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Besuch aus Berlin
Linnemann: „Die ticken doch nicht richtig!“
Carsten Linnemann im Gespräch mit Silke Launert in StreitbergForchheim & Fränkische Schweiz
Carsten Linnemann im Gespräch mit Silke Launert in Streitberg // Carmen Schwind
Signet des Fränkischen Tags von Carmen Schwind
Streitberg – CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gibt in Streitberg Einblicke in sein Leben als Politiker und verrät, wie er entspannt.

„Wissen Sie, ich will das nicht ein Leben lang machen. Ich will frei bleiben“, verrät der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Gespräch. Tanja Herbert-Nebe, Vorsitzende der Forchheimer Kreis-Frauenunion, hatte Linnemann nach Streitberg eingeladen, aus seinem Buch „Die ticken doch nicht richtig!“ vorzulesen. Der Generalsekretär erzählt, dass er gerne gekommen sei, da er seine Bundestagskollegin Silke Launert sehr schätze. Sie ist CSU-Abgeordnete für Bayreuth und Forchheim. Der 46-Jährige, der viel jünger wirkt, erzählt weiter, dass er vor 20 Jahren den CDU-Parteitag in Leipzig verließ und mit Begeisterung an den geplanten großen Reformen und Veränderungen mitwirken wollte. Es sei aber anders gekommen. Doch wie behält man den Elan und lässt sich nicht verbiegen? „Es sind die kleinen Erfolge, die Mut machen. Zum Beispiel konnte ich dazu beitragen, dass der Meisterbrief im Handwerk wieder eingeführt wurde. Und ich klebe nicht an einem Posten und weiß, dass ich das nicht ewig machen werde“, antwortet Carsten Linnemann.

Seine Eltern waren Buchhändler

Auf der Bühne erzählte er, dass seine Eltern Buchhändler waren. In seiner Kindheit sei Anstrengung immer großgeschrieben worden. „Ich war noch grün hinter den Ohren, als ich nach Berlin gegangen bin“, berichtete er und verriet, dass seine Mutter ihn für zu dünn hielt und er ihr immer Fotos von seinem Essen schicken musste: „Das waren aber Fotos vom Teller vom Peter Altmaier.“ Er gab zu, dass er Politiker hasst, die nicht auf den Punkt kommen und um den heißen Brei herumreden, und dass er sich jedes Jahr eine Ayurveda-Auszeit in einem Hotel an der Mosel gönne. Dort versuche er zu Ruhe zu kommen und zu schreiben. „Nach der letzten Bundestagswahl habe ich mich gefragt: Ist Politik wirklich was für mich?“, trug Linnemann vor und erzählte, dass er in Berlin „große Löcher in Bretter bohren wollte“, dann aber erkennen musste, „dass die Bretter nur bemalt werden, weil kein Mut da ist, um zu bohren“. Er fragte sich weiter, ob Deutschland überhaupt noch Kraft habe, echte Reformen durchzuführen oder ob die Bedenkenträger und Zauderer Oberwasser haben. „Die Politik geriet durch den Ukrainekrieg in den nächsten Krisenmodus. Aber bedeutet das, dass wir uns erneut in einem politischen Tunnel bewegen und versäumen, an Herausforderungen zu gehen, die wir schon seit Jahren vor uns herschieben?“, fragte Linnemann.

Er selbst sieht sich als Politiker mit Leidenschaft

Er wünsche sich Politiker mit Leidenschaft, die zu dem stehen, was sie sagen, und auch gegen Widerstände etwas umsetzen. „Denn Wohlstand ohne Anstrengung ist nicht möglich“, so Linnemann. Politiker sollten auch nur auf eine bestimmte Zeit gewählt werden. Zudem dürften nicht die Minderheiten die Politik dominieren, sondern der „normale“ Mensch sollte sicher leben können. Er forderte, dass Leistung honoriert werde. „Wir sollten manches einfach ausprobieren: Zum Beispiel wenn Rentner arbeiten wollen, warum können dann nicht 2000 Euro steuerfrei sein?“ Er fordert auch, den Bundestag zu verkleinern, einen globalen Emissionshandel oder eine Sozialstaatsbremse einzuführen oder gegenüber Kriminellen und Verfassungsfeinden keine Toleranz zu zeigen. Die CDU solle aus ihrer Komfortzone treten und mehr Streitkultur wagen.

Linnemann schätzt Silke Launert wegen ihrer Gradlinigkeit: „Ja, wir verstehen uns sehr gut. Ich wünsche mir auch mehr Politiker mit Mut, denn wir sollten uns nicht nur mit nichts beschäftigen“, entgegnet Launert im Gespräch und erzählt, dass sie versuche, Mehrheitsentscheidungen mitzutragen, wenn sie davon überzeugt sei.

„Die Kunst ist, Widerspruch zuzulassen, sachlich zu diskutieren und sich mit Respekt zu begegnen“, fasst Silke Launert zusammen.

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