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Kreisausschuss hat entschieden
Forchheims Wohnungslosenhilfe: Präventivstelle vor dem Aus
Die Tür zur Hoffnung will Louisa Kindermann von der der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit (Awo Forchheim) so oft wie möglich öffnen. Doch nun steht das Hilfsangebot vor dem Aus; aus finanziellen Gründen.
Die Tür zur Hoffnung will Louisa Kindermann von der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit (Awo Forchheim) so oft wie möglich öffnen. Doch nun steht das Hilfsangebot vor dem Aus; aus finanziellen Gründen. // Foto: Stephan Großmann
Forchheim – Wenn das eigene Zuhause bedroht ist, will die Fachstelle der Forchheimer Awo helfen. Während die Fallzahlen steigen, steht das Hilfsangebot vor dem Aus. Was schiefläuft und ob es noch Hoffnung gibt.

Update vom 18. Dezember, 18.24 Uhr

Kreisausschuss Forchheim stimmt endgültig gegen Finanzierung

Eine große Mehrheit der Kreisrätinnen und Kreisräte spricht sich auch am Donnerstagnachmittag (18. Dezember) im Kreisausschuss dagegen aus, die Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Forchheim zu finanzieren. Mit zehn zu drei Stimmen bestätigt das Gremium (gegen SPD und Grüne) den Vorschlag der Verwaltung, von einer finanziellen Beteiligung abzusehen.

Dietmar Schuberth von der Awo reagiert enttäuscht, bekräftigt aber seine Aussage, nicht aufgeben zu wollen. Eine konkrete Lösung steht aber noch nicht in Sicht.


Lesen Sie hier den ursprünglichen Artikel mit allen Hintergründen vom 17. Dezember, 18.02 Uhr

Hilfe für Forchheims Wohnungslose: Präventivstelle droht Aus

Die Angst wohnt immer mit bei der jungen Familie aus Forchheim. Sie haben zwei Kinder, wohnen seit Längerem in einer eigentlich zu kleinen Wohnung. Das Familieneinkommen besteht aus Jobcenter-Leistungen, daher können und wollen sie nicht wählerisch sein. Doch nun wurde ihnen der Mietvertrag gekündigt. Seit Monaten versucht die Familie eine Ersatzwohnung zu finden. Bislang vergeblich. Daher wählte die Familie Louisa Kindermanns Nummer.

Awo Forchheim: Fachstelle leistet wertvolle Arbeit

Kindermann blickt ernst auf, wenn sie davon erzählt. Die Sozialpädagogin von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) kümmert sich um Fälle wie diese. Zahlreiche Fälle wie diese. „Mithilfe unserer gezielten Beratung und der Zusammenarbeit mit anderen Stellen können wir dabei helfen, das bestehende Mietverhältnis zu erhalten“, erklärt sie. Oder im Notfall eine passende Wohnalternative finden und somit eine Einweisung in eine Obdachlosenunterkunft vermeiden.

Wer im Landkreis Forchheim möglicherweise bald obdachlos werden könnte oder Gefahr läuft, seine Wohnung zu verlieren, kann sich an die studierte Sozialpädagogin Louisa Kindermann wenden. Genauer an die Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit. Dort werden Betroffene beraten und bekommen fachlich zielgerichtete Unterstützung. Zumindest noch.

Fehlende Finanzierung: Präventiv-Stelle droht das baldige Aus

Wenn es hart auf hart kommt, ist damit am 31. Januar 2026 Schluss. Die Fachstelle wurde 2024 als Modellprojekt ins Leben gerufen, befristet für zwei Jahre übernahm das Bayerische Sozialministerium die Finanzierung über Fördergelder. Nun laufen diese fristgerecht aus. Das Problem: Es gibt keine Anschlussfinanzierung für das Projekt.

Der Forchheimer Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat daher beim Landratsamt Forchheim eine Weiterfinanzierung des Projekts beantragt. Kostenpunkt: etwa 58.000 Euro im Jahr. Dies sei nötig, um die sich mittlerweile etablierte Fachstelle aufrechterhalten zu können. Schließlich habe man laut Awo erfolgreich eine Lücke geschlossen, weil es im Landkreise keine vergleichbaren Beratungsangebote gäbe.

Wohnungslosigkeit im Landkreis Forchheim: Fallzahlen steigen

Dass der Bedarf hoch ist, stellt keiner im Landkreis Forchheim infrage. So folgt die Region dem bayernweiten Anstieg wohnungsloser Personen. Waren es zum Stichtag 31. Januar 2022 noch 120 wohnungslose Menschen, die im Landkreis Forchheim untergebracht werden mussten, sind es den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Ende Januar 2025 zufolge genau doppelt so viele. Tendenz, so Expertin Kindermann: weiter steigend.

Probleme beginnen weit vor tatsächlicher Obdachlosigkeit

Doch die Zahl 240 listet nur jene auf, die tatsächlich von Behörden untergebracht werden mussten. Deren Probleme aber beginnen oft schon viel früher; und treffen nicht mehr nur besonders gefährdete Gruppen wie Alleinerziehende oder Ältere. Sondern auch Menschen aus der Mittelschicht. Viele kämen vorübergehend bei Freunden oder Familie unter. Und doch zieht der Verlust einer offiziellen Meldeadresse viele andere Probleme nach sich. Leistungskürzungen etwa, Ende der Krankenversicherung et cetera.  

Hinzu komme, so Kindermann, dass man schnell in eine solche Lage kommen könne. Jobverlust, Krankheit, Trennung, plötzliche Mietkündigung: „Gründe, wohnungslos zu werden, gibt es viele“, sagt Kindermann. Vor allem in Forchheim ist der Wohnungsmarkt angespannt, die Probleme könnten also steigen. Und damit der Bedarf an präventiver Hilfe.

Und die könne durchaus wirken. Insgesamt hatte es bislang (Stand Ende Oktober) 153 Fälle gegeben, 258 Menschen waren betroffen. Darunter 77 Kinder. Zwar würden sich laut Kindermann viele Betroffene erst spät melden. Aber die Zahl derer, die sie in Notunterkünfte vermitteln musste, sei relativ gering. In Dutzenden Fällen konnte die Awo-Fachstelle das abwenden.

Louisa Kindermann von der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit der Arbeiterwohlfahrt Forchheim (Awo)
Louisa Kindermann von der Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit der Arbeiterwohlfahrt Forchheim (Awo) // Foto: Stephan Großmann

Kreisausschuss des Landkreises Forchheim: Entscheidung steht an

Gleichzeitig zeichnet sich ein Ende der präventiven Beratungsstelle der Awo ab. Kindermann und ihr Awo-Fachbereichsleiter Dietmar Schuberth blicken daher gespannt auf Donnerstag (18. Dezember), wenn der Kreisausschuss ihren Antrag auf Finanzierung abschließend behandelt. Nach ersten Diskussionen im vorberatenden Sozialausschuss am Dienstag (16. Dezember) ist allerdings nicht davon auszugehen.

So folgte eine deutliche Mehrheit im Ausschuss (lediglich gegen die Stimmen zweier Grünen- und einer SPD-Kreisrätin) dem Vorschlag der Landkreisverwaltung, den Awo-Antrag abzulehnen. Zwar sei man sich einig, so die Ausschussmitglieder und Frithjof Dier, der den Geschäftsbereich Kommunale und soziale Aufgaben am Landratsamt leitet, dass die Awo mit ihrer Fachstelle „unstrittig“ dazu beitragen könne, Wohnungslosigkeit zu verhindern. Und „grundsätzlich wünschenswert“ sei.

Landratsamt sieht Präventionsstelle nicht als seine Pflichtaufgabe

Landratsamt sieht Finanzierung der Fachstelle nicht als Pflichtaufgabe.
Landratsamt sieht Finanzierung der Fachstelle nicht als Pflichtaufgabe. // Foto: Stephan Großmann

Aber dennoch wolle man sich als Landkreisverwaltung den Schuh einer dauerhaften Finanzierung nicht anziehen. Begründung: Erstens sei der Kreis-Haushalt mehr als angespannt und man müsse „eben sparen lernen“, wie es Kreis-Kämmerer Johannes Kreß ausdrückt. Zuallererst bei den freiwilligen Leistungen. Seiner Interpretation des Sozialgesetzbuches zufolge gehöre die Fachstelle nicht zu den Pflichtaufgaben des Kreises und lande damit auf der potenziellen Streichliste.

Experten widersprechen Auffassung des Landratsamtes

Dem widerspricht nicht nur die Awo. Willi Kronberger koordiniert die Wohnungslosenhilfe in Nordbayern und hat unter anderem das Forchheimer Modellprojekt eng begleitet. Die Kommunen müssten sich laut Kronberger um das sogenannte Sicherheits- und Ordnungsrecht kümmern. Also etwa darum, tatsächlich Obdachlosen eine Unterkunft zu stellen. „Aber wohnungslose Menschen haben auch Anspruch darauf, beraten und unterstützt zu werden“, sagt er. Darum kümmern müsse sich laut Paragraf 67 des Sozialgesetzbuches das Landratsamt.

„Klar muss ein Landkreis keine externe Fachstelle beauftragen“, sagt er. Aber wie sinnvoll es sei, einen für diesen enormen Umfang an Leistungen vergleichsweise günstigen Anbieter abzulehnen, und seine eigenen Verwaltungsmitarbeitenden einzuspannen, hält Kronberger zumindest für fragwürdig.

Awo Forchheim: „Fachstelle birgt enorme Einsparpotenziale“

Louisa Kindermann von der Awo-Fachstelle sieht das genauso. Sie hatte enorme Einsparpotenziale errechnet, wenn ihre Arbeit fortgesetzt würde. Einmal für die Kommunen, weil jede Notunterbringung ein Vielfaches mehr koste als der Versuch, das zu vermeiden. Und auch für die Kreisbehörde, weil etwaige Folgekosten (Eingliederungshilfe, SGB-Leistungen) wegfielen. Ihr Fazit: Nicht nur würden Gemeinden und Kreis durch diese Investition Geld sparen, auch weil sie darüber hinaus aktiv daran arbeite, Obdachlosigkeit wieder zu beenden. „Die Fortführung ist essenziell, um dieses dringend benötigte Angebot aufrechtzuerhalten.“

Awo gibt sich kämpferisch: „Werden nicht aufgeben“

Dietmar Schuberth, Fachbereichsleitung Straffälligen - und Wohnungsnothilfe der Arbeiterwohlfahrt Forchheim (Awo)
Dietmar Schuberth, Fachbereichsleitung Straffälligen - und Wohnungsnothilfe der Arbeiterwohlfahrt Forchheim (Awo) // Foto: Stephan Großmann

Sollte der Kreisausschuss der Beschlussempfehlung folgen und den Geldhahn zulassen, steht die Fachstelle vor dem Aus. Dietmar Schuberth von der Awo: „Dann hätten wir zum 1. Februar 2026 null Euro zur Verfügung“. Er gibt sich jedoch kämpferisch. „Wir werden die Fachstelle nicht einfach aufgeben“, sagt er. Und einen (wenn auch nur kleinen) Hoffnungsschimmer gibt es sogar: So hatten sich bei einer eigens einberufenen Besprechung der Landkreisbürgermeisterinnen und -bürgermeister einige grundsätzlich bereit erklärt, über gemeindliche Finanzierungsmodelle nachdenken zu wollen.

Hätte. Könnte. Vielleicht. Worte, die weder Schuberth und Kindermann von der Awo noch betroffenen Menschen wie der Forchheimer Familie mit der gekündigten Wohnung vom Anfang des Textes aktuell weiterhelfen. „Derzeit sind elf Fälle offen, sieben weitere stehen auf der Warteliste“, sagt Louisa Kindermann. Und schaut wieder ernst. „Denen wird wohl erst einmal keiner helfen können, wenn es uns nicht mehr gibt.“

Alle wichtigen Infos zur Fachstelle zur Verhinderung von Wohnungslosigkeit

Wer im Landkreis Forchheim wohnt und Gefahr läuft, die Wohnung zu verlieren, kann sich kostenfrei und freiwillig an die Beratungsstelle wenden.

Dienstags (12 bis 16 Uhr), mittwochs (10 bis 14 Uhr) und donnerstags (10 bis 14 Uhr) ist Louisa Kindermann im Beratungsbüro in der Hornschuchallee 22 in Forchheim anzutreffen, zudem ist sie per Mail an praevention.wohnungsnot@awo-forchheim.de oder telefonisch unter 09191/3405949 oder 0176/455 584 06 zu erreichen. Termine gibt es nach Vereinbarung.

Unterstützung bekommt,

  • wem ein Wohnungsverlust droht (zum Beispiel Kündigung, Zwangsräumung).
  •  wer seine Miete nicht (mehr) bezahlen kann.
  • bei wem Landratsamt oder Jobcenter die Miete nicht mehr übernimmt.
  • wer Mietschulden oder Schufa-Einträge hat.
  • wer klärende Gespräche mit Vermietern, Wohnungsbaugenossenschaften, Ämtern und Energieunternehmen führen muss.
  • wer persönliche und soziale Angelegenheiten klären muss, die das Mietverhältnis belasten.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter awo-forchheim.de.

 

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