Seit Beginn des Ukrainekriegs und den Diskussionen um das Gebäude-Energie-Gesetz (GEG) führt an der Wärmepumpe kaum noch ein Weg vorbei. Sie ist ein Schritt hin zu mehr Klimaschutz und weg von der Abhängigkeit von Öl und Gas. Laut Gesetz muss ab 2024 „jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden“. Bestehende Heizungen müssen vorerst nicht getauscht werden.
Der große Wärmepumpen-Boom ist in der Region bisher allerdings nicht zu beobachten. Im Vergleich zu 2022 sei die Nachfrage sogar zurückgegangen, erklärt Steffen Oppel, stellvertretender Obermeister der Klempner-, Installateur- und Heizungsbauer-Innung Forchheim (SHK). Das lange Hin und Her um das GEG habe die Leute verunsichert.
Heizung: Unsicherheit beeinflusst Nachfrage
Wolfgang Dotterweich, Obermeister der SHK-Innung Forchheim, berichtet Ähnliches. Zum einen sei die Zahl der Neubauten dieses Jahr zurückgegangen. Da die Wärmepumpe prädestiniert für einen Neubau sei, gehe parallel auch hier die Nachfrage nach unten. Zum anderen habe die „Angstmacherei der Regierung“, also die Verunsicherung durch das GEG, eher eine gegenteilige Entwicklung angestoßen.
„Die Leute sind hergegangen und haben schnell einen Öl- oder Gaskessel eingebaut“, so der Obermeister. Das habe lange Lieferzeiten zur Folge. Wer seinen Ölkessel bis Ende März bestellt habe, der könne dieses Jahr noch Glück haben. Alles danach werde erst 2024 geliefert. Manche Kunden würden sich lieber für die kommenden 20 Jahre absichern wollen, aus Angst vor neuen Regelungen.
Dotterweich sieht die Sache pragmatisch. Bereits 1980 hat er seine erste Wärmepumpe eingebaut. Trotzdem sei das Gerät kein „Allheilmittel“, denn die Wärmepumpe sei nicht für jedes Gebäude geeignet. Bei einem über 30 Jahre alten Bauernhaus wisse man beispielsweise von vornherein, dass es nicht funktionieren werde, erklärt Dotterweich.
GEG: Bestandsheizungen können bleiben
Auch Christine Galster, Energieberaterin beim Landratsamt Forchheim, hat beobachtet, dass die Nachfrage nach einem Heizungstausch in diesem Jahr etwas nachgelassen hat. Das hängt aus ihrer Sicht mit dem im September im Bundestag verabschiedeten GEG zusammen. Darin gebe es keine Vorschrift, dass Öl- und Gasheizungen in Bestandsgebäuden im kommenden Jahr getauscht werden müssten.
Einen kleinen Vorteil hat die rückläufige Nachfrage nach Wärmepumpen. Sie wirkt sich auf die Lieferzeiten aus. Habe man zeitweise ein Jahr und länger warten müssen, seien die Geräte inzwischen von heute auf morgen verfügbar, sagt Dotterweich. „Ob die Wärmepumpe auf die Schnelle eingebaut werden kann, ist das größere Problem“, gibt der Obermeister zu bedenken. Überall fehle das Fachpersonal.
Gleichzeitig sei die Installation aufwendiger. „Die Ölheizung verzeiht sehr viele Fehler“, erklärt Dotterweich. Eine Wärmepumpe funktioniere dagegen gar nicht, wenn etwas falsch laufe.
Fachkräfte für Wärmepumpeneinbau fehlen
Was die Situation noch verschärft, ist die Dauer der Installation. Während ein fossiler Kessel in etwa vier Tagen eingebaut sei, brauche es für eine Wärmepumpe rund zwei Wochen, gibt Oppel zu bedenken. Das bedeute, er könne mit der gleichen Anzahl an Mitarbeitern im Jahr weniger Heizungen austauschen.
Wer eine Wärmepumpe möchte, muss sich also trotzdem gedulden. „Wir werden heuer gar keinen Auftrag mehr annehmen“, sagt Dotterweich. Noch sei die Nachfrage zu bewältigen, erklärt Oppel. Wenn in Zukunft aber mehr Wärmepumpen eingebaut werden sollen, dann sei mehr Personal nötig. Und das stehe nicht gerade Schlange.
Deshalb setzt Oppel auf Ausbildung. Pro Jahr stellt er einen Lehrling ein. „Die Gesellschaft hat mitbekommen, dass der Beruf zukunftsorientiert und sicher ist“, so Oppel.
Schwierige Suche nach Nachwuchs
Wolfgang Dotterweich zeichnet ein etwas anderes Bild. Auch er beschäftigt drei angehende Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. „Ich habe heuer das Glück gehabt, dass ich zwei gekriegt habe“, berichtet der Obermeister. Es habe aber schon Jahre ohne Bewerber gegeben.
Auch die Qualität der Bewerber sei teilweise ein großes Problem. Man brauche nicht nur Abiturienten, betont er. Doch wenn der Lehrling nicht mal einfache Rechnungen machen könne, sei das bedenklich.
Er sieht das Problem auch bei den Eltern. Auf einer Ausbildungsmesse habe er mal einen Jugendlichen getroffen, der sich für den Beruf interessierte. Der Vater habe das abgetan mit den Worten „Das machst du nicht, sonst kriegst du dreckige Hände“.
Handwerkskammer: Durchfallquote steigt
Auch die Handwerkskammer für Oberfranken beobachtet die kritische Personalsituation im SHK-Bereich. Die Zahl der Auszubildenden zum Anlagenmechaniker steige zwar stetig an, doch immer mehr Lehrlinge würden an der Gesellenprüfung scheitern, berichtet Michaela Heimpel, Leitung Unternehmenskommunikation.
Die Gründe für die steigende Durchfallquote sind vielfältig: fehlende Deutschkenntnisse, die Zusammenlegung von Berufsfeldern und ein steigender technologischer Anspruch. Die Betriebe und Schulen würden sich zunehmend engagieren und den Unterricht modernisieren. „Doch leider – das kann man feststellen – fehlen oft der Biss und der Wille der Lehrlinge, sich auch ausreichend mit den Lehrinhalten auseinander zu setzen“, so Heimpel.
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