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Porträts zur Kommunalwahl 2026
Darum will Tino Reichardt (FDP) Forchheims neuer OB werden
Tino Reichardt (FDP) kandidiert für das Amt des Forchheimer Oberbürgermeisters. Wie der 47-Jährige das schaffen will, zeigt der aktuelle Teil unserer Porträtreihe „Kandidaten an ihren Schreibtischen“.
Tino Reichardt (FDP) kandidiert für das Amt des Forchheimer Oberbürgermeisters. Wie der 47-Jährige das schaffen will, zeigt der aktuelle Teil unserer Porträtreihe „Kandidaten an ihren Schreibtischen“. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Tino Reichardt will Forchheims neuer Oberbürgermeisters werden: Was den 47-Jährigen antreibt, wie der „Ultraliberale“ die Königsstadt voranbringen will und wofür sein Herz neben der FDP schlägt.

Der frisch abgeschliffene Boden glänzt wieder in der hellen Januarsonne. So wie der Rest des renovierten Büros in der Nähe des Kronengartens in Forchheim. Nach etlichen Jahren sei ein neuer Anstrich nötig gewesen, sagt Tino Reichardt. „Aus Alt mach Neu“ – was für den Arbeitsplatz des 47-jährigen FDP-Politikers gilt, will er gleichzeitig auf die Forchheimer Stadtpolitik übertragen. Denn Reichardt kandidiert für das Amt des Oberbürgermeisters.

FDP-Mann Tino Reichardt fordert Forchheims Oberbürgermeister heraus

Dass er Amtsinhaber Uwe Kirschstein von der SPD herausfordern wird, war schnell klar. Bereits im April 2025 verkündete Reichardts Stadt-FDP, ihn ins Rennen schicken zu wollen. Sein Slogan damals wie heute: „Forchheim braucht keinen Verwalter, sondern einen Gestalter“. Seit 2020 ist der 47-jährige Forchheimer Mitglied des Stadtrats und habe seither viele Themen begleiten dürfen, einige sollen und manche müssen.

Papa dreier Kinder und Porsche-Fan

„Klar haben ich und meine Kolleginnen und Kollegen von der Stadtratsliste viele Ideen, wie wir diese Stadt wieder auf Vordermann bringen wollen“, sagt Reichardt an diesem sonnigen, aber kalten Januartag in seinem Büro. Manche Wände sind wegen er Renovierung noch kahl, aber die Bilder seiner drei Kinder, seiner langjährigen Lebensgefährtin und seines Labradror standen als erstes wieder an ihrem Platz. Und seine vielen Bücher über Unternehmenserfolge und erfolgreiche Unternehmer. 

Tino Reichardt fühlt sich wohl in seinem Büro, das liegt auch an seinen zahlreichen Sammelstücken. Noch  lieber würde er nur ins Oberbürgermeisterzimmer wechseln.
Tino Reichardt fühlt sich wohl in seinem Büro, das liegt auch an seinen zahlreichen Sammelstücken. Noch lieber würde er nur ins Oberbürgermeisterzimmer wechseln. // Foto: Stephan Großmann

Auf einem langen Schrank samt Vitrine finden sich zahlreiche Erinnerungsstücke aus Reichardts leben, „Anker, wie er sie nennt. Da ist der überdimensionale Lego-Porsche, den sein Sohn einst gebaut hatte. Da ist die Unterschrift Tim Mälzers auf einer Serviette, ein von den Club-Spielern unterschriebener Fußball und noch viel mehr.

Eins der Hauptthemen: Forchheims marode Finanzen

Reichardt ist seit diesem Jahr Vertriebsvorstand der Valuniq AG, einer Firma für Finanzvermittlung und Unternehmensberatung. Passend zum Thema brennt ihm das aktuell drängendste Forchheimer Thema unter den Nägeln: die maroden Stadtfinanzen.

Besser ohne Stadt: Königsbad und Klinikum

„Als erstes müssen wir die Ausgabenpolitik ändern“, sagt Reichardt und meint vor allem die aus seiner Sicht ausgeuferten Personalkosten. Durch effizientere Prozesse und Künstliche Intelligenz ließe sich die Verwaltung verschlanken und digitalisieren zugleich, so Reichardt.

Forchheim müsse sich auf seine tatsächlichen Pflichtaufgaben konzentrieren, um in die seiner Ansicht nach wichtigen Dinge wie Bildung, Infrastruktur und Digitalisierung zu investieren. Freiwillige Leistungen gehörten demnach mindestens auf den Prüfstand.

Genauso wie die städtischen Verpflichtungen für Klinikum und Königsbad. Ersteres gehöre in alleinige Hände des Landkreises, das Bad unter die Trägerschaft der Stadtwerke. „Beide Institutionen würden nach einem Ausstieg der Stadt nicht wegbrechen“, so Reichardt. „Ganz im Gegenteil vielleicht.“

Die Erhöhung der Gewerbesteuern will Tino Reichardt verhindern.
Die Erhöhung der Gewerbesteuern will Tino Reichardt verhindern. // Foto: Stephan Großmann

Reichardt: „Erhöhung Gewerbesteuer ist der falsche Weg“

Auf der anderen Seite kommen Erhöhungen etwa der Gewerbesteuer für den in Forchheims Unternehmerwelt gut vernetzten Reichardt nicht infrage. „Wir müssen stattdessen schauen, dass wir den Firmen Anreize bieten, um zu kommen. Und zu bleiben“, sagt er. Und meint damit unter anderem, dass die Stadt ausreichend Flächen vorhalten und aktiv Netzwerke aufbauen müsse.

Fotograf, Kaufmann, Student, Politiker

Politik spielt schon früh eine Rolle in Reichardts Leben. Sei es während seiner Zeit als Fotografie-Azubi und während seiner Kaufmannslehre. „Früher war ich eher von grünen und sozialdemokratischen Positionen angetan“, erzählt Reichardt. Doch während seines anschließenden Wirtschaftsinformatik-Studium bildet sich seine „ultraliberale Überzeugung“ (wie er sie selbst nennt) aus.

Seit 2020 Stadtrat, seit 2015 Ortsvorsitzender seiner Partei

Als dann 2013 die FDP aus dem Bundestag fliegt, und mit ihr der Forchheimer Abgeordnete Sebastian Körber, fühlt sich Reichardt in die Partei berufen. „Zur Unterstützung.“ Prompt lässt er sich ein Jahr später für die Stadtratsliste setzen, zieht aber nicht ein. Seit 2015 steht er dem Forchheimer FDP-Ortsverband vor und schafft 2020 den Sprung ins Forchheimer Stadtparlament.

Nun möchte er gar dessen Vorsitzender werden, als Oberbürgermeister. „Forchheim kann mehr. Und ich bin bereit, es anzupacken“, sagt er. Große Baustellen liegen seiner Meinung nach in der „verpfuschten Leerstandspolitik in der Innenstadt“ und der Misere um die „ebenfalls verpfuschte“ Sanierung des Kolpinghauses zu einem „dringend benötigten Kulturzentrum“.

Tino Reichardt: „Natürlich trete ich an, um zu gewinnen“
Tino Reichardt: „Natürlich trete ich an, um zu gewinnen“ // Foto: Stephan Großmann

Reichardt optimistisch: „Will die Wahl gewinnen“

Ob er sich trotz des anhaltenden Umfragetiefs seiner FDP Chancen für den Wahlsieg ausrechne? „Natürlich trete ich an, um zu gewinnen“, sagt er. Und lächelt. Mindestens aber wollen er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter aber ihre beiden Stadtratsmandate verteidigen – und bestenfalls noch aufstocken.

Zur Person: Tino Reichardt (FDP)

Alter: 47 Jahre (geboren 1978)

Beruf: Vertriebsvorstand Valuniq AG (Finanzberatung, Unternehmensberatung)

Politisches Amt: seit 2020 Mitglied des Forchheimer Stadtrats, seit 2015 Ortsvorsitzender der FDP

Wohnort: Forchheim-Burk

Partei: FDP (seit 2013)

Hobbys: lesen, kochen, Gassigehen mit Labrador Carlos

Familie: Partnerin, drei Kinder

 

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