen sich Flaschen an Flaschen, es gibt eine Packstation für den Versand und auch die Fässer für die Lagerung des Gins fordern ihren Platz ein. Zusätzlich hat Lübke noch ein Lager bei der Mosterei Kupfer in Heroldsbach. „Es wird voller und wir müssen jetzt auch schauen, wie wir das dieses Jahr alles regeln.“

Patrick Lübke Shadows Distillery HeroldsbachForchheim & Fränkische Schweiz
Die Zitronen für den Gin werden per Hand geschält. // Katharina Steinhäuser

Ein Hauch von Gin liegt in der Luft. Gerade wird wieder destilliert. Gut hundert Flaschen à 0,5 Liter entstehen bei einer Charge. Das Wissen über den Herstellungsprozess hat sich Lübke hauptsächlich selbst angeeignet. Was den perfekten Geschmack angeht, hilft aus seiner Sicht nur eins: ausprobieren. Die wichtigsten Zutaten sind Neutralalkohol und Wacholder. Letzterer verleiht dem Gin seinen typischen Grundgeschmack. Danach sind der Kreativität fast keine Grenzen gesetzt. 

Fränkischer Gin: Zwischen Zitrone und Hopfen 

In der Küche in Heroldsbach stapeln sich Kisten mit Zitronen und Orangen, die geschält werden müssen – alles per Hand. „Das meiste sind Zutaten, die man kennt, vielleicht aus der eigenen Küche“, erzählt Lübke. Der klassische Gin der Shadows Distillery in der schwarzen Flasche und mit dem Eulenlogo sei eher würzig und nur ein bisschen fruchtig, erklärt der studierte Maschinenbauer. „Da haben wir zum Beispiel noch Pfeffer dabei oder Hölzer wie Süßholz, Muskatnuss, Zimt, Orangenschalen, Zitronenschalen, Himbeeren“.

Zu den Zutaten, oft auch „Botanicals“ genannt, können aber auch Kardamom, Lavendel oder Hibiskusblüten zählen. Um seinem Gin eine „fränkische Note“ zu verleihen, verarbeitet Lübke auch Hopfen. „In der Fränkischen, in Gräfenberg beziehungsweise Lilling, gibt es einen Hopfenbauer und der hat ganz verschiedene Hopfensorten“.

Patrick Lübke Shadows Distillery HeroldsbachForchheim & Fränkische Schweiz
Der Gin in der schwarzen Flasche ist der Klassiker bei der Shadows Distillery. Der Name ist übrigens eine Anspielung auf die Moonshine-Schwarzbrenner, die im Schatten der Nacht aktiv sein mussten. // Katharina Steinhäuser

Damit aus den verschiedenen Zutaten Gin werden kann, werden sie erst einmal für rund 24 Stunden in fast 100-prozentigen Neutralalkohol eingelegt. Dieser nimmt – in etwa vergleichbar wie bei einem Tee – die Aromen auf. Durch das anschließende Destillieren entsteht wieder eine klare Flüssigkeit. Dabei wird das Ganze auf 78 Grad erhitzt, damit der Alkohol verdampft. Ein Korb im Kessel mit weiteren Zutaten, wie zum Beispiel Orangen- oder Zitronenschalen, sorgt für zusätzliche Aromen.

Der Dampf steigt nach oben, wird über ein Rohr in eine Kühlung geleitet und kann als Flüssigkeit wieder aufgefangen werden. Zu diesem Zeitpunkt hat der Gin rund 80 Prozent Alkohol. Bevor er verdünnt und abgefüllt wird, lagert Lübke ihn rund zwölf Wochen ein. Der fertige Gin muss mindestens 37,5 Prozent Alkohol haben. „Die meisten Gins sind zwischen 40 und 45 Prozent“, erklärt Lübke. 

Shadows DistilleryForchheim & Fränkische Schweiz
Die Destille wird befüllt. Das Destillieren ist ein wichtiger Schritt, damit der Gin später auch durchsichtig ist. // Shadows Distillery

Alle Arbeitsschritte muss der 29-Jährige genau dokumentieren. Wie bei allen Prozessen im Lebensmittelbereich spielt Hygiene eine große Rolle. Zudem muss jeder Vorgang beim Zoll angemeldet werden. Verkauft wird der fertige Gin unter anderem im lokalen Fach- und Getränkehandel und über einen Online-Shop. Den Versand übernimmt Lübke ebenfalls selbst. 

Mehr als Gin: Das ist 2025 geplant

Seit der Gründung der Destillerie sind weitere Produkte dazugekommen, unter anderem ein weiterer Gin und verschiedene Liköre. Lübke war mit seinen Produkten schon viel unterwegs: auf Messen, Veranstaltungen, teilweise hat er auch eigene Tastings angeboten. „Wir waren eine Zeit lang Sponsor bei Brose Bamberg“, erzählt er. 

Shadows Distillery Heroldsbach LikörForchheim & Fränkische Schweiz
Seit Ende 2024 hat die Shadows Distillery auch drei Liköre im Angebot: Kaffee, Karamell und Haselnuss. // Katharina Steinhäuser

Neben den eigenen Produkten stellt Lübke auf Wunsch auch Liköre oder Gin für Vereine, Unternehmen oder Privatpersonen her. „Das ist eine coole Geschichte, da lernt man spannende Leute kennen“, schwärmt der Wahl-Nürnberger.  

Auch für dieses Jahr hat er schon einiges geplant. Erst mal soll der Fokus auf den Likören liegen. Vielleicht kommt noch ein eigener Rum dazu. „Den wollen wir aber nicht selber produzieren, sondern importieren aus der Karibik.“ Langfristig will er sich breiter aufstellen. „Jetzt machen wir aber erstmal das, wo wir Bock drauf haben.“ 

 

Inhalt teilen
  • kopiert!