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60 Jahre Forschungsgruppe
Fränkische Höhlenexperten sammeln beeindruckendes Wissen
Ausbau des „Brennesselbaus“ im Kleinen Teufelsloch zum ersten Höhlenlabor Deutschlands.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ausbau des „Brennesselbaus“ im Kleinen Teufelsloch zum ersten Höhlenlabor Deutschlands. // Dieter Preu
Pottenstein – Die „Forschungsgruppe Höhle und Karst“ blickt auf eine 60-jährige Geschichte voller Entdeckungen zurück. Was die Forscher geleistet haben und was ihre nächsten Aufgaben sind.

Acht Männer, die sich der Erforschung der Höhlen in Franken verschrieben hatten, gründeten vor genau 60 Jahren die „Forschungsgruppe Höhle und Karst“ die inzwischen ein eingetragener Verein ist heute und knapp 50 aktive Mitglieder und 87 Fördermitglieder zählt.

Dieses Jubiläum der heute weit über Franken hinaus anerkannten und gefragten Forschungsgruppe war der Anlass, im voll besetzen Bürgerhaus in Streitberg mit rund 150 geladenen Gästen, 50 davon aus anderen befreundeten Höhlenvereinen aus ganz Deutschland, ausgiebig zu feiern.

Gründungsväter geehrt

Vier Gründerväter, darunter Gründungsvorsitzender Dieter Preu aus Neunkirchen am Brand sowie die Nürnberger Kurt Hager und Karl Teschner und der Ansbacher Günter Fluhrer wurden vom Vorsitzenden Bernhard Nerreter mit Ehrenurkunden ausgezeichnet. Preu ist bis heute Mentor der Forschungsgruppe. Voll Begeisterung sei man damals mit einer abenteuerlichen Ausrüstung losgezogen, um die fränkischen Höhlen zu erforschen. Mit Karabiner, Haken und Hanfseil.

Heute wäre es unmöglich, mitten im Wald eine Zeltstadt zu errichten und sich am Lagerfeuer über das gemeinsame Hobby zu unterhalten.

Eine historische Aufnahme Anfang der 1970er Jahre beim Einsteig in die Fellner-Doline bei GößweinsteinForchheim & Fränkische Schweiz
Eine historische Aufnahme Anfang der 1970er Jahre beim Einsteig in die Fellner-Doline bei Gößweinstein // Dieter Preu

Sehr früh habe die Gruppe erkannt, wie wichtig Umwelt- und Artenschutz ist. Die Konsequenz sei eine „Professionalisierung“ des Vereins geworden, der heute ein anerkannter und gefragter Partner bei Regierungen und Behörden ist. Auf diesen Erfolg könne man mit Recht stolz sein, so Preu.

„Dieter Preu war immer ein Visionär, der die Zeichen der Zeit erkannte“, sagt sein Nachfolger Bernhard Nerreter aus Nürnberg, der seit 20 Jahren den Vorsitz innehat. Heute habe man für fast jede Frage oder Herausforderung einen Spezialisten im Verein oder an der Hand, so dass in sämtlichen Forschungsbereichen neue Ideen weiterverfolgt werden können.

Spektakuläre Erfolge

Viele Höhlen wurden in 60 Jahren entdeckt und kartiert. 1965 die Mammuthöhle, 1967 die Höhle im Erdfall bei Pilgramshof, 1968 das Felsenloch bei Höfen mit Funden aus der Laténzeit, und 1969 konnte das erste Höhlenlabor Deutschlands in der Teufelshöhle bei Pottenstein eröffnet werden.

Dies sind jedoch nur einige wenigen Entdeckungen aus der Gründerzeit. In den 60 Jahren wurden zahlreiche Höhlen von den Forschern entdeckt. So 1972 die Entdeckung der Adventhalle in der König-Otto-Höhle, ein Jahr zuvor die Entdeckung eines Seiteneingangs der Fellner-Doline in Gößweinstein, 1981 das Ziegenloch, 1983 die Schneevulkanhalle im Schwarzmooskogel in Österreich, 1985 die Osterhöhle auf Sardinen, und viele andere.

Seit Anfang der 1970er Jahre bis heute beschäftigen sich die Forscher mit der Zoolithenhöhle bei Burggaillenreuth, die bedeutendste Knochenhöhle Frankens. Hierzu ist druckfrisch zum Jubiläum ein Buch erschienen, das Mitautor Hardy Schabdach während der Feier eindrucksvoll präsentierte.

Schabdach war auch der erste Forscher der die Cave Bubbles und Cave Rafts in einem ausgetrocknetem Sinterbecken der Schönsteinhöhle entdeckt hat und in der Zoolithenhöhle Bärenschliffe an den Felswänden nachwies.

Nächster Durchbruch wartet

Bei der Untersuchung der Knochenfunde wurde unter anderem auch nachgewiesen, dass in der Zoolithenhöhle vor 30.000 Jahren nicht nur Höhlenbären, sondern auch Höhlenlöwen und Höhlenhyänen hausten. Wie Schabdach sagte, sei die Zoolithenhöhle eine „Ikone der Quartärpaläontologie“, in der die Forschungen noch lange nicht abgeschlossen sind. „Neben der Forschungstätigkeit haben die Aktiven umfassende Aufgaben im Naturschutz, Fortbildung, Höhlenrettung und Kooperation der Schauhöhlenbetriebe aufgebaut.“

„Seit drei Jahrzehnten konnte ich als Mitarbeiter und dann Bürgermeister der Stadt Pottenstein auf die gute Zusammenarbeit mit dem Verein bauen“, lobt einer der Ehrengäste, Stefan Frühbeißer, der heute Landtagsabgeordneter ist.

Aber nicht nur Höhlen wurden erforscht. Auch Brunnen wie in Burgthann oder auf der Plassenburg in Kulmbach. Die Leistungen der Forscher ist kaum aufzuzählen. Und sie sind noch längst nicht am Ende: Den nächsten Durchbruch erhoffen sich die Forscher im Zinnbergschacht und bei der weiteren Zusammenarbeit mit dem Team der Fellner-Doline versprechen sie sich noch Großes.

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