Der Herbst ist da und somit auch die Apfelernte. Doch wie sieht es in diesem Jahr, das geprägt war durch Hitze und Trockenheit, mit den Äpfeln der Region aus?
Marion Richter aus Lützelsdorf hat Apfelbäume und fängt in diesen Tagen mit der Ernte an: „Die Bäume hängen voll. Die Früchte sind aber nicht so groß und viele haben einen Sonnenbrand.“ Das schöne und große Obst gibt sie in den Obstgroßmarkt Fränkische Schweiz nach Pretzfeld, den Rest lässt sie zu Most und Saft verarbeiten: „Den trinken wir selbst.“
Gute Qualität erwartet
Manuel Rauch, Geschäftsleiter des Obstgroßmarktes, erwartet eine gute Ernte: „Allerdings war der Apfelwickler heuer sehr aktiv und hat Schaden verursacht.“ Der Apfelwickler ist ein Nachtfalter, der auch oft nur Obstmade genannt wird, da er sich durch Äpfel, Birnen oder Quitten futtert.
Was der Oechsle-Wert aussagt
Begeistert ist Rauch jedoch von der Qualität der Äpfel: „Wir rechnen mit einem Oechsle-Wert von 55 bis 65. Wir haben in den letzten Jahren schon lange keine so gute Qualität mehr gehabt.“ Der Oechsle-Wert ist eine Maßeinheit für das Most-Gewicht des Traubenmostes, das die Zuckerkonzentration in der Traube angibt.
Von der Qualität der Äpfel ist auch Johannes Haas von der Edelbrennerei Haas in Pretzfeld begeistert: „Wir haben tatsächlich trotz der Trockenheit eine gute Ernte.“ Die kühleren Nächte haben den Äpfeln gut getan und der Behang sei optimal.
„Ich bin überrascht, dass trotz der extremen Trockenheit unsere Früchte eine ordentliche Größe haben“, fügt er hinzu. Er hat gerade mit der Apfelernte begonnen. Seine Früchte werden einerseits zu sortenreinen Bränden verarbeitet, andererseits an Spitzengastronomen weitergegeben.
Regional immer mehr gefragt
„Einige Sterneköche wollen die verwendeten Obstsorten und wo sie herkommen mit auf der Speisekarte angeben. Und sie probieren Neues mit dem Obst aus“, erzählt Haas und verrät, dass er zum Beispiel Alexander Hermann beliefert.
„Die Spitzenköche probieren neue Eissorten aus oder legen Obst in Salz ein. Ich habe heuer auch schon Kirsch- oder Wildpflaumenblüten geliefert“, verrät Haas. Er merke, dass Regionalität sehr gefragt ist. „Das war vor zehn Jahren noch nicht so, aber seit der Pandemie sind die Kunden sensibler geworden. Auch was den Geschmack anbelangt.“
Früchte sind kleiner
Auf der Obstwiese Schmitt in Oberehrenbach sind ebenfalls viele Apfelbäume zu finden. „Die Apfelernte heuer ist gekennzeichnet durch die extreme Trockenheit, denn die Früchte bei uns auf der Wiese sind kleiner, aber sehr schmackhaft“, berichtet Inhaber Roland Schmitt.
Auch hier habe es leichte Verluste durch Sonnenbrand gegeben. „Man kann den Teil aber wegschneiden und den restlichen Apfel noch verwerten oder essen“, erklärt Schmitt. Er habe nicht mit einer so reichen Ernte gerechnet, da die Bäume in diesem Jahr ums Überleben gekämpft haben. Heuer wird er die Äpfel alle selbst nutzen.
Das Tafelobst soll im Hofladen verkauft und das Streuobst zu Saft oder zum Brennen verwendet werden. Die ersten Sorten hat er bereits geerntet. Aktuell erntet er eine Apfelsorte, die für Allergiker geeignet ist.
Klima als Herausforderung
„Es gibt aber auch alte Apfelsorten, die gut vertragen werden. Die Verträglichkeit hängt auch ein wenig von der Lagerung ab“, erklärt Schmitt und lädt auch gleich zum Apfelfest am 2. Oktober nach Oberehrenbach ein.
Da wird dann auch Sepp Kraus, der eine Bäckerei in Hetzles betreibt, wieder seine Apfel-Lebkuchen anbieten. „Die Ernte wird gut ausfallen, aber das Klima wird immer mehr zu einer Herausforderung“, fasst Schmitt zusammen.
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