Klimaneutral. Deutschland will es bis 2045 werden, Bayern bis 2040.
Auch die Stadt Forchheim hat sich die Parole auf die Fahne geschrieben, helfen soll das „Integrierte Klimaschutzkonzept“. Darin gebündelt sind viele Ideen, wie es die Stadt schaffen könnte, ihren Anteil an der Menge klimaschädlicher Gase in der Atmosphäre auf Null zu setzen.
Ein paar Wörtchen dabei mitzureden hat Forchheims Stadtpolitik, die sich nicht nur zufrieden zeigt mit dem von der Energieagentur Nordbayern vorgelegten Vorschläge-Papier.
Energieagentur Nordbayern: „Klimaschutz mit hoher Priorität“
Im Mai dieses Jahres hatten die Experten den Abschlussbericht der von Klimaschutzmanagerin Elisa Rittmeier beauftragten Studie vorgelegt.
Diese Untersuchung mündet in ein Konzept, das eine „strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für zukünftige Klimaschutzaktivitäten in der Stadt Forchheim“ sein soll. Das Konzept soll zeigen, welche Potenziale zur Treibhausgasminderung in der Stadt bestehen und welche Maßnahmen dafür einzuleiten wären.
Als Fazit schreibt die Energieagentur: „Die Auswirkungen von Klimaveränderungen bedingt durch menschengemachte Treibhausgase lassen sich nicht mehr nur global beobachten, sondern treten auch auf lokaler Ebene immer deutlicher zum Vorschein. Nur wenn Klimaschutz als strategisches Ziel in der Stadtpolitik mit hoher Priorität verankert wird, kann eine Transformation gelingen.“
Was das Klimaschutzkonzept für die Stadt Forchheim vorsieht
Konkret sollen etwa auf Dächern städtischer Gebäude Photovoltaik-Anlagen errichtet, Windenergie ausgebaut, eine kommunale Wärmeleitplanung eingeführt, kommunale Liegenschaften energetisch saniert und die städtebauliche Planung angepasst werden. Das hieße, innerstädtische Flächen vermehrt zu entsiegeln und zu begrünen.
Das größte Sorgenkind bleibt laut Energieagentur aber der Verkehr. Die Stadt arbeitet bereits seit 2019 an einem integrierten Verkehrskonzept; viele der dortigen Überlegungen finden sich auch im hier vorliegenden Papier wieder. Ein Stück weiter ist die Stadt Forchheim beim Thema ÖPNV, ein neues Stadtbuskonzept ist heuer bereits beschlossen worden und wird 2025 anlaufen.
Klimaanpassung: Wie Forchheim dem Klimawandel Herr werden will
Gleichzeitig muss Forchheim wie der Rest der Welt auf bereits eingetretene Auswirkungen des Klimawandels reagieren, Klimaanpassung nennen das die Experten. Vorgesehen sind unter anderem die nachhaltige Umgestaltung des Stadtwaldes, der Bau öffentlicher Trinkwasserbrunnen, die Erstellung eines Hitzeaktionsplans, die „systematische Begrünung von Dächern und Fassaden im Bestand und im Neubau“ sowie der perspektivische Umbau Forchheims zur „Schwammstadt“, um versickerndes Wasser besser zu halten.
Wie Forchheims Politik auf Ideen reagiert
Forchheims größte Stadtratsfraktion, die CSU, begrüßt die vorgestellten Ziele grundsätzlich.
Zugleich mahnen die Christsozialen aber unter anderem an, dass das Konzept zu wenig Effizienzkontrolle der Maßnahmen vorsehe, dass die Rolle der Stadtwerke bei der Energiewende zu kurz komme und dass der Fokus auf der Zusammenarbeit mit anderen Landkreiskommunen fehle.
Die Forchheimer Grüne Liste (FGL) verweist in ihrer Stellungnahme darauf, dass die größten Hebel der Stadt in der energetischen Sanierung und in dem Ziel lägen, den Autoverkehr in der Innenstadt weitgehend vermeidbar zu machen. Zudem reiche es laut FGL nicht, lediglich weniger CO₂ zu verbrauchen. Man müsse der Atmosphäre welches entziehen, etwa durch eine geringere Bewirtschaftung des Stadtwaldes und eine Erhöhung der Wässerwiesen-Fläche.
Die SPD-Fraktion wiederum würde die Klimaneutralität bereits auf das Jahr 2035 vorziehen, vermisst „im Entwurf den Willen zum schnellen und konkreten Handeln“.
Sie schlägt unter anderem vor: Forchheim solle sich verpflichten, jährlich mindestens drei PV-Anlagen zu installieren, einen ergänzenden Klimahaushalt einzuführen, eine Handwerksoffensive zur regionalen Umsetzung der Energiewende zu starten und eine Allianz aus Vereinen, Organisationen und Unternehmen zu initiieren.
Klimaschutzkonzept erst im Oktober im Stadtrat Forchheim
Ein grundsätzlicher Konsens über den Nutzen eines Klimaschutzkonzeptes liegt bei den meisten politischen Akteuren in Forchheim vor. Wie aber beispielsweise das knappe Scheitern einer Baumschutzverordnung im Juli und die teils emotionalen Debatten über das Verkehrskonzept bereits andeuten, wird die konkrete Umsetzung der einzelnen Vorhaben kein Selbstläufer werden.
Und Forchheims Stadträte lassen sich noch Zeit – das Thema wird wohl erst im Oktober wieder auf die politische Tagesordnung kommen.
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