0
Bilanz zu „Kennen wir uns?“
Rührende Ausstellung erzählt Forchheimer Familienschicksale
Erich Müller erzählt von seinen Großeltern.
Erich Müller erzählt von seinen Großeltern. // Liliana Wopkes
Forchheim – Die Ausstellung „Kennen wir uns?“ im Forchheimer Pfalzmuseum mit den von Frank Brinke entdeckten Fotos geht zu Ende. Zeit für eine Bilanz.

Die meisten Dachbodenfunde sind eine Zumutung, verstaubter alter Kram. Dann gibt es aber diese seltenen Glücksmomente, die im Alleingang den Ruf aller Dachbodenfunde wiederherstellen. Es ging vor einiger Zeit durch die Presse, dass der Forchheimer Frank Brinke einen solchen Moment hatte, und diesen hat er mit der ganzen Region geteilt – in einer Ausstellung, die bald zu Ende geht. Einige der unzähligen, etwa hundert Jahre alten Bilder, die Brinke auf dem Dachboden seines Fotoateliers gefunden hat, hängen noch bis Ende Oktober im Pfalzmuseum.

Forchheim: Fotos der Ausstellung „Kennen wir uns?“ erzählen Geschichten

Diese Bilder sind nicht nur für die Angehörigen von Bedeutung, das hat Frank Brinke rasch erkannt: „Ich hab gemerkt, was das für ein unglaublich dichtes Bild seiner Zeit ist.“ Damit hat er unter anderem deswegen recht, weil diese Fotos mehr Geschichten erzählen als die auf den ersten Blick sichtbaren. Es geht auch und vor allem um das, was zwischen den Zeilen steht. Um das geheime Unglück in einem Gesichtsausdruck, die wahre Nähe oder Distanz zwischen einem Paar, die große Bedeutung gewisser Ereignisse im Leben wie Kommunion oder goldene Hochzeit oder um die Tragik des Krieges.

Dieses Originalfoto der beiden Freundinnen hängt im Weltladen Forchheim.
Dieses Originalfoto der beiden Freundinnen hängt im Weltladen Forchheim. // Liliana Wopkes

Deswegen hat Brinke das Pfalzmuseum kontaktiert und von der Museumsleiterin Susanne Fischer das Angebot einer Ausstellung bekommen. Beiden geht es hierbei nicht nur darum, etwas zu zeigen, sondern auch, etwas zu erfahren. Sie wollen den Geschichten der Bilder Puzzlestücke hinzufügen, indem sie herausfinden, ob jemand auf den Fotos erkannt wird. Inzwischen wurde so einiges gefunden.

Drei Generationen der Schulenburg-Frauen.
Drei Generationen der Schulenburg-Frauen. // Liliana Wopkes

Vor ein paar Tagen haben sich jene, die Menschen auf den alten Fotos erkannt haben, in der Ausstellung getroffen, um davon zu erzählen. So ist Sabine Schulenburg mit ihrer Mutter gekommen, weil diese auf einem Bild ihre Schwiegermutter erkannt hat: Eine auf dem Foto adrette junge Frau aus gutem Hause mit Pelzkragen, Hut und weißen Handschuhen, die lächelnd in die Zukunft schaut. „Meine Schwiegermutter“, erzählt Frau Schulenburg, „stammte aus einer Schreinerei, hier in Forchheim. Sie muss hier zwischen 20 und 25 sein, wahrscheinlich vor ihrer Ehe, Ende der 20er-Jahre“.

Sabine Schulenburg hat ein ergänzendes Foto auf dem Handy. Offensichtlich ging die Großmutter zusammen mit der besten Freundin zum Fotografen und die Frauen haben auch ein gemeinsames Foto machen lassen. Dieses blieb der Familie erhalten und hängt jetzt im Weltladen Forchheim.

Erich Müllers Großeltern.
Erich Müllers Großeltern. // Liliana Wopkes

Der Maler und Bildhauer Erich Müller erfährt von Bekannten, dass unter den gefundenen Fotos auch eines von seinen Großeltern ist. Jetzt hält er eine Kopie in der Hand und deutet auf das ältere Paar darauf: „Es muss 1934, 35 gewesen sein“, meint er.

Obwohl der Großvater hinter dem Stuhl seiner Frau steht, dominiert er das Bild nicht. Die Großmutter erzählt die stärkere Geschichte. Da ist einmal ihr prächtiger Rock. Er steht im Kontrast zu ihren Händen, die hartes Zupacken gewöhnt sind. Vor allem aber besticht ihr ruhiges, freundliches Gesicht, trotz allem, was das Leben in dem Alter auch ihr sicher geboten hat; gerade in der Zeit. Etwas anderes kann man sich dazu denken: Das Paar hat nicht einfach so den Weg zum Fotografen auf sich genommen. Es muss einen Anlass gegeben haben – die goldene Hochzeit?

Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, die jemanden auf den alten Fotos erkannt haben. Hinten Mitte: Frank Brinke.
Ausstellungsbesucherinnen und -besucher, die jemanden auf den alten Fotos erkannt haben. Hinten Mitte: Frank Brinke. // Liliana Wopkes

Homepage für Ausstellung „Kennen wir uns?“ in Forchheim geplant

Manche der Menschen hier kennen die Fotos, weil sie noch im Familienbesitz sind. Ein Geschenk können diese Bilder aber auch für sie sein. Wenn diese großen, klaren Aufnahmen es ihnen ermöglichen, die bekannten Gesichter und deren Geschichten neu zu sehen. Museumsleiterin Susanne Fischer plant eine Homepage, auf der alle gefundenen Fotografien zu sehen sein werden. Auf diese Weise soll in Ruhe gesucht und vielleicht auch gefunden werden.

Inhalt teilen
  • kopiert!