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Endlagersuche
Wohin soll der Atommüll - etwa nach Forchheim?
Aktuell steht der radioaktive Müll in Zwischenlagern.Forchheim & Fränkische Schweiz
Aktuell steht der radioaktive Müll in Zwischenlagern. // Andreas Endermann/dpa
LKR Forchheim – Zwar läuft kein einziges Kernkraftwerk mehr, doch die alten Brennstäbe werden noch Jahrtausende radioaktiv strahlen. Wohin das Endlager kommen soll, wird wohl erst Ende des Jahrhunderts entschieden. Wäre Forchheim eine Option?

Die Atomkraftwerke sind abgeschaltet, das Thema scheint abgehakt. Noch lange nicht geklärt ist indes die Frage, wohin all der radioaktive Abfall aus den Kernkraftwerken soll. Der Forchheimer Kreistag beschäftigt sich am heutigen Donnerstag mal wieder mit der Endlagersuche.

Der Anlass dafür ist der nächste Beteiligungsschritt der Öffentlichkeit Mitte November in Halle an der Saale. An dem Fachforum kann jedermann teilnehmen.

Doch die Zeithorizonte der postnuklearen Entscheidungsfindung sind gigantisch. So informierte die Bundesgesellschaft für Endlagersuche kürzlich darüber, dass der ursprünglich anvisierte Termin im Jahr 2031 nicht zu halten sei. Erwartet werde eine endgültige Entscheidung für ein Endlager erst in den Jahren 2046 bis 2068. Im schlimmsten Fall sogar erst im Jahr 2079. All diejenigen, die irgendwann mal von der Atomkraft profitiert haben, werden dann längst tot sein.

Stellungnahme auf 54 Seiten

Immerhin will man es bis 2027 schaffen, die infrage kommenden Gebiete auf einige wenige mögliche Standorte einzugrenzen. Aktuell stehen noch 90 Regionen auf der Liste, die gut die Hälfte der Bundesrepublik abdecken. Dazu gehören auch weite Teile Oberfrankens, während in Oberbayern lediglich ein kleines Gebiet rund um Rosenheim aktuell infrage zu kommen scheint. Die Landräte der oberfränkischen Kreise haben sich daher zu einem Zweckbündnis zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Ein Endlager in Oberfranken zu verhindern.

Ihre wissenschaftlich detaillierte Stellungnahme über 54 Seiten soll auch der Kreistag jetzt zur Kenntnis nehmen. Die Botschaft des Papiers ist klar: „Oberfranken ist aufgrund seiner geologischen Eigenschaften als Standortregion für ein atomares Endlager auszuschließen.“ Dafür führen sie viele Argumente an.

Lager für eine Million Jahre

So sei an der Grenze zu Tschechien beispielsweise damit zu rechnen, dass hier irgendwann wieder Vulkane ausbrechen könnten. Vor gut 500.000 Jahren seien sie dort ja noch aktiv gewesen. Das mag jetzt klingen, als sei das lange her, doch wenn es um Atommüll geht, sind die Horizonte eben andere. Mindestens eine Million Jahre soll das Endlager halten – so die Zielvorgabe.

Da weiß man auch nicht, ob sich die Erde Oberfrankens nicht in dieser Zeit so weit heben könnte, dass das Endlager auch mehr als 1000 Meter unter der Erde nicht mehr wirklich sicher ist. Zwar geht die Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) davon aus, dass man eine entsprechend starke Hebung von einem Millimeter pro Jahr ausschließen kann, doch die Geologen im Auftrag der oberfränkischen Landkreise sind da skeptisch.

So entwässere Oberfranken doch erst seit etwas mehr als einer Million Jahre über den Rhein. Vorher lief das Wasser über die Donau ins Meer. Dabei zeige sich, „wie sich die tektonische Absenkung des Mainzer Beckens über mehrere 100.000 Jahre sukzessive nach Nordostbayern durchgearbeitet hat“. Daher könne man eine ähnliche „rückschreitende Erosion“ auch für die kommenden eine Million Jahre nicht ausschließen.

Warum Forchheim nicht infrage kommt

Während die Wissenschaftler bei anderen Regionen Oberfrankens weit in die Vergangenheit respektive in die Zukunft blicken müssen, reicht für den Landkreis Forchheim ein Blick in die Gegenwart. So geht die BGE davon aus, dass hier passendes Kristallingestein in der Tiefe zu finden ist. Gemeint ist damit Gestein, das in seiner Struktur aus kristallähnlichen Teilchen besteht – dazu zählt etwa Marmor, aber auch Granit.

Das Problem: Westlich einer Linie von Kronach nach Erbendorf konnte solches Gestein bislang gar nicht nachgewiesen werden. Dabei wurden schon zahlreiche Bohrungen gemacht. Doch auch in 1000 Metern Tiefe war da kein Kristallin zu finden. Die Region hätte daher erst gar nicht als Teilgebiet ausgewiesen werden dürfen.

Die Landkreise Oberfrankens sind mit dieser Kritik nicht allein. Unterstützung kommt vom Umweltverband BUND: Die BGE habe vor allem sogenannte Referenzdaten ausgewertet. Diese Daten stammten oft aus Lehrbüchern und nähmen ideale Werte an. „Dadurch wurden sehr viele große und vermeintlich gleichwertige Gebiete ausgewiesen“, heißt es beim BUND, „und sogar Gebiete benannt, in denen das passende Gestein gar nicht auftaucht.“ Wie Forchheim und die Fränkische Schweiz.

Jetzt wird darauf zu achten sein, dass die Region als mögliches Teilgebiet auch von der BGE endgültig ausgeschlossen wird.

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