Idyllisch schmiegen sich liebevoll gestaltete Gärten an bis zu acht Meter und fünfzig Zentimeter hohe Lärmschutzwände. Jene künstlichen Wälle, welche die Autobahn A73 von Forchheims Innenstadt trennen. Irgendwo zwitschern Vögel, ein Rasen wird gemäht. Genau lokalisieren lassen sich diese Tonquellen beim Spaziergang durch die Regnitzstraße nicht, zu laut dominiert ein ganz anderer, dort leider alltäglicher Geräuschebrei.
„Vrrrrrrrmmmmm. Nnnnnuuung. Brrrrrrruuummmm.“
Manchmal lauter, manchmal leiser, je nach Wind, je nach Motorisierung und Geschwindigkeitsrausch. Über den Nutzen der Lärmschutzwände gehen die Meinungen auseinander, auch der „lärmmindernde Straßenbelag“ überzeugt nicht alle Anwohner. Für sie muss es nicht gleich ein begrünter Autobahndeckel sein, wie es etwa Nürnberg und Erlangen aktuell in der Vision haben. Ihnen würde schon eine dauerhafte Geschwindigkeitsbeschränkung auf maximal 120 Kilometer pro Stunde reichen.
Momentaufnahme: Autolärm auf der Forchheimer Adenauerbrücke über der A73
Lärm – und vor allem Verkehrslärm – ist ein großes Problem für viele Menschen. Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) unterscheidet man zwischen Wirkungen auf das Gehör und auf den Gesamtorganismus. Zwar ist Lärmempfindlichkeit sehr subjektiv, aber laut LfU würden Menschen der Lärmforschung zufolge bereits ab 25 bis 30 Dezibel (dB A) die Erholsamkeit des Schlafes als gestört empfinden. Bei Pegeln ab 40 bis 45 dB(A) können sich die Schlafstadien ändern, bei Werten unter 60 dB(A) spricht man von Belästigungen und erheblichen Belästigungen. Ab einer Dauerbelastung von 60 bis 65 dB(A) spricht die Lärmwirkungsforschung von einer gesundheitlichen Beeinträchtigung.
„Vrrrrrrrmmmmm. Nnnnnuuung. Brrrrrrruuummmm.“
Aber wo genau ist es aus laut? Wo stört es am meisten und wen? Und – viel wichtiger – was ließe sich dagegen tun? Um genau das herauszufinden, arbeitet der Freistaat Bayern aktuell an einem sogenannten Lärmaktionsplan. Seit Anfang Mai ist der Entwurf dieses Plans öffentlich ausgelegt und die Bürger sind dazu aufgerufen, sich zu den ersten Erkenntnissen zu äußern. Grundlage für diesen Entwurf sind die Daten aus der ersten Phase, in der alle, die sich durch Lärm von Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ballungsräumen und von Bundesautobahnen in Ballungsräumen gestört fühlten, per Fragebogen zu Lärmproblemen äußern konnten.
Insgesamt haben sich 588 bayerische Gemeinden und 8194 Bürgerinnen und Bürger beteiligt, die Regierung von Oberfranken hat die Daten in einer zentralen Datenbank gesammelt und ausgewertet. Auch aus dem Landkreis Forchheim haben sich lärmgeplagte Anwohner zu Wort gemeldet.
Den Angaben zufolge seien beispielsweise allein mehr als 3300 Menschen Lärmpegeln von 60 Dezibel und mehr ausgesetzt; acht Menschen gaben gar an, 75 Dezibel oder mehr verkraften zu müssen. Zur Erklärung: Der Wert wird als Lden ausgedrückt, einem gewichteten Mittelwert über den Tag (12 Stunden), den Abend (4 Stunden) und die Nacht (8 Stunden), der den Grad für die allgemeine Belästigung darstellt.
„Vrrrrrrrmmmmm. Nnnnnuuung. Brrrrrrruuummmm.“
Laut ist es in der Königsstadt aber nicht nur entlang der Autobahn, allen voran die Anwohner der B470 in Richtung Fränkische Schweiz ächzen mitunter unter dem Verkehrslärm. Als ebenfalls verhältnismäßig laut empfinden es auch viele aus Dormitz, Kleinsendelbach, Neunkirchen am Brand.
Und aus Eggolsheim. Dort kämpfen vor allem die Anwohner des Ortsteils Unterstürmig seit Jahren um Lärmschutz. „Wenn der Wind aus Westen weht, haben wir schon bis zu 60 Dezibel gemessen“, sagt Gemeinderat Josef Arneth. Auf einer Länge von 1,4 Kilometern sollten eigentlich schon längst Erdwälle aufgeschüttet worden sein, direkt angrenzend an die bereits planfestgestellten Lärmschutzwände entlang des Hauptortes. Für beides gilt bislang: Fehlanzeige.
Laut Eggolsheims Bürgermeister Claus Schwarzmann wird das auch noch eine Weile so bleiben. Die Wände stecken nach wie vor in der Planungsphase fest, die Erdwälle vor Unterstürmig können frühestens dann kommen, wenn der Autobahn GmbH alle dafür notwendigen Flächen entlang der Schnellstraße gehören.
„Vrrrrrrrmmmmm. Nnnnnuuung. Brrrrrrruuummmm.“
Umgehungsstraße Dormitz - Realisierung weit entfernt
Klaus Treczka von der „Interessensgemeinschaft L(i)ebenswertes Dormitz“, die sich seit Jahren für eine Verbesserung der Verkehrs- und Lärmsituation einsetzt, will sich den Entwurf des Lärmaktionsplans genau ansehen. Verbunden mit der Hoffnung, dass sich vor allem das Leben entlang der Hauptstraße allmählich verbessert. Etwa durch die seit Jahren im Raum stehende Ortsumgehung.
Zwar wird die „Verlegung der Staatsstraße 2240 in Dormitz“, wie die Ortsumgehung im Planungsdeutsch bezeichnet wird, im bayerischen Straßenausbauplan nach wie vor als „dringlicher Überhang“ gelistet, was bedeutet, das Projekt sei „weit fortgeschritten“. Doch passiert ist seit Jahren nichts.
„Vrrrrrrrmmmmm. Nnnnnuuung. Brrrrrrruuummmm.“
Lärmaktionsplan: Bürgerbeteiligung geht in zweite Runde
Das soll sich ändern. Eventuell in Eggolsheim, eventuell in Dormitz. Aber perspektivisch für ganz Bayern, so will es die Staatsregierung für ihre 20.500 Kilometer Bundes- und Staatsstraßen zumindest mit ihrem Lärmaktionsplan erreichen.
Hierbei wird grundsätzlich zwischen Lärmvorsorge und Lärmsanierung unterschieden. Bei der Vorsorge soll gleich bei der Ausweisung von Baugebieten sowie Straßenneubauten Lärmvermeidung mitgedacht werden. Lärmsanierung soll bestehenden Lärm mindern. Dies wäre beispielsweise durch den Bau von Schutzwänden sowie dem Auftragen von sogenanntem Flüsterasphalt denkbar. Aber auch Tempolimits oder die Verlagerung des motorisierten Verkehrs können Alternativen sein.
Noch steht der finale Lärmaktionsplan nicht fest. Noch bis zum 13. Juni haben Bürger und Gemeinden Zeit, sich zum Entwurf zu äußern. Hierfür müssen Teilnehmende bis spätestens den Online-Fragebogen ausfüllen. Alternativ kann dieser postalisch angefordert werden bei der Regierung von Oberfranken, Sachgebiet 50, Postfach 11 01 65, 95420 Bayreuth.
Die Ergebnisse werden zusammen mit dem finalen Lärmaktionsplan bis 18. Juli auf www.umgebungslaerm.bayern.de veröffentlicht.
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