0
Kein Geld von der Regierung
Kolpinghaus: Gefährdet die Förderabsage das ganze Projekt?
Sorgenkind in Forchheims Sanierungsliste: das Kolpinghaus. Nun gibt es die nächste Hiobsbotschaft.
Sorgenkind auf Forchheims Sanierungsliste: das Kolpinghaus. Nun gibt es die nächste Hiobsbotschaft. // Stephan Großmann
Forchheim – Schlechte Nachrichten von der Regierung von Oberfranken: Die Stadt Forchheim bekommt für die Sanierung des großen Kolpingsaales keine Städtebauförderung. Was das für das Gesamtprojekt bedeutet und wie es nun weitergeht.

Lyrik, Epik, Dramatik, so heißen die drei literarischen Hauptgattungen. Würde ein Text über die Sanierungsgeschichte des Kolpinghauses verfasst werden, wählten die Verfasser letztere Form. Drama Kolpinghaus, nächster Akt, Vorhang auf.

Die Diskussion um die Sanierung des Kolpinghauses geht schon lange.
Die Diskussion um die Sanierung des Kolpinghauses geht schon lange. // Stephan Großmann

Mail aus Bayreuth schafft Sorgenfalten in Forchheim

Während Forchheims Kulturschaffende nach wie vor auf den großen Wurf warten, um das Kulturraumvakuum in der Stadt zu füllen, wartet die nächste Hiobsbotschaft schon am Kolpingsplatz 1 auf sie. Und zwar in Form einer E-Mail, gesendet von der Regierung von Oberfranken (ROF) an die Stadtverwaltung Forchheim. In der Mail, die unserer Redaktion vorliegt, heißt es, dass es für den geplanten großen Saal im Kolpinghaus wohl keine städtebaulichen Fördermittel seitens der Bayreuther Behörde geben wird.

Wie sich aus den Worten der Leiterin des Stadtplanungsamtes Corinna Stirnweiß im Planungsausschuss am Dienstagnachmittag herausdeuten lässt, sieht die Stadtverwaltung darin aber nur bedingt einen Nachteil. Denn die gute Nachricht laute, dass die ROF in dem „aktuell vorliegenden Nutzungskonzept eine Förderfähigkeit für die städtische Musikschule“ sehe und den kleinen Kolpingsaal als zur Musikschule gehörend anerkenne. „Eine Förderung für diese Bereiche über die Städtebauförderung kann in Aussicht gestellt werden“, schreibt die ROF. Grünes Licht also für den Umzug der städtischen Musikschule in die altehrwürdigen Mauern.

Keine Städtebauförderung für Kolpingsaal in Forchheim

Anders sieht es beim 432 Quadratmeter großen Kolpingsaal aus. Dem geplanten Herzstück des gewollten Kulturzentrums. Bis zu 540 Sitzplätze schweben den Stadtplanern dort vor, auf denen Besucherinnen und Besucher beliebte Events wie das ZirkArt-Festival, Konzerte in Orchestergröße, Chöre sowie „künftig auch große Musik-Ensembles, die bisher nur eingeschränkt oder gar nicht in der Stadt auftreten konnten“, genießen können sollen. Kernsaniert werden sollte der Saal, zudem hübsch hergerichtet, zusätzlich ein Foyer angebaut. Macht nun die Regierung von Oberfranken einen Strich durch die Rechnung?

Wird es im großen Kolpingsaal einst wieder große Veranstaltungen geben können (wie hier die 11. Prunksitzung der Närrischen Siedler im Jahr 2017)?Fasching in Forchheim im Rückblick
Wird es im großen Kolpingsaal einst wieder große Veranstaltungen geben können (wie hier die 11. Prunksitzung der Närrischen Siedler im Jahr 2017)? // Anja Kudlek

Das für Städtebau zuständige Referat 34 aus Bayreuth schreibt: „Einen Saal solcher Größe zusätzlich dem Gemeinbedarf zuzuordnen, erscheint uns vor dem Hintergrund der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht plausibel. Auch die Größe des Foyer-Neubaus scheint die städtebauliche Notwendigkeit zu übersteigen. Für diese Teile der Maßnahme empfehlen wir, andere Fördergeber anzufragen.“ Forchheims Verwaltung scheint nicht sonderlich überrascht zu sein ob der Absage, schließlich habe sich die „Regierung stets kritisch gegenüber der Fachstelle zur Förderfähigkeit geäußert“, wie es Stirnweiß formuliert.

Stadt Forchheim will neue mögliche Fördergeber finden

So folgt das Amt dem Vorschlag der ROF, andere Fördergeber anzufragen. Heißt: Zunächst folgen Vorgespräche mit potenziellen Fördergebern, für die allerdings konkrete Planungen erforderlich sind. Die wiederum würden parallel erstellt. Der Plan lautet, den Kolpinghaus-Marathon fürderhin in zwei Bauphasen zu gliedern. Bauphase 1: Sanierung des Bestands, verbunden mit der Absicht, die „große Version als kommunales Kulturzentrum immer noch zu realisieren“. Phase 2: der Anbau des Foyers und zusätzliche Schmankerl.

Aktuell gibt es allerdings weder konkrete Aussagen darüber, wie ein aktueller Zeitplan aussehen könnte (bislang war die Rede davon, frühestens 2029 fertig zu sein), noch wie viel das Gesamtprojekt insgesamt kosten wird (Ende 2022 standen bereits bis zu 30 Millionen Euro im Raum). Nicht nur deshalb sahen sich die Stadträtinnen und Stadträte am Dienstag – wieder einmal – genötigt, ausführlich über die Causa Kolpinghaus zu diskutieren.

Lange Diskussion: Stadtrat nimmt sich Kolpinghaus zur Brust

Immerhin, Einigkeit herrscht in dem Wunsch, den aus dem Erbpachtvertrag rührenden Pflichten schnellstmöglich nachzukommen und das Gebäude zu sanieren. Wie Teile des Hauses selbst bröckelt allmählich der Wunsch mancher, unbedingt „den großen Wurf“ schaffen zu müssen, wie es CSU-Mann Holger Lenhard formuliert. Was seine Fraktion als „Kolpinghaus 2.0“ tituliert, meint im Grunde, im Zweifel lieber eine kleinere Lösung zu akzeptieren, die aber bitte schnell. Pragmatismus statt Ästhetik, Realisierbarkeit statt Prestige.

Lesen Sie hier eine Chronik der Kolpinghaus-Geschichte:

Manfred Hümmer (Freie Wähler): „Eine Totgeburt"

Nicht so einfach überzeugen lassen will sich Freie Wähler-Fraktionschef Manfred Hümmer. Er arbeitet sich erneut am „Konstruktionsfehler Erbpachtvertrag“ ab und nennt das Kolpinghaus im Gespräch mit unserer Redaktion „aus Kostengründen eine Totgeburt“. Er fordert, ähnliche wie Sebastian Körber von der FDP, endlich eine verlässliche Kostenprognose ein, von welcher er Zustimmung oder Ablehnung für weitere Beschlüsse abhängig machen wolle. „Ich bin wenig euphorisch, was neue Fördergeber angeht und glaube, dass eine enorme Summe für die Stadt Forchheim übrig bleiben wird“, sagt Hümmer. Auch deshalb appelliert er daran, den fraktionsübergreifenden Vorschlag zum Bau einer neuen Stadthalle parallel weiter voranzutreiben.  

OB Kirschstein: „Gute Basis, um Kulturzentrum doch noch zu realisieren"

Letztlich meldet sich auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein zu Wort, der wie seine SPD nicht als großer Verfechter des Kolpinghaus-Projekts gilt. Dennoch mahnt er Besonnenheit an, könne man doch die frühe Absage der Regierung von Oberfranken als positives Signal lesen. Normalerweise komme die erst dann zum Zug, wenn andere potenzielle Fördergeber bereits abgesagt hätten. Der Topf der Städtebauförderung als Endstation Hoffnung sozusagen. „Hier haben sie vorab gesagt, dass der Saal nicht förderfähig ist. Das ist eine gute Basis, um das Kulturzentrum doch noch zu realisieren.“

Laut klassischer Dramentheorie nähern wir uns nun dem Ende des vierten Aktes, das verzögernde Moment hat größtmögliche Spannung erzeugt. Darauf folgt der Schlussakt – wahlweise das glückliche Ende oder die Katastrophe.

+++ Dieser Text wurde im Laufe des Tages durch aktuelle Stimmen und Eindrücke aus der Sitzung des Planungsausschusses ergänzt. +++

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!