Die untergehende Sonne taucht die Felder rund um Neunkirchen am Brand in goldenes Licht. Zwischen Reihen von Lavendelpflanzen summen Insekten. Der Blick schweift über den Ort mit seinen roten Dächern und der markanten Kirche St. Michael. Felder mit Lavendel kennt man sonst nur aus der Provence – nicht aus Franken.
Landkreis Forchheim: Biobauer wagt Pionierprojekt
Doch genau hier wagt der Biolandwirt Robert Schmitt ein Experiment. Auf 1,7 Hektar bei Baad hat er gemeinsam mit seinem Sohn Lukas Lavendel gepflanzt – und ist damit vermutlich einer der ersten Landwirte in Franken, der die mediterrane Pflanze im größeren Stil kultiviert.
Der Schmitt-Hof hat eine lange Geschichte. Seit dem 17. Jahrhundert ist er in Familienbesitz, heute arbeitet die neunte Generation auf dem Land. Doch die Landwirtschaft verändert sich. „Wir haben die Milchviehhaltung aufgegeben“, erzählt Schmitt. „Dann haben wir nach Kulturen gesucht, die zu unserem Biobetrieb passen.“
Raus aus der klassischen Ackernutzung
Die Entscheidung fiel auf Sonder- und Dauerkulturen, also Pflanzen, die nicht jedes Jahr neu ausgesät werden müssen. Neben Aroniabeeren und Felsenbirnen nun also auch: Lavendel. „Wir wollten raus aus der klassischen Ackernutzung, bei der man ständig bearbeiten muss. Sonderkulturen sind pflegeintensiv, aber auf Dauer nachhaltiger“, sagt Schmitt.
Sohn Lukas ist ausgebildeter Landwirt und wird den Betrieb in absehbarer Zeit übernehmen. Die Idee zum Lavendelversuch haben Vater und Sohn gemeinsam entwickelt. Die Idee kam bei der Recherche nach Alternativen. „Wir sind auf Berichte gestoßen, haben uns Dokumentationen angesehen – besonders über den Lavendelanbau in Frankreich und Bulgarien“, so der Landwirt. „Dann haben wir gesagt: Probieren wir es einfach. Vielleicht wächst der Lavendel ja auch bei uns.“
Lavendel erobert Äcker in Neunkirchen am Brand
Gepflanzt wurde im September 2023. Zwei Sorten kamen in die Erde: „Super“ und „Sumian“. Beide sind Bio-zertifiziert – eine Grundvoraussetzung für den Anbau auf dem Schmitt-Hof. Im ersten Jahr ging es vor allem darum, dass sich die Pflanzen etablieren. Unkraut ist im Biolandbau eine besondere Herausforderung. Um dem Herr zu werden, hat Schmitt ein Unkrautvlies verwendet. „Wir haben Löcher in das Vlies gemacht und den Lavendel direkt hineingepflanzt“, erklärt er. Zwischen den Reihen wird zusätzlich gemulcht. Das spart Zeit – und schont den Boden.
Auch Geduld ist gefragt: „Es dauert drei bis vier Jahre, bis sich kräftige Stöcke entwickeln – mit bis zu 80 Zentimetern Durchmesser.“ In diesem Sommer, also rund eineinhalb Jahre nach der Pflanzung, blühen die Pflanzen erstmals richtig.
Lavendel aus Franken: Schmitts duftendes Projekt
Einer der Hauptgründe für den Lavendelanbau in Franken: Die Pflanze kommt sehr gut mit Trockenheit zurecht. Und Trockenheit gibt es im fränkischen Klima bekanntlich immer häufiger. Das zeigt sich auch dieses Jahr: Von Mai bis Juni fielen in Baad gerade einmal 47 Millimeter Regen. „Die Beikräuter sind vertrocknet – aber der Lavendel sieht super aus“, sagt Schmitt. „Man merkt ihm die Trockenheit nicht an.“
Als die Pflanzen 2023 gesetzt wurden, hatte Schmitt befürchtet, dass er bewässern muss. Doch das Jahr 2024 brachte überraschend viel Niederschlag – der Lavendel kam auch damit gut klar. „Das müssen wir jetzt über mehrere Jahre beobachten“, sagt der Biobauer. „Aber bislang scheint er mit unserem Klima gut zurechtzukommen.“ Der Lavendel soll nicht nur schön aussehen und gut duften – er soll auch etwas bringen. Und zwar in Form von ätherischem Öl, gewonnen durch Destillation der Blüten. Dafür hat sich Schmitt bewusst für die Sorte Lavandin entschieden, die mehr Ertrag bringt als der klassische Lavendel. „Man sagt, bis zu 150 Liter Öl pro Hektar sind möglich“, erklärt er.
Öl, Seifen, Parfüms und Eis aus Lavendel geplant
2026 soll es die erste Ernte geben – zunächst zu Testzwecken. „Wir suchen jemanden, der uns ein Probedestillat macht, damit wir sehen, wie viel Öl wirklich rauskommt.“
Produkte wie Seifen, Parfüms oder sogar Lavendel-Eis will Schmitt nicht selbst herstellen. „Dafür fehlt uns die Zeit“, sagt er offen. „Aber wenn wir Partner finden, die das übernehmen, könnten wir ihre Produkte über unseren Hofladen verkaufen.“
Die meisten Nachbarn haben das Lavendelfeld eher zufällig entdeckt. „Wir haben es nicht groß beworben“, erzählt Schmitt. Doch die Reaktionen sind durchweg positiv. „Viele freuen sich, dass da mal etwas anderes wächst. Und wenn die Blüte da ist – das ist ein richtiges Insektenparadies.“
Auch die Kunden im Hofladen zeigen Interesse. „Unsere Kundschaft kennt uns als Betrieb, der gerne mal etwas Neues ausprobiert“, sagt der Landwirt. „Der Lavendel passt da gut dazu.“
Die große Frage: Könnte sich der Lavendelanbau in Franken ausbreiten? „Wenn der Ölertrag stimmt, kann ich mir das gut vorstellen“, sagt Schmitt. Denkbar wären auch Kooperationen: „Vielleicht ergibt sich ja eine Genossenschaft, die gemeinsam anbaut und destilliert. Dann könnte man das Öl professionell vermarkten.“


















