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Nach Anwohnerbeschwerden
Geflüchtetenheim Behringersmühle: Jetzt spricht der Investor
Das Geflüchtetenheim in Behringersmühle gehört einem Investor aus Berlin.Forchheim & Fränkische Schweiz
Das Geflüchtetenheim in Behringersmühle gehört einem Investor aus Berlin. // Barbara Herbst/Archiv
Behringersmühle – In Behringersmühle sind die Sorgen groß. Die gut 150 Einwohner haben keine Ahnung, wie sie 250 Geflüchtete integrieren sollen. Jetzt äußert sich der Investor, dem das ehemalige BRK-Heim gehört.

In Behringersmühle leben rund 150 Einwohner. Außerdem wohnen dort knapp 300 Geflüchtete und Gastarbeiter. Bei einer Bürgerversammlung Anfang November hatten die Bewohner ihre Sorgen und ihren Unmut kundgetan. Sie klagten unter anderem über Müllberge, Ruhestörungen und ein generelles Gefühl der Unsicherheit im eigenen Ort (der FT berichtete).

Jetzt meldet sich zum ersten Mal der Eigentümer des ehemaligen BRK-Heims zu Wort. Axel Pötsch kann nur bedingt verstehen, warum die Situation gerade jetzt für Aufruhr sorgt. Die meisten Geflüchteten seien bereits seit rund eineinhalb Jahren in der Unterkunft untergebracht.

Die Residenz Behringersmühle liege am Ortsrand. Mit den direkten Nachbarn gebe es keine Probleme. Auch der angebliche sexuelle Übergriff habe keine Bewohner der Einrichtung betroffen. Pötsch stört, dass in der Diskussion oft die Bewohner des Geflüchtetenheims mit Bewohnern zweier anderer „Problemhäuser“ vermischt würden.

Pötsch: Geflüchtete sind gut für die Region

Aus Sicht des in Berlin lebenden Investors sind die Menschen aus der Ukraine eine Bereicherung für den Ort. Unter den Geflüchteten seien viele Familien mit Kindern, viele würden Deutsch lernen. „Eigentlich ist es eine Hoffnung für die Region“, sagt Pötsch. Auch wenn es Ausnahmen gebe, wolle die Mehrheit einfach arbeiten und ihre Kinder großziehen. „Uns geht es als Deutschen extrem gut und wir sind nur am Meckern“, sagt Pötsch.

Der Kauf des ehemaligen BRK-Heims habe sich durch Zufall ergeben, erzählt der Investor, der mit seiner Lebenspartnerin Elke Schädlich zusammenarbeitet. Sie hätten von dem Leerstand erfahren und ein Hotel in dem Gebäude eröffnen wollen. Dann kam der Ukrainekrieg. Im Fernsehen habe er gesehen, wie Leute in Turnhallen untergebracht wurden. Daraufhin habe er dem Landkreis Forchheim das Gebäude als Unterkunft angeboten.

Was sich mit Geflüchteten verdienen lässt

Wie lukrativ die Unterbringung von Geflüchteten ist, dazu will sich Pötsch nicht genauer äußern. Er räumt allerdings ein, dass er es nicht machen würde, wenn es sich finanziell nicht lohnen würde. Die Betreiber von Geflüchtetenunterkünften erhalten in der Regel eine Tagespauschale pro Person.

Laut einer Nachfrage bei der Regierung von Oberfranken von 2022 liegt diese Pauschale im „niedrigen zweistelligen“ Bereich. Laut Angaben aus anderen Landkreisen und der Aussage einer ehrenamtlichen Flüchtlingshelferin liegt der Betrag vermutlich bei um die 20 Euro. Bei rund 250 Bewohnern in Behringersmühle wäre das im Monat ein Betrag von ungefähr 150.000 Euro.

Dem in Berlin ansässigen Pötsch gehört neben dem Heim in Behringersmühle das Hotel „Rose“ in Gößweinstein. Auch dort sind aktuell Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht. „Wir sind nicht voll belegt“, sagt der Investor. Das Hotel werde renoviert und soll in Zukunft auch wieder Feriengäste empfangen. Die „Rose“ habe er als Kind bei Besuchen in der Fränkischen Schweiz schon toll gefunden. „Wenn wir was sehen und es wollen, dann machen wir das“, sagt der Investor über sich und seine Partnerin.

Weitere Immobilien in der Fränkischen Schweiz

Angefangen habe es in der Fränkischen Schweiz mit dem Hotel Feiler in Muggendorf. Das hat Pötsch nach der Schließung gekauft und bietet seit 2019 Übernachtung und Frühstück an. In einer Pension in Wichsenstein, die Pötsch gehört, wohnen aktuell Menschen aus der Ukraine. Eine Pension in Waischenfeld lässt er gerade herrichten.

Für das Renovieren seiner Immobilien beschäftigt er laut eigenen Angaben 15 Handwerker in der Region, die Mehrheit davon Ukrainer. Dabei handele es sich um unbefristete Vollzeitstellen über Mindestlohn, betont Pötsch. Nur einige Geflüchtete seien auf Minijob-Basis angestellt, da sie erst ihren Deutschkurs beenden müssten.

Investor Pötsch gibt sich als Macher

In Behringersmühle habe er als Reaktion auf die Beschwerden zwei Ukrainer als eine Art „Ordnungsdienst“ beauftragt. Diese Mitarbeiter würden seit vergangener Woche täglich durch den Ort gehen und sich um etwaigen Müll und Verschmutzungen kümmern. „Probleme haben gelöst zu werden“, sagt Pötsch. Deshalb habe er kurzen Prozess gemacht und auch den Müll vor den beiden „Problemhäusern“ im Ort wegbringen lassen. Für mehr gelbe Container für sein Geflüchtetenheim habe er vom Bürgermeister eine Zusage erhalten.

Manchmal würden vermeintliche Probleme auch durch fehlende Kommunikation entstehen, findet Pötsch. Ein Beispiel seien die Kirchenglocken. Die hätten nicht mehr geläutet, als das BRK-Heim damals geschlossen worden war. Als er die Einrichtung übernommen habe, habe er dafür gesorgt, dass die Glocken morgens und abends wieder läuten. Als die Glocken aufhörten, gab es die Vermutung, das liege daran, dass auch in der ehemaligen Kapelle Geflüchtete untergebracht seien. Laut Pötsch war aber nur die Anlage defekt.

In Zukunft wolle er mehr für den Ort machen und mehr mit den Bürgern in Kontakt treten. Es habe schon mal einen „Tag der offenen Tür“ in der Geflüchteteneinrichtung gegeben. Solche Aktionen wolle man verstärken.

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