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VR-Bank Deal
Millionengeschäft mit offenen Fragen
VR-Bank Chef Joachim Hausner und OB Uwe Kirschstein haben das Geschäft besiegelt.
VR-Bank Chef Joachim Hausner und OB Uwe Kirschstein haben das Geschäft besiegelt. // Andreas Kraft
Forchheim – Die Verträge sind gemacht, an dem Geschäft ist nicht mehr zu rütteln. Doch allem Anschein nach hat der Stadtrat den Kauf des VR-Bank-Gebäudes in nicht-öffentlichen Sitzungen politisch gegen Stimmen aus der Verwaltung durchgesetzt.

Mit nicht-öffentlichen Sitzungen ist das so eine Sache. Die Wähler erfahren daraus immer nur, was der ein oder andere hinter vorgehaltener Hand dann doch verrät. Wirklich beurteilen können die Bürger diese Beschlüsse daher nicht. Deshalb wäre eigentlich gerade in nicht-öffentlichen Sitzungen höchste Vorsicht geboten.

Doch als der Stadtrat hinter verschlossenen Türen tagte, um den Kauf der VR-Bank zu beschließen, hat die Politik anscheinend die Bedenken der Verwaltung beiseite gewischt.  Denn im Rathaus selbst, so berichteten es mehrere Quellen, die aber anonym bleiben wollen, sind die Verwaltungsexperten von dem Geschäft wenig begeistert.

So viel ist sicher: Allein die SPD-Fraktion hat gegen den Kauf gestimmt. Inzwischen hat sie auch öffentlich erklärt, warum. Das Geld brauche die Stadt an anderer Stelle dringender. Es gebe so viele Vorhaben, für die keine Mittel da seien, sagt Fraktionsvorsitzender Reiner Büttner.

SPD kritisiert den Deal jetzt auch öffentlich

„Bei den Haushaltsberatungen in diesem Jahr hat sich gezeigt, dass nicht alles gleichzeitig realisiert werden kann“, so Büttner. Dies sei gerade im Bauunterhalt spürbar. „Das Waisenhaus, das Kolpinghaus oder das alte LuLi-Kino müssen grundständig saniert werden. Viele Schulen wie zum Beispiel die Martinschule oder das Schulhaus in Burk warten auf eine Renovierung.“ Die Stadt komme da nicht mehr hinterher. „Da Finanzmittel fehlen“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende, „können aktuell manche Projekte wie zum Beispiel Bau der Kindergärten in Reuth oder Burk zwar geplant werden, aber erst nach 2027 errichtet werden.“

So sieht es heute aus, wenn man das Gebäude der VR-Bank betritt.
So sieht es heute aus, wenn man das Gebäude der VR-Bank betritt. // Andreas Kraft

Für ihn stellt sich daher die Frage, ob es sinnvoll war, die VR-Bank zu kaufen. Schließlich werde das Gebäude die Probleme der Stadtverwaltung nicht lösen. Aktuell sind die verschiedenen Ämter über 17 Standorte verteilt. Die Wege sind lang. Zufällige, persönliche Begegnungen, bei denen im Büroalltag zwischen verschiedenen Abteilungen schnell viel geklärt werden kann, eigentlich unmöglich. 

Das bestätigte auch Oberbürgermeister Uwe Kirschstein (SPD) beim Pressegespräch zum Kauf des VR-Bank-Gebäudes. Die Platzprobleme löst der Kauf nicht. Dafür sei das Gebäude viel zu klein. Laut einem aktuellen Gutachten braucht die Stadtverwaltung gut 10.000 Quadratmeter Bürofläche, um alle Ämter zusammenzuführen. Das sind schließlich rund 650 Beschäftigte. Zum Vergleich: Die VR-Bank Bamberg-Forchheim hat zwischen Nürnberg und Zapfendorf gut 450 Beschäftigte und baut in Forchheim jetzt eine neue Zentrale, um endlich gut 200 Beschäftigte an einem Standort unterbringen zu können.

Dass die SPD jetzt ihre Bedenken vorträgt, findet Kirschstein legitim. Er selbst findet die abschließend mit der VR-Bank erzielte Einigung aber tragfähig für die Stadt Forchheim und trägt den Beschluss des Stadtrates zum Kauf auch mit, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion versichert. Letztlich sei es aber natürlich eine politische Entscheidung.

Doch was hat die Stadt eigentlich für das VR-Bank-Gebäude bezahlt?

Doch was hat die Stadt wohl für das Gebäude gezahlt? Verkäufer und Käufer schweigen dazu, Immobilienexperten tun sich da mit einer Antwort schwer. Den Wert des Hauses in der Hauptstraße 39 schätzen sie aber auf zwei bis vier Millionen Euro. Da ist zum einen das Grundstück mit fast 1000 Quadratmetern. Der Bodenrichtwert liegt aktuell in der Forchheimer City bei 980 Euro. Allein der Grund ist also gut eine Million Euro wert. Dem Rest kann man sich über den sogenannten Ertragswert nähern. Dabei kalkuliert man die möglichen Mieteinnahmen. Bei geschätzt 2200 Quadratmetern Bürofläche und einer Miete von elf Euro pro Quadratmeter kommt man da auf gut 25.000 Euro Mieteinnahmen im Monat. Hochgerechnet spuckt ein spezielles Modell da einen Wert von drei bis fünf Millionen Euro raus.

Doch das ist der Wert des Gebäudes. Das sagt nur wenig über den Preis, den die Stadt am Ende auch bezahlt hat. Doch der ist, wie alle Stadtratssitzungen zum Thema auch, geheim. Verraten darf da keiner etwas und alle halten sich entsprechend bedeckt.

Stadtrat Thomas Werner (CSU) versichert aber, dass der Preis für beide Seiten fair sei. „Wir haben extra einen externen Gutachter hinzugezogen“, sagt der CSU-Ortsvorsitzende. „Der hat das Gebäude bewertet und auf dieser Basis haben wir uns dann mit der VR-Bank geeinigt.“ Unter dem Strich sei der Deal ein gutes Geschäft, außer der SPD seien ja auch alle dafür gewesen, betont Werner. Die Stadtverwaltung könne jetzt angemietete Räume verlassen und in das eigene Haus umziehen. „Zudem haben wir jetzt ein Verwaltungsgebäude mitten in der Stadt. Das kann ein Besuchermagnet sei.“

Der Stadtratsmehrheit geht es mit dem Geschäft allem Anschein nach auch weniger darum, Lösungen für die Verwaltung zu schaffen, als vielmehr die Probleme der Forchheimer City zu bekämpfen. Ein Amtsgeschäft könne künftig auch ein Grund sein, die Innenstadt aufzusuchen. Die Hoffnung dahinter: So mancher Forchheimer werde dann sicher noch ein wenig durch die Fußgängerzone bummeln, eine Kleinigkeit einkaufen, ein Eis essen oder einen Kaffee trinken.

Ähnlich sieht das auch Philipp Blümlein, der für die Jungen Bürger im Stadtrat sitzt. „Wir können jetzt selbst entscheiden, was mit dem Gebäude mitten in der Fußgängerzone passiert“, sagt der Stadtrat. „Im schlimmsten Fall hätte das ja auch ein Investor kaufen und in Wohnungen umwandeln können.“ Er und seine Fraktion stünden daher ganz klar hinter dem Kauf. „Das ist eine sehr gute Entscheidung.“

Entscheidend dürfte sein, was aus dem Gebäude wird

Doch für Büros hat das Gebäude ein großes Problem: Es gibt viel innenliegende Flächen ohne direktes Tageslicht. Nach den gültigen Arbeitsstättenrichtlinien eignen sie sich schlicht nicht für feste Arbeitsplätze. Die Bank nutzt nahezu das gesamte Erdgeschoss für die Kundenberatung. Die Bankmitarbeiter kommen daher nur zu einzelnen Gesprächen in die Räume und wechseln sich dabei auch ab. Experten halten das Geschäft deshalb für fragwürdig. Die Verwaltung könne mit den Räumen nur wenig anfangen. Die Entscheidung sei allein nach politischen Kriterien gefallen.

Für die politische Bewertung der Entscheidung wird also entscheidend sein, ob es gelingt, das Haus wirklich zum Besuchermagneten für die City zu machen. Ein richtiges Konzept gibt es dafür noch nicht. Bislang ist nur sicher, dass das Stadtarchiv dort einziehen wird. Im klimatisierten Keller sollen dann die wertvollen Schriftstücke lagern. Eine Idee ist auch, das Citymanagement künftig dort anzusiedeln. Für die weitere Nutzung der etwa 100 Arbeitsplätze sind jetzt Ideen aus dem Stadtrat gefragt.

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