Brotdose einpacken, Ranzen schultern, schnell noch das Nachbarskind abholen und schon geht’s zu Fuß gemeinsam zur Schule. So wäre es ideal. Doch so geschieht es nur selten. Wenn in Forchheim ab dem 10. September wieder Hunderte Erstklässler zum ersten Mal ihren Weg zur Schule antreten, wird dies auch in diesem Jahr oft mit dem Auto der Fall sein. Diese Elterntaxis sind Schulen, Gemeinden und Eltern selbst schon lange ein Dorn im Auge. Nichtsdestotrotz werden es von Jahr zu Jahr mehr.
Anna-Grundschule Forchheim: Problem lange bekannt
Bei der Anna-Grundschule in Forchheim sind „Eltern-Taxis“ beispielsweise schon seit vielen Jahren immer wieder Thema. Manche Eltern würden am liebsten bis vor die Eingangstüre fahren, berichtet Rektorin Heike Wentzel. Dabei gebe es viele Parkmöglichkeiten im Umfeld der Schule und es werde immer wieder aktiv auf das Thema aufmerksam gemacht, zum Beispiel durch Elternbriefe oder dadurch, dass die Polizei an den ersten Schultagen vor Ort sei. Das fruchte allerdings nicht bei allen Eltern. Wenn es am Morgen stressig sei, werde dann doch wieder direkt vor die Tür gefahren oder gar in der Feuerwehrzufahrt gehalten.
Ähnlich sieht es Kathrin Uhlmann, Sicherheitsbeauftragte der Adalbert-Stifter-Schule im Forchheimer Norden. „Unser Problem ist die Straßenführung unmittelbar vor unserer Schule. Durch enge Wohnstraßen, einer ziemlich komplizierten Kreuzung, zwei Zebrastreifen über Eck, vielen Bussen und Elterntaxis, ankommenden Lehrern, normalem Berufsverkehr, vielen radfahrenden und rollerfahrenden Schülerinnen und Schülern ist das Verkehrsaufkommen enorm und keineswegs überschaubar“, schreibt sie auf Anfrage.
Umfrage ADAC Stiftung: Jedes vierte Kind mit Elterntaxi gebracht
Laut einer Umfrage der ADAC Stiftung lege jedes vierte Kind seinen Schulweg zumeist im Elterntaxi zurück. Was bei den 1205 Erstklässlern alleine im Landkreis Forchheim (insgesamt sind es im Schuljahr 2024/25 fast 4800 Grundschüler) auf den Verkehrsraum zukommt, ist leicht auszurechnen.
Die Hauptgründe dafür, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren und wieder abholen, seien praktischer Natur: Anschlusstermine, schlechtes Wetter und Zeitersparnis für das Kind. Nur wenige Eltern nennen als Grund einen unsicheren Schulweg. Dass Elterntaxis auf eben diesem mehrheitlich als sicher eingestuften Schulweg unnötige Gefahren heraufbeschwören, ist jedoch die größte Kritik der Eltern, deren Kinder zur Schule gehen, rollern oder radeln, schreibt die ADAC Stiftung.
Ein Teufelskreis, den es zu durchbrechen gilt. Und die Verantwortlichen versuchen es. Immer wieder gehen die Schulen gemeinsam mit den Elternbeiräten auf die gesammelte Elternschaft zu, appellieren an deren Vernunft. Gefühlt steigt auch bei ihnen allmählich der Frust, weil sich das Problem „Elterntaxi“ nicht zu verbessern scheint. Im Gegenteil.
Was die Stadt Forchheim gegen das Problem tut
Auch die Stadtverwaltung versucht, entgegenzusteuern. So gilt beispielsweise rund um die Schulen sowieso eine Geschwindigkeitsbegrenzung von maximal 30 Stundenkilometern. Die werde auch kontrolliert, sowohl von der Polizei als auch der Stadt. Aber die Geschwindigkeit sei gar nicht das Problem, sagt der Leiter des Verkehrsamts Roland Brütting. „Weil die Eltern während der Bring- und Abholzeiten rund um die Schulen alles vollparken, könne man eigentlich gar nicht mehr zu schnell fahren.“ Gefährlich kann es trotzdem werden, weil der Straßenraum nicht mehr gut einsehbar ist.
Die Stadt habe schon einiges ausprobiert. So hat sie bereits 2015 erste sogenannte Kiss-an-Go-Zonen etwas entfernt von den Schulkomplexen in der Pestalozzistraße eingerichtet, wo die Eltern parken und sich von ihren Kindern verabschieden konnten. Leicht abseits des frühmorgendlichen Trubels. Im vergangenen Jahr gab es das auch am Joseph-Otto-Platz. Doch Brütting zieht insgesamt ein ernüchterndes Fazit: „Solche Zonen werden leider kaum angenommen.“
Es gebe allerdings auch Positiv-Beispiele, erklärt Annaschul-Chefin Heike Wentzel. „Es gibt auch Eltern, die Sammelpunkte haben und die dann gemeinsam mit den Kindern in die Schule laufen“, erzählt die Rektorin. Generell würden viele Eltern, die mit ihren Kindern in die Schule laufen, auch ein Auge auf andere Kinder haben. Aktionen, bei denen die Schülerinnen und Schüler Punkte für den Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad sammeln können, hätten bisher Erfolge verzeichnen können. „Wenn ein Anreiz da ist, klappt es besser“, so Wentzel.
Schulstraßen - ein Konzept für Forchheim?
In der Nachbarschaft Bamberg fordert eine breite Allianz nun, sogenannte Schulstraßen einzurichten. Diese wären zeitweise für den motorisierten Individualverkehr gesperrt - und zwar während der Bring- und Abholzeiten vor den Schuleingängen. Neben einer Beschilderung, die auf das Verbot hinweise, wäre die Straße zusätzlich durch einen Sicherungsposten gesperrt. In Großstädten wie Köln, Bonn, Berlin, Dresden und Essen sind Schulstraßen bereits erfolgreich umgesetzt worden. Auch ein Konzept für Forchheim?
Grundsätzlich gerne, sagt Verkehrsamtsleiter Brütting. Das Problem sei, dass die Forchheims Schulen vor allem in Wohngebieten liegen. Gesperrte Straßen würden die Anwohner vor große Probleme bringen.
Das sagt Forchheims Lokalpolitik dazu
Ähnlich vorsichtig sieht es die Kommunalpolitik. Zwar „könnten Schulstraßen oder temporäre Einbahnstraßenregelungen Möglichkeiten sein“ (Reiner Büttner, SPD). Für die Grünen sind Schulstraßen nur eine Möglichkeit von vielen, auch „Fahrradstraßen sind denkbar und eine fahrradfreundlichere Ausgestaltung der Wege von Ost nach West“ (Andrea Hecking, FGL). Aber es müssen sorgsam abgewogen werden, vor allem weil die „Belastung für die Anwohner zu groß wäre“ (Manfred Hümmer, FW). Die CSU würde sich laut Josua Flierl einer Neuregelung grundsätzlich nicht verweigern, erkenne aber keine Stelle, die eine so drastische Maßnahme wie eine Schulstraße rechtfertigen würde.
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