Während ein Unwetter und eine daraus resultierende Straßensperrung für die meisten Menschen schlicht ein Ärgernis bedeutet, hat Förster Michael Bug vom Forstrevier Pretzfeld in einem Ereignis vom 17. August eine Chance gesehen. Bug ist auch für den Gößweinsteiner Gemeindewald zuständig, und da die stark unterspülte Straße am Behringersmühler Berg nach dem Starkregen repariert werden musste, erkannte er die Gelegenheit, parallel einen „Verkehrssicherungshieb“ an der Böschung durchzuführen.
Holz ist bereits verkauft
Über diese Arbeiten berichtete Bug in der jüngsten Sitzung des Gößweinsteiner Gemeinderats in der Kulturwerkstatt in Morschreuth. Die Absprache mit dem Staatlichen Bauamt habe wunderbar geklappt, und so hätten die Arbeiten am 12. September begonnen und seien schon am 15. September abgeschlossen worden.
Möglich geworden sei dies durch die Gößweinsteiner Spezialfirma Stielper, unterstützt vom gemeindlichen Bauhof, der maschinell gut ausgestattet sei. Die Rechnung der Firma Stielper belief sich auf 8068 Euro, im Gegenzug habe man aber auch Erlöse erzielt. Die Firma Beck habe für das geerntete Buchenstammholz 1540 Euro bezahlt und die Firma Bioenergie Neuner für etwa 2000 Kubikmeter Hackschnitzel rund 1000 Euro. Dennoch sei klar, dass man so eine Maßnahme nicht kostendeckend hinbekomme.
Manche Buche war innen schon komplett hohl
Und bevor der Aufschrei der Naturschützer komme: Viele Bäume im Hang, darunter auch große Buchen, seien krank und daher umsturzgefährdet gewesen. Es habe Buchen gegeben, die innen schon komplett hohl waren.
Auch der Pilzbefall habe den Bäumen zu schaffen gemacht. „Vor wenigen Jahren hat man noch gesagt, die Buche ist eine gesunde Baumart. Inzwischen haben wir aber enorme Verluste auch bei den Buchen wegen der letzten drei Trockenjahre“, erklärte der Förster. Und dort, wo Verkehrswege im Spiel seien, könnten diese Bäume unheimlich gefährlich werden. Wie Bug feststellte, wachsen aber schon viele junge Bäume nach. „Die Löcher werden bald mit vielen anderen Baumarten wieder zugewachsen sein.“
Auch bei Bösenbirkig wurden Bäume gefällt
Auch an der Theaterhöhle am Gößweinsteiner Kreuzberg und der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Bösenbirkig und Sachsendorf hätten Holzfällarbeiten zur Verkehrssicherungspflicht durchgeführt werden müssen. Durch den Trockenstress habe es an einer großen Esche an der Theaterhöhle eine massive Kronenvernichtung gegeben. Bei einer großen Buche am Aufgang habe man „Sonnenbrand“ festgestellt.
Die Schwierigkeit an der Straße zwischen Bösenbirkig und Sachsendorf sei die Telefonleitung neben der Straße gewesen, die vor den Arbeiten erst abgebaut werden musste, was aber problemlos möglich gewesen sei. Da gerade ein Harvester in der Nähe war, hätten die Baumfällarbeiten neben der Straße schnell ausgeführt werden können.
„Es gibt noch viel zu tun im Gemeindewald“, resümierte der Förster. Das Gute in der Fränkischen Schweiz sei aber, dass dort, wo Käferholz weggemacht werden musste, die Baumverjüngung von ganz alleine laufe. Weiterhin kündigte Bug an, dass Zaunflächen im Gemeindewald reduziert werden. Für kleine Bäumchen brauche man aber weiterhin den Zaunschutz.
Für den Schluss hatte Bug noch einen ganz besonderen Schatz mitgebracht: die Mehlbeere, die sich wie durch ein Wunder selbst vermehre, da sie eine robuste Baumart sei. Sie habe wie die verwandte Elsbeere ein unwahrscheinliches Anpassungspotenzial.
Der seltenste Baum der Welt sei übrigens die „Leutenbacher Mehlbeere“. Von dieser Baumart seien bisher nur sieben Exemplare in freier Natur entdeckt worden. Selten sei auch die „Gößweinsteiner Mehlbeere“, die aber häufiger vorkomme.
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