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Viel zu wenig Bademeister
Personalmangel im Königsbad: Abgespeckter Badesommer droht
Bald geht's los im Königsbad Forchheim, am 1. Mai startet die Sommersaison. Doch heuer könnte es für Besucher schmerzliche Einschnitte geben.
Bald geht's los im Königsbad Forchheim, am 1. Mai startet die Sommersaison. Doch heuer könnte es für Besucher schmerzliche Einschnitte geben. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Trübe Aussichten im Forchheimer Königsbad: Weil Bademeister fehlen, müssen Sommergäste womöglich Einschränkungen in Kauf nehmen. Das ist geplant.

Aktuell hängen die Wolken tief über dem Königsbad. Die Besucher schreckt das nicht ab, im Gegenteil. Aktuell in den Osterferien tummeln sich derart viele in den Becken des Hallenbads, dass es zeitweise gar zu Einlassstopps kommt. Viele Besucher freuen die Badebetreiber – eigentlich. Forchheim schaut mit einigen Sorgenfalten auf die Sommersaison, die mit dem Anbaden am 1. Mail starten soll. Denn: Es gibt zu wenig Aufsichtspersonal.

Königsbad Forchheim: Einschränkungen drohen im Sommer 2025

Freibadfans rund um Forchheim stehen schon in den Startlöchern, schließlich gehört das Königsbad zu den ersten Einrichtungen in der Region, die in die Freibadsaison 2025 starten. Derweil haben die Ausführungen Christian Lenkls das Zeug, die Vorfreude zu trüben. Der Betriebsleiter des Bades wird Forchheims Stadtratsmitgliedern am Dienstag (29. April) vorstellen müssen, welche Möglichkeiten es gebe, die fehlenden Bademeister auszugleichen.

„Der derzeitige Personalstand zwingt uns, während der Sommersaison Teilbereiche der Öffentlichkeit vorzuenthalten, damit ein Betrieb weiterhin aufrechterhalten werden kann“, schreibt er. Alternativ könne dies über reduzierte Öffnungszeiten des Schwimmbades und/oder des Saunabereiches erreicht werden, heißt es weiter. Für die Badegäste könnten die Notmaßnahmen ein abgespecktes Sommervergnügen bedeuten.

Königsbad: Nur Sperrungen im Innenbereich geplant

Laut Lenkl präferiere man verwaltungsintern die Idee, erst einmal nur das Schwimmerbecken im Innenbereich zu schließen. Von dieser Maßnahme erhoffe man sich, so steht es im Vortrag, dass sie „der Öffentlichkeit am erträglichsten erscheint“. Denn Vereine, Schulen und Kurse könnten das Becken weiterhin nutzen, weil die eigenes Aufsichtspersonal mitbrächten. Im Freibadbereich, so liest es sich heraus, seien bislang keine Teilsperrungen überlegt worden.

Als Grundlage für die besorgniserregende Sommerprognose dient eine aktuelle Aufstellung des Personalstands. Demnach sind aktuell fünf ausgebildete Fachkräfte (Fachangestellte für Bäderbetriebe) vorhanden. Darüber hinaus neun Rettungsschwimmer (sechs in Vollzeit, drei in Teilzeit). Nur sei für den Betrieb des Bades aber ein Schichtsystem (früh, spät, frei) erforderlich. Rechnet man nun noch Urlaube und krankheitsbedingte Ausfälle hinzu, geht Lenkl von einem Personalbedarf von 18 bis mehr als 25 Personen aus. Ein Minus von mindestens fünf Leuten.

Verschobene Großsanierung, Personalmangel, mögliche Teilschließungen: Es könnte ein durchwachsener Sommer werden.
Verschobene Großsanierung, Personalmangel, mögliche Teilschließungen: Es könnte ein durchwachsener Sommer werden. // Foto: Stephan Großmann

Welche Pflichten öffentliche Bäder haben

Öffentliche Bäder wie das in Forchheim haben die Pflicht, sich um die Sicherheit zu kümmern, das regelt die Richtlinie der Deutschen Gesellschaft für Badewesen („Verkehrssicherungs- und Aufsichtspflicht in öffentlichen Bädern während des Badebetriebes“):

  • Die Betriebsaufsicht umfasst die Verantwortung für alle Bereiche des Betriebes (z. B. Parkplätze, Zuwegungen, Außenanlagen sowie die baulichen und technischen Anlagen) und für das eingesetzte Personal.
  • Die Beaufsichtigung des Badebetriebes beinhaltet die Überwachung der Verkehrsflächen des Bades, die Aufsicht in den für die Badegäste zugänglichen Bereichen außerhalb der Becken und die Einhaltung der Haus- und Badeordnung.
  • Die Wasseraufsicht beinhaltet das Erkennen und die Vermeidung von Gefahrensituationen im und am Wasser sowie insbesondere die Rettung vor dem Ertrinken.

Externe Hilfskräfte als Wasseraufsicht eingesetzt

Reicht das Personal nicht aus, um alle Bereiche ausreichend zu beaufsichtigen, muss der Betrieb in der Regel eingeschränkt werden. Dies droht in diesem Sommer auch wie bereits beschrieben im Königsbad. Und könnte noch mehr kommen. Betriebsleiter Christian Lenkl geht gemäß seinen Vortragsunterlagen davon aus, dass die Arbeitskräfte bei normalen und hohen Besucherzahlen nicht ausreichen, selbst wenn das Innen-Schwimmbecken gesperrt würde. Dann kämen wieder sogenannte Aushilfskräfte ins Spiel, welche die Aufsicht sporadisch übernehmen können.

Menschen wie Gerhard Rossa. Der 68-Jährige engagiert sich seit mehr als 40 Jahren bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Forchheim, bildet Wasserretter und Ersthelfer aus und gehört zu jenem Aushilfspool. Mindestens einmal pro Woche lande eine Anfrage vom Königsbad im Posteingang, sagt er. Tendenz sicher steigend.

Gerhard Rossa, Schwimmtrainer bei der DLRG in ForchheimForchheim & Fränkische Schweiz
Gerhard Rossa, Schwimmtrainer bei der DLRG in Forchheim // Foto: Stephan Großmann

Weitere Einschränkungen drohen im Sommer 2025

Nur wird es sicher nicht immer möglich sein, im Sommer externe Aufsichten zur Verfügung zu haben, das weiß auch Königsbad-Chef Lenkl. Und: Auch der Betrieb des Königsbads obliegt dem aktuellen Spardiktat der Stadt. Losgelöst von der Problematik des Fachkräftemangels stehen wohl schon seit langem Überlegungen im Raum, das Konzept für die Sommersaison in Hinblick auf Kostenersparnis zu überarbeiten.

Heißt: Weitere Einschränkungen drohen. Im Verwaltungsvorschlag, den Betriebsleiter Lenkl für die Stadtratssitzung erstellt hat, steht: „Aufgrund der fehlenden Möglichkeit, die einzelnen Schwimmbecken bei Unterbesetzung im Außenbereich sperren zu können, scheint eine Sperrung des Erlebnisbeckens im Innenbereich die beste Wahl zu sein“. Aktuell ermittle man die Stunden, die das vorhandene Personal überhaupt insgesamt abdecken könne. Im schlimmsten Fall drohen also trotzdem reduzierte Öffnungszeiten, etwa wenn nur die Früh- oder Spätschicht der Aufsichtspersonen gewährleistet wäre.

Freibäder in ganz Deutschland von Fachkräftemangel betroffen

Dieses Problem hat Forchheim nicht für sich gepachtet. Schon seit Jahren schlagen Badbetreiber, Kommunen, Schwimmvereine und die Schwimmmeister Alarm. „Viele Ältere gehen in Rente. Die, die aus Leidenschaft zum Job bis zu 14 Stunden im Dienst waren“, sagt Ralf Großmann, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands Deutscher Schwimmmeister. Nachwuchs gebe es zu wenig, vorigen Sommer fehlten laut Verband mehr als 3000 Fachkräfte. Das Problem laut Großmann: „Die Bezahlung ist zu gering – die Verantwortung hingegen sehr hoch und die Arbeitszeiten auch nicht sehr beliebt.“

In ganz Deutschland müssen Bäder immer wieder vorübergehend schließen oder ihre Angebote reduzieren, weil ihnen die Bademeister ausgehen. Was hälfe? Laut Großmann müsse der Beruf attraktiver gestaltet werden, um wieder mehr Menschen zur Fachkraft für Bäderbetriebe auszubilden. Werde weiterhin nicht gehandelt, drohten noch mehr Bäder von der Landkarte zu verschwinden.

Idee: Könnten Vereine wieder mehr eingebunden werden?

Schwimmtrainer Gerhard Rossa bringt noch eine weitere Möglichkeit ins Spiel. Früher, noch bevor das Königsbad 2010 eröffnet worden ist, seien die örtlichen Vereine wie DLRG und Wasserwacht bei der Aufsicht involviert gewesen. Dafür habe es laut Rossa wohl beispielsweise kostenlose Trainingszeiten gegeben. „Ob das heute so noch funktioniert oder von allen gewünscht ist, weiß ich nicht“, sagt er. Aber es sei einen Versuch wert.

Ob und welche Teilsperrungen wirklich umgesetzt werden, entscheiden allerdings die Mitglieder des Stadtrats, heißt es hierzu aus der Pressestelle der Stadt Forchheim auf Anfrage. Die kommen das nächste Mal am 29. April um 16 Uhr in der Ritter-von-Traitteur-Aula zusammen.

 

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