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Sparkassen-Chef im Interview
Schwere Zeiten für Forchheims Häuslebauer
Illustration Sparen und HausbauForchheim & Fränkische Schweiz
Wer ein eigenes Haus bauen oder eine Wohnung kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. // Maximilian Arnold
Forchheim – Harald Reinsch ist seit über 20 Jahren im Vorstand der Sparkasse Forchheim, seit September ist er Vorstandsvorsitzender. Im Interview spricht er über Baufinanzierung, Zinsen, Nachhaltigkeit und die Zukunft der Sparkasse.

FT: Was muss ich verdienen, damit ich mir in Forchheim noch ein Haus oder eine Wohnung leisten kann?

Harald Reinsch: Wir sind in einer Gegend, in der die Immobilienpreise sehr hoch sind. Das ist in Wunsiedel, wo ich herkomme, ganz anders. Wenn Sie vergleichbar viel verdienen, können Sie sich dort wesentlich leichter eine Immobilie leisten als bei uns. Wir haben in Forchheim eine gut verdienende Klientel, durch Siemens & Co. Doch selbst da wird es manchmal ein bisschen eng. Ein Einfamilienhaus kriegen Sie auf keinen Fall mehr unter 650.000 Euro oder anders gesagt: unter 5000 Euro pro Quadratmeter.

Für so einen Kauf sind gewisse Eigenmittel nötig. Ideal sind 20 Prozent vom Gesamtpreis. Die Preise im Immobiliensektor sind stark gestiegen, auch durch die Baukosten bedingt. Gleichzeitig sind durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) die Zinsen schnell gestiegen. Obendrauf kommen zunehmende Lebenshaltungskosten.

Mit wie viel Zinsen muss man bei einer Finanzierung rechnen?

Momentan ab vier Prozent. Es kommt immer auf die Laufzeit an und wie viel Eigenmittel man hat. Die Tilgungshöhe spielt außerdem eine wichtige Rolle. Zum Vergleich: In der Niedrigzinsphase haben Sie für die Finanzierung ein Prozent gezahlt.

Das heißt, die gute Zeit zum Bauen und Kaufen ist vorbei?

Man spürt eine starke Verunsicherung. Die Immobilieninteressenten warten ab, wie sich die Zinsen und die Preise entwickeln. Man liest auch immer, dass die Immobilienpreise fallen. Das kann ich nicht bestätigen. Eine ältere Immobilie, vielleicht Baujahr 70er Jahre, wo in den letzten Jahren wenig investiert wurde, ist schwer zu verkaufen. Da sinken die Preise. Aber eine neue Wohnung, die wenige Jahre alt ist, da fallen die Preise nicht.

Harald Reinsch ist Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim. Im Gespräch gibt er einen Ausblick, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickeln könnten.Forchheim & Fränkische Schweiz
Harald Reinsch ist Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Forchheim. Im Gespräch gibt er einen Ausblick, wie sich die Zinsen in Zukunft entwickeln könnten. // Katharina Steinhäuser

Für Sparer sieht es dagegen wieder besser aus?

Gott sei Dank! Wir haben diese Negativzinspolitik immer bedauert. Letztendlich stehen Sparkassen für Sparen, das steckt schon im Namen. Das war eine bittere Zeit, sowohl für Anleger als auch für uns, denn wir konnten den Kunden nichts anbieten.

Wie viel Zinsen bekommt man aktuell?

Das ist unterschiedlich. Wir haben momentan eine inverse Zinsstruktur. Normal gilt, je länger die Laufzeit, desto höher der Zins. Im Moment ist es andersherum. Das einfachste Produkt, was wir haben, ist 3,25 Prozent für einen Sparkassenkapitalbrief. Aber ich würde immer empfehlen, ein Gespräch mit dem Berater zu suchen und vor allem regelmäßig zu sparen.

Außerdem sollte man das Geld auf verschiedene Anlageformen aufsplitten. Viele junge Kunden gehen zum Beispiel in Wertpapierfondanlagen. Das ist eine kluge Entscheidung, weil diese Form der Anlage über einen langen Zeitraum – und das bestätigen alle Statistiken – immer besser ist als eine einfache Kapitalanlage.

Was sollte man als Sparer auf jeden Fall vermeiden?

Hochriskante Geldanlagen. Irgendwelche Anlagen, wo ich die Bank nicht mal kenne oder wo mir exorbitant hohe Renditen versprochen werden. Das ist immer ein Warnsignal.

Gibt es auch Angebote, wenn ich als Kunde umweltbewusst handeln will?

Bei einem Fond-Sparplan ist vielen wichtig, dass das in Unternehmen investiert wird, denen die Thematik wichtig ist. Also, dass da nicht irgendeine Rüstungsfirma drin ist oder ein Tabakkonzern. Wir sind auch von der EU angehalten, Nachhaltigkeit zu unterstützen. Da gibt es zum Beispiel die ESG-Kriterien, also Environment, Social und Government.

Irgendwann wird es so sein, dass wir unsere Firmenkunden im Hinblick auf CO2-Ausstoß, Nachhaltigkeit, Lieferketten, usw. prüfen und bewerten. Danach richten sich dann die Konditionen. Aber das ist Zukunftsmusik. Was es jetzt schon gibt, das ist der Klimakredit. Den können Immobilienbesitzer relativ unkompliziert beantragen, wenn sie zum Beispiel ihr Haus dämmen oder eine Photovoltaikanlage installieren wollen.

Die Sparkasse selbst will bis 2035 CO2-neutral werden …

Wir waren in dem Bereich oft Vorreiter. Hier auf dem Haus hatten wir schon vor 2010 eine Photovoltaikanlage. Wir hatten auch die erste E-Ladesäule in Forchheim. Die stand am Anfang viele Jahre ungenutzt herum, da kein Kunde ein E-Auto hatte. Wir haben nach und nach unsere Fahrzeugflotte auf E-Mobilität oder mindestens hybrid umgerüstet. Es stehen aber noch viele Aufgaben an.

Wie muss ich mir die Sparkasse der Zukunft vorstellen? Gibt es noch Filialen und persönliche Beratung?

Der persönliche Kontakt zum Kunden ist das, was uns auszeichnet. Sicherlich haben wir einen Trend zur Sparkassen-App. Das forcieren wir auch, denn dass der Kunde wegen einer Überweisung in die Filiale kommt, das ist ja nicht die Zukunft. Aber wenn es um komplexe Themen geht, wie Baufinanzierung oder Geldanlage, ist eine Beratung sinnvoll. Wir haben uns klar dazu bekannt, dass wir ein Filialnetz haben wollen. Das Einzige, wo wir auf den veränderten Kundenbedarf reagiert haben, ist, dass wir die Servicezeiten reduziert haben.

Die aktuellen Filialen bleiben also bestehen?

Die Nähe zum Kunden ist uns wichtig, daher sind erstmal keine Schließungen geplant. Ich kann aber nicht sagen, was in fünf oder zehn Jahren ist.

Das heißt, die rund 350 Mitarbeiter der Sparkasse Forchheim bleiben auch vorerst erhalten?

Auf jeden Fall. Eher im Gegenteil, auch wir spüren den Fachkräftemangel. Wir versuchen momentan, Quereinsteiger aus anderen Branchen zu gewinnen. Es ist ein harter Wettbewerb um Mitarbeiter, bei dem wir mit unseren Stärken punkten wollen.

Werfen wir abschließend einen Blick in die Glaskugel: Wie entwickeln sich die Zinsen?

Ich kann mir vorstellen, dass die Zinsen wieder zurückgehen. Aktuell sinkt die Inflationsrate. Wenn das ein nachhaltiger Trend ist, wird die EZB sicherlich die Zinsen wieder senken. Wann das kommen wird und in welchem Maß, ist schwer zu sagen.

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