„Wie in einem Dornröschenschlaf präsentierte sich das liebenswerte Städtchen im Wiesenttal seinen Besuchern bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges über Jahrhunderte in annähernd gleicher Ansicht und Form, obgleich sich die Bewohner dem Fortschritt nicht entgegenstellten.“ Mit diesem Zitat der Autorin Sonja Vogler aus ihrem Beitrag zum neuen Heimatbuch anlässlich des Stadtjubiläums „700 Jahre Ebermannstadt“ beginnt eine Recherche der Zeitgeschichte nach der letzten Veröffentlichung des zweiten Heimatbuches. Die 14 Autoren haben in diesem dritten Buch mit ihren aufwendig recherchierten Beiträgen einen wichtigen zeitgeschichtlichen Anteil zur Stadtgeschichte geleistet und dokumentiert.
Es sei eine große Freude für die Stadt Ebermannstadt, dass es Menschen gebe, welche dieses Buch mit ihren Beiträgen gestaltet haben. Dafür dankte Bürgermeisterin Christiane Meyer allen Autoren, den Herausgebern und Unterstützern. Es brauche den „sozialen Zusammenhalt“, um Krisen zu bewältigen, und dieser gehöre auch zu Kultur und Geschichte. Die Herausgabe des Heimatbuches sei eine der Auftaktveranstaltungen um das Programm zum 700. Stadtjubiläum mit Vorträgen und Festveranstaltungen. Landrat Hermann Ulm schickte einen Gruß voraus ins Jubiläumsjahr: „Hier ist ein stolzer Band entstanden“, der das „pulsierende Herz der Fränkischen Schweiz“ zeige.
Toni Eckert, selbst Autor und einer der Herausgeber zusammen mit Manfred Franze und Kreisheimatpfleger Georg Brütting, erinnerte an die erste Besprechung vor zwei Jahren. Es habe keine Absage der Autoren gegeben und es seien keine Lücken bei der Erstellung entstanden. So konnte das Ziel, die Herausgabe Weihnachten 2022, gehalten werden.
Wissenschaftliche Standards
Es sollten die wissenschaftlichen Standards gehalten werden und das Buch dennoch nicht nur für Historiker lesbar bleiben. Zudem sei es das Ziel gewesen, neue Aspekte zu beleuchten, die in früheren Ausgaben noch nicht hinreichend untersucht waren. Somit sei das inhaltliche Ziel der Publikation, „einen wirklichen historischen Beitrag“ zu leisten, gehalten worden. Das Buch biete Anreiz für weitere Heimat- und Stadtforschung. Herausgeber und Verleger ist die Stadt Ebermannstadt. Man habe in diesem Heimatbuch auch auf den oftmals üblichen „Inseratefriedhof“ verzichtet und andere Wege der Finanzierung gefunden.
Neben dem Landkreis Forchheim habe auch die Oberfrankenstiftung Bayreuth und die Sparkasse Forchheim das Heimatbuch finanziell ermöglicht. Die Ausgabe wurde im Eigenverlag der Stadt Ebermannstadt publiziert und ist in der Buchhandlung Faust und der Druckerei und Schreibwaren Waltenberger-Hofmann zu einem Preis von 24,80 Euro erhältlich.
Toni Eckert als Autor
Als Autor verfasste Toni Eckert selbst die Beiträge „Von den Schlüsselbergern zu den Fürstbischöfen von Bamberg“, „Erhebung zur Stadt: Status und Rechtsentwicklung“ und „Ebermannstadt im 19. Jahrhundert – Zwischen Deutscher Romantik und sozialer Lage“. Dass in dieses dritte Heimatbuch das ganze Engagement der 14 Autoren geflossen ist, unterstrich die Aussage von Autor Wolfgang Schirmer: „Die Gedanken gingen auch nachts im Bett durch den Kopf.“ Er trug mit neuen Erkenntnissen in seinem Beitrag zu „Land um Ebermannstadt“ bei.
Manfred Franze zitierte aus dem ersten Heimatbuch
Manfred Franze zitierte einen kurzen Vers aus dem ersten Heimatbuch von 1926. Die Inhalte waren zu dieser Zeit noch in Reimen verfasst. Im zweiten Heimatbuch der Autoren Georg Förtsch, Anton Girsig und Adolf Schön war es bereits ein anderer Zeitgeist und in diesem jetzt sei es wieder ein anderer. Wie möge es wohl in 50 Jahren aussehen? Werde es da noch eine geduckte Form geben? „Wird es noch die kleinen Handwerker geben?“, blickte Franze in die Zukunft. Er hoffe, dass das Buch dazu beitragen möge, die Vergangenheit richtig einzuordnen. Sein Beitrag befasst sich mit „Ebermannstadts Weg in die Demokratie“.
Modernisierung der Stadt
Das Kapitel „Entwicklung und Modernisierung Ebermannstadts – 1950 bis heute“ von Innenarchitektin Sonja Vogler wurde komplett neu geschrieben. Als sie mit der Recherche begann, habe sie zunächst zurückgedacht an ihre Kindheit und wie sich das Leben seitdem gewandelt habe. Sie führte unzählige Interviews mit den Zeitzeugen und verbrachte viel Zeit im Stadtarchiv, um Belege dafür zu finden, zudem beschreibt sie, was sie selbst noch in Erinnerung hatte.
In seinem Bericht griff Lutz Wagner die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs und die Auswirkungen auf Ebermannstadt auf. Sein Ziel war es herausfinden, welche weiteren Erkenntnisse in den Archiven in München und Stockholm zu finden waren. Und er fand Hinweise zu kleineren Schlachten, die sich in Richtung Ebermannstadt erstreckt hatten.
Lesung im „Wiesentgarten“
Wer das Heimatbuch live erleben möchte, ist zur Lesung mit Jazzmusik am Donnerstag, 8. Juni 2023, um 11 Uhr in den „Wiesentgarten“ in Ebermannstadt eingeladen.
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