Markus Galster hat derzeit allen Grund Stolz zu sein. Im afrikanischen Botsuana hat der zuständige Ausschuss der UNESCO (Unites Nations Educationsl, Scientific and Cultural Organisation) nun nämlich beschlossen, dass die im Raum Forchheim praktizierte Tradition der Wässerwiesen künftig immaterielles Weltkulturerbe ist.
Damit ehrt sie Wässerer wie Galster dafür, dass sie das Brauchtum bis heute am Leben erhalten. Grund hierfür ist unter anderem, dass die Arbeit der Wässerer heute eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels einnehmen kann.
Wässerwiesen: Schatz vor der Haustür
„Mich haben gestern schon einige versucht zu erreichen“, berichtet Galster, der als „Bauherr“ der Gosberger Wässergenossenschaft vorsteht. Auch am Tag nach der Bekanntgabe steht sein Telefon jedoch nicht still. „Hoffentlich begreifen die Leute jetzt, was sie für einen Schatz vor ihrer Haustür haben – und selbstverständlich auch die Kreisstadt“, erklärt er. Oftmals würde die Arbeit der Wässerer nämlich nicht richtig wahrgenommen.
Wässerer bietet Führungen an Wässerwiese an
Was sich mit dem Weltkulturerbetitel jetzt auf ihn zukäme wisse er noch nicht so recht, berichtet der Landwirt. „Vielleicht bekommen wir ja mal etwas mehr Förderung für das, was wir hier tun“, hofft er. Und vielleicht würde der Titel auch manch einen Neugierigen anlocken, der wissen wolle, was ein Wässerwiese eigentlich sei. „Ich bin gerne bereit da auch Führungen zu machen und das zu erklären“, berichtet Galster.
Dennoch hoffe er, dass sich der Ansturm an Interessierten in Grenzen halte. Schließlich seien die Wässerwiesen ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Vogelarten, die sich von zu vielen Besuchern gestört fühlen könnten.
„Wie bei einem WM-Spiel“
„Ein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, und das sogar noch vor Weihnachten“, freut sich auch Roland Lindacher, der beim Landkreis Forchheim für das Wässerwiesen-Projekt zuständig ist, über die Unesco-Auszeichnung. „Ich habe es live verfolgt. Das war wirklich ein besonderes Ereignis, fast wie bei einem WM-Endspiel.“
Die Arbeit der vergangenen Jahre habe sich bewährt. Die Hauptarbeit im Wässerwiesenprojekt, nämlich für die Bestandssicherung dieser Tradition zu sorgen und die Landwirte zu unterstützen, war erfolgreich. Die landwirtschaftliche Bewässerungstechnik steht für einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Sie wird im Landkreis bereits seit Jahrhunderten betrieben.
Für Lindacher geht die Auszeichnung besonders direkt an die Landwirte, die ihre Arbeit mit solch einer Leidenschaft verfolgen würden. „Sie haben es wirklich verdient. Man muss ein Herz für diese Sache haben“, bedankt sich Lindacher für deren Engagement.
„Sekt schon kalt gestellt“
Pauline Arnet, ebenfalls im Projektteam Wässerwiesen mit dabei, verfolgte wie ihr Kollege gestern Abend die Entscheidung der Unesco live im Internet. „Wir haben es sehr gehofft, dass es klappt und haben den Sekt schon kalt gestellt“, freut sie sich am Telefon. „Das ist eine unglaubliche Anerkennung für den Erhalt der Wässerwiesen. Gerade in Zeiten des Klimawandels und der steigenden Wasserknappheit findet diese Form der Bewässerung hiermit eine tolle Wertschätzung.“
Diese besondere Art der Bewässerung helfe Bauern, Erträge zu steigern und trage außerdem zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. „Es ist ein starkes Signal für die Wässerer, die hart arbeiten. Gerade für die Landwirte ist das ein stolzer Moment“, so Arnet. Sie hoffe, dass dieser Stolz dazu beitrage, dass die Wässerwiesen mehr Aufmerksamkeit bekommen.
Die Auszeichnung solle nun auch dazu beitragen, die Wässergenossenschaften zu aktivieren, dass es mehr Wässerer werden. Derzeit seien es laut Arnet acht.
Für den 10. Mai ist eine offizielle Feier gemeinsam mit den Wässerern in Möhrendorf geplant. Wann die offizielle Übergabe der Unesco-Urkunde stattfindet, ist laut Lindacher noch nicht bekannt.


















