Am 6. Februar 2024 ist „Safer Internet Day". Immer am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats machen sich viele Menschen weltweit dafür stark, die Sicherheit im Internet zu verbessern. Besonders Kinder und Jugendliche sollen im selbstbestimmten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien unterstützt werden.
Jedes vierte Kind beziehungsweise Jugendlicher ist bereits von einem Erwachsenen im Internet zu einer Verabredung aufgefordert worden. Dies zeigt eine repräsentative Befragung der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Jahr 2022. Tendenz: steigend.
Was Eltern wissen müssen.
1. Was ist Cybergrooming?
Machen sich Erwachsene im Internet an Minderjährige heran, nennt man das Cybergrooming.
Dies geschieht hauptsächlich über Plattformen wie Instagram, WhatsApp, Snapchat, aber auch Online-Spiele wie Fifa22 und Minecraft. Täter fordern beispielsweise Nacktfotos ein oder wollen sich sogar im realen Leben treffen.
Cybergrooming gilt als Form des sexuellen Missbrauchs und ist somit strafbar. Alleine der Versuch, sich online an Kinder unter 14 Jahren heranzumachen, kann Täter bis zu fünf Jahre ins Gefängnis bringen.
2. Wie erkennt man Cybergrooming?
Warnsignale können sein, wenn das Kind in private Chats gelockt wird, anzügliche Bemerkungen fallen und das Thema auf sexuelle Erfahrungen gelenkt wird. Auch wenn ungefragt Nacktaufnahmen zugesendet werden, kein Nein akzeptiert wird, dem Kind ein schlechtes Gewissen eingeredet und nach realen Treffen gefragt wird, kann darauf hindeuten.
Für Kinder und Jugendliche ist folgende Faustregel hilfreich: „Welche Fragen würdest du deinem Chatpartner stellen?“
Das Problem ist häufig, dass Cybergroomer in der Regel harmlos starten und sich das Vertrauen ihrer Opfer erschleichen. Das kann sogar bis zu Monaten oder Jahren dauern.
3. Was können Eltern tun?
„Eltern sollten sich früh in die Medienerziehung einmischen“, sagt Benedikt Martin. Der Bamberger arbeitet als Medien-Coach bei „2Wort“, gibt unter anderem Seminare für Eltern und Lehrkräfte.
Sie sollten mit den Kindern im Gespräch bleiben, sich für die Online-Welt interessieren. Dazu gehöre es auch, feste Regeln einzuführen; an die sich dann alle Familienmitglieder halten müssen (etwa: kein Handy am Esstisch).
„Wichtig ist es, den Kindern zu vermitteln, dass eigene Grenzen respektiert werden. Das überträgt sich auf ihr Verhalten im Internet.“ Auch das sei so früh wie möglich wichtig, weil Eltern ab einem gewissen Alter (meist ab der Pubertät) nicht mehr unbedingt die wichtigsten Ansprechpartner seien).
4. Was sollen die Jugendlichen beachten?
Wichtig sei es, sich vorab Gedanken zu machen, an wen man sich im Tatfall wenden kann. Um es bestmöglich zu vermeiden, helfe es beispielsweise, die Datenschutzeinstellungen der Plattform zu kennen und richtig einzustellen.
Zudem ist es sicherer, das Profil auf „privat“ einzustellen, die Nachrichtenfunktion für Unbekannte einzuschränken und auffällige Nutzer zu melden oder zu blockieren. Außerdem schlagen Experten vor, das eigene Profil genau unter die Lupe zu nehmen. Welche Infos sind zu persönlich, über welche Infos könnten Fremde Rückschlüsse über Alter und Aufenthaltsort treffen?
5. Und wenn bereits etwas passiert ist?
Martin rät dazu, ruhig zu bleiben und so schnell wie möglich das Gespräch mit dem Kind zu suchen. „Wichtig: Vermitteln Sie dem Kind, dass es nichts falsch gemacht hat! Es ist selbst zum Opfer geworden.“
Alle Beweise für den begangenen Online-Missbrauch sollte man schnellstmöglich sichern (Screenshots von Chatnachrichten und Profilen der mutmaßlichen Täter zum Beispiel), das hilft der Polizei bei den späteren Ermittlungen.
Benedikt Martin: „Auf jeden Fall sollte man die Tat zur Anzeige bringen.“
6. Hier finden Betroffene Rat und Unterstützung
Hilfe können sich Betroffene und deren Angehörige über zahlreiche Beratungsstellen holen.
Etwa bei der „Nummer gegen Kummer“ (kostenlos telefonisch erreichbar für Kinder und Jugendliche unter der Nummer 116 111, für Eltern unter 0800/1110550) sowie zum Beispiel beim „Hilfeportal sexueller Missbrauch“ im Netz und dem „Hilfetelefon sexueller Missbrauch" unter 0800/2255530.
Zudem gibt es unter anderem die bundesweite Online-Beratungsplattform Juuuport. Ehrenamtlich aktive Jugendliche und junge Erwachsene, die Juuuport-Scouts, helfen Gleichaltrigen vertraulich bei Online-Problemen wie Cybermobbing, Mediensucht, sexueller Belästigung, Abzocke und Datenklau. Die Beratung ist kostenlos.
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