Update 6. Januar
Schulamt ordnet Distanzunterricht an
Aufgrund der geplanten Kolonnenfahrt ab Dormitz in Richtung Forchheim werden erhebliche Einschränkungen im Verkehr erwartet. Darauf weist die Gemeinde Dormitz in einem Insta-Post hin. Dies habe ebenfalls Auswirkungen auf die Nebenstraßen und den Pendlerverkehr.
Achtung: Nachdem die Schülerbeförderung ebenfalls eingeschränkt ist, hat das Staatliche Schulamt für die betroffenen Schulstandorte – darunter auch Dormitz-Hetzles-Kleinsendelbach – Distanzunterricht angeordnet.
Gasthof und Bauernladen bleiben am Montag geschlossen
Und die geplanten Protestaktionen der Landwirte und Speditionen ziehen weiter Kreise nach sich. Des weiteren zeigt das Landhotel-Gasthof Stern in Gößweinstein Solidarität mit den Demonstrierenden. In einem Post auf Facebook heißt es: „Auch uns betrifft es. Um ein Zeichen zu setzen, haben wir am 08.01.24 aus Solidarität zu den Bauern geschlossen. Denn ohne Bauern gibt es keine Butter, Milch, Fleisch uvm.“
Auch Singers Bauernladen in Hausen hat sich dazu entschlossen, seinen Hofladen am kommenden Montag aus Solidarität nicht zu öffnen. „Auch wir unterstützen am Montag unsere heimischen Berufskollegen und haben deshalb unseren Hofladen geschlossen“, schreibt Familie Singer auf Instagram.
Sparkasse rechnet mit Auswirkungen auf Dienstbetrieb
Auch die Sparkasse wendet sich am Freitag Nachmittag vorab an ihre Kunden.
Sie geht in einem Post davon aus, dass die Protestaktionen „erhebliche Auswirkungen auf den Straßenverkehr in der Stadt Forchheim und auf die Einpendelstrecken aus dem Landkreis Forchheim und aus dem Umland nach sich ziehen werden“.
Diese Aktionen würden gegebenenfalls auch Auswirkungen auf den Dienstbetrieb der Sparkasse haben, heißt es auf deren Facebook-Seite. „Wir treffen sämtliche Vorkehrungen, dass die Filialen geöffnet sind“, schreibt die Sparkasse in ihrem Post.
Die Sparkasse Forchheim bittet deshalb ihre Kunden darum, vor einem persönlichen Besuch in den Filialen telefonisch oder per E-Mail Kontakt aufzunehmen.
Solidarität zeigen auch die Freien Wähler in Dormitz „mit unseren Bauern, Handwerkern, Spediteuren und Gastronomen“, so heißt es in einem Beitrag auf ihrer Instagram-Seite. „Auch in Dormitz wird es in den frühen Morgenstunden zu massiven Verkehrsbehinderungen kommen. Bitte habt Verständnis – viele kämpfen um ihre Existenz:“
Update 5. Januar
Blockaden an der B470
Auch die Stadt Ebermannstadt weist auf Einschränkungen am Montag hin: "An acht Knotenpunkten entlang der B470 werden Kreuzungsbereiche in der Zeit von 6 bis 20 Uhr durch die Bauern blockiert sein. Für den Rettungsdienst und den Schulbusverkehr wird die Durchfahrt zu jeder Zeit sichergestellt sein. Im Stadtgebiet Ebermannstadt betrifft es die Kreuzungen nach Rüssenbach und Gasseldorf. Bei beiden Kreuzungen gibt es die Möglichkeit, auf die Umleitung auszuweichen, um auf die B470 zu gelangen."
Einschränkungen bei der Stadt
Die Stadt Forchheim kündigte am Freitag an, dass wegen der Proteste am Montag der Dienstbetrieb eingeschränkt sei. Wegen der geplanten Aktionen der Landwirte und Speditionen sei mit deutlichen Störungen des Straßenverkehrs in und um Forchheim zu rechnen. "Es wird deshalb gebeten, in jedem Fall vor einem persönlichen Besuch in den Ämtern und Dienststellen der Stadt Forchheim mit der zuständigen Sachbearbeitung in der Verwaltung Kontakt (telefonisch oder online) aufzunehmen", heißt es in der Pressemitteilung.
Update 4. Januar
Im Zusammenhang mit den für Montag angekündigten Demonstrationen warnt das Landratsamt Forchheim vor Einschränkungen im Straßenverkehr, ÖPNV und bei der Schülerbeförderung: Ein Demonstrationszug mit circa 250 Fahrzeugen sei von der Initiative #ESREICHT angemeldet worden. Dieser verlaufe auf folgender Route: „Hasensteinsäule“ - Dormitz - Neunkirchen am Brand – Effeltrich – Kersbach – Forchheim – Hausener Kreisel – Wimmelbach – Hausen – Pilatushof.
Der Start ist voraussichtlich um 6.30 Uhr geplant, Ankunft am Pilatushof ist gegen 12 Uhr. "Der Demonstrationszug wird als Kolonne mit geringer Geschwindigkeit fahren und kann nicht überholt werden. Eine Querung des Demonstrationszugs durch andere Fahrzeuge wird voraussichtlich nicht möglich sein", schreibt das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Daher sei an der Route mit deutlichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
Blockaden an der B470 angekündigt
Zusätzlich habe die Organisation LSV (Landwirtschaft verbindet) Bayern für Montag von 6 bis 20 Uhr mehrere Blockaden entlang der B470 sowohl westlich als auch östlich von Forchheim angemeldet. Durch die Initiative werden entlang der B470 voraussichtlich mehrere Ortszufahrten versperrt. Über Umwege bleiben laut Landratsamt aber alle Orte erreichbar. Die B470 selbst werde für den Durchfahrtsverkehr nicht blockiert.
In Gosberg sei angekünfigt, dass die St2236 in Richtung Dobenreuth in beide Richtungen blockiert werde.
Einschränkungen beim Busverkehr und bei der Schülerbeförderung
Wegen der Demonstration und der Blockaden müsse am Montag mit Verspätungen und Ausfällen im Busverkehr und auch bei der Schülerbeförderung gerechnet werden.
Hintergrund: Proteste weiten sich aus - Stand 3. Januar
Was kommt da bloß auf uns zu? In den sozialen Medien häufen sich die Gerüchte, was am 8. Januar alles passieren wird. Von einem deutschlandweiten Generalstreik ist da die Rede. Immer wieder mischen auch rechte Gruppen in den Diskussionen mit.
Fakt ist: Die Gewerkschaft der Lokführer hat sich in einer Urabstimmung für unbefristete Streiks ausgesprochen. Starten könnten die am 8. Januar. Auf der Schiene könnte schon mal alles stillstehen. Aber wie sieht es auf den Straßen aus?
Im Dezember stand zumindest in Bamberg schon mal der Verkehr still
Bereits am 18. Dezember hat der Bauernverband Bamberg-Forchheim in Bamberg bei einer Demonstration die halbe Stadt lahmgelegt. Viele standen da im Feierabendverkehr im Stau. „Sollten diese Pläne durchgesetzt werden, war alles bisher bloß ein Spiel“, sagte Kreisobmann Hermann Greif am Tag darauf unserer Redaktion. „Dann werden wir ab 8. Januar für unsere Betriebe kämpfen.“ Greif ist auch Bezirkspräsident in Oberfranken für den Bayerischen Bauernverband. Zu viel versprochen hat er nicht.
So sind am kommenden Montag gleich mehrere Protestzüge im Landkreis Forchheim geplant. In zahlreichen WhatsApp-Gruppen wird seit Tagen mobilisiert. Die Aufrufe kennt auch Eva Endres, die Vorsitzende des Rings junger Landwirte. „Bei den Beschlüssen der Bundesregierung fehlen mir die Worte“, sagt die Landwirtin. Sie selbst hat einen Vollerwerbsbetrieb im Forchheimer Ortsteil Serlbach. Mit Kühen, Legehennen und einer Biogasanlage. „Doch das macht keinen Spaß mehr“, sagt sie. Zu groß seien die Belastungen, die auf die Landwirte zukämen. An den Protesten werde sie sich daher auf alle Fälle beteiligen.
„Aber das betrifft ja nicht nur uns“, sagt die Bäuerin. „Das betrifft jeden: die Gastronomie, die Speditionen, die Handwerker.“
Der Landwirt Andreas Kupfer aus Oesdorf stimmt der Kollegin zu. „Der Weltmarkt diktiert uns ja die Preise“, sagt der Getreidebauer. „Die können wir nicht einfach erhöhen.“ Er selbst macht daher auch Holz und Heu. Demnächst will er einen Pferdestall für artgerechte Haltung eröffnen. „Das ist ein Beruf, den macht man aus Leidenschaft, aber am Ende muss man auch davon leben können.“ Doch das werde immer schwieriger.
Viele Landwirte würden daher darüber nachdenken, ihre Höfe aufzugeben. „Ich kenne konkret zwei Betriebe, die jetzt schließen werden“, sagt er. „Und viele, die sagen, dass sie es jetzt noch mal ein Jahr versuchen und dann weitersehen.“ Es ist ein Kampf um die Existenz.
Kupfer engagiert sich daher auch bei der Organisation der Proteste. Aktuell sei man im Gespräch mit der Polizei und dem Ordnungsamt. Geplant sei es, mit mehreren Traktoren von Oesdorf Richtung Forchheim zu fahren. Zudem werde man auch im Vorfeld an verschiedenen Punkten Mahnfeuer entzünden, so etwa am Donnerstagabend in Adelsdorf an der Bundesstraße B 470. Da wolle man auch die Bevölkerung über die Belastungen für die Landwirte informieren.
Angeblich reden Bürgermeister Walz und Landtagsabgeordneter Hofmann bei Abschlusskundgebung in Hausen
Doch das ist nicht die einzige Demonstration. Auch von Dormitz aus werden sich 250 Fahrzeuge, neben Traktoren auch Lkw und Pkw, auf den Weg Richtung Forchheim machen. In Neunkirchen am Brand wollen sie eine Schleife drehen, der Kalchreuther Bäcker spendiert hier Backwaren für ein Frühstück. Dann geht es weiter nach Forchheim, dort soll eine Runde durch die ganze Stadt gedreht werden, bis es zum Pilatushof nach Hausen geht. Dort ist dann die Abschlusskundgebung. Als Redner hätte bereits aus Neunkirchen Bürgermeister Martin Walz (CSU) zugesagt, ebenso der Landtagsabgeordnete Michael Hofmann (CSU). Eine Bestätigung konnte die Redaktion von beiden am Mittwochnachmittag nicht bekommen.
Angemeldet hat diese Demonstration Andreas Lorenz aus Neunkirchen am Brand. Er selbst ist kein Landwirt, arbeitet aber bei einem großen Landmaschinenhersteller. Auch sein Bruder wird mitmachen. Der betreibt ein Recycling-Unternehmen. „Es beteiligen sich nicht nur Landwirte“, sagt Lorenz. Es seien auch Spediteure und Bauunternehmer dabei.
Veranstalter distanzieren sich klar von rechts
Für die Teilnehmer hat er einen Verhaltenskodex erstellt. Darin ist auch ganz klar die Distanzierung zu rechtem und extremem Gedankengut formuliert. Wer extreme Parolen verbreite, werde ausgeschlossen. Verboten seien auch Banner in Fraktur-Schrift.
„Wir sind keine Zerstörer“, sagt Lorenz. „Wir sind Demokraten. Das wird alles angemeldet und wir halten uns an die Auflagen.“
Die Autobahn plane man nicht zu blockieren, heißt es. „Ich habe zwar von solchen Gerüchten gehört“, sagt Lorenz. „Aber wenn jemand so etwas macht, dann hat der nichts mit uns zu tun.“ Den Rückhalt in der Bevölkerung wolle man sich nicht verspielen.
Und in der Tat: Das Ordnungsamt am Landratsamt Forchheim bestätigt die konstruktiven Gespräche. Die Anmelder haben offenbar einen guten Eindruck hinterlassen.
Bayerischer Bauernverband plant Kundgebung in Bamberg
Und dann gibt es da noch den Bayerischen Bauernverband. Der plant natürlich auch etwas. Nämlich eine Großdemo in Bamberg: Dort rechnen die Veranstalter mit mehr als 1000 Teilnehmern. Die Kundegebung ist um 11 Uhr an der Brose-Arena. Hauptredner wird Bezirkspräsident Greif sein, aber auch der Bundestagsabgeordnete Andreas Schwarz (SPD) hat sein Kommen wohl schon zugesagt.
Am Mittwochmittag versuchte der Bauernverband die Details mit dem Bamberger Ordnungsamt und der Polizei vor Ort zu klären. Das Ergebnis: Einen rollenden Demonstrationszug wird es nicht geben. Stattdessen kommen die Bauern mit ihren Schleppern in Zehner-Gruppen nach Bamberg. Bamberg wird sich also auf Stau einstellen müssen. Greif appelliert daher auch an alle Autofahrer, entsprechend Zeit einzuplanen.
Zudem werden auch Forchheimer Bauern in Bamberg dabei sein. Und die Traktoren müssen da ja auch irgendwie hinkommen. So ist auch auf der Route von Forchheim nach Bamberg mit Behinderungen zu rechnen. Die Autobahnen werde man aber nicht blockieren, verspricht Greif. „Wir werden uns an alle Auflagen halten und uns auf dem Weg auch an die Straßenverkehrsordnung halten.“ Denn eins ist dem Landwirt ganz besonders wichtig: Er will nicht die Solidarität der Bürger verlieren.
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