Ein mulmiges Gefühl bleibt.
Zwar bemühen sich Autofahrer um Abstand, wenn sie auf der Piastenbrücke an den aus ihrer Sicht störenden Radlern vorbeiziehen. Aber wie Berichte von Bürgern und ein Selbsttest des Autors zeigen, bleibt das Radeln dort gefährlich.
Zu unübersichtlich die Steigungen, zu unüberwindlich die Straßenbegrenzungen. Doch die Brücke steht jetzt, lange war sie herbeigesehnt worden.
Nun müssen Forchheims Fahrradfahrer mit ihrer Rolle auf der 66 Meter langen Eisenbahnquerung leben.
Ein verkehrlicher Zankapfel mit Dauerpotenzial – und mit Ansage.
So ist die aktuelle Situation auf der Piastenbrücke in Forchheim
Selbst mit E-Bike fällt es schwer, auf der stark geneigten Strecke ausreichend Geschwindigkeit auf die Reifen zu bringen, um nicht als Verkehrshindernis wahrgenommen zu werden.
Zudem lassen die Fahrbahnbreiten eigentlich kaum ein Überholen zu, verboten ist es obendrein. Überholt wird dennoch fleißig.
Dass es bisher noch nicht zu Unfällen gekommen ist? Glückssache. Und womöglich nur eine Frage der Zeit.
Obwohl das Überholen auf der Brücke wegen der durchgezogenen Linie eigentlich verboten ist, wer erwischt wird, müsste mindestens mit 30 Euro Bußgeld rechnen. Müsste, weil es wohl kaum Kontrollen an der Stelle geben wird.
Verstärkte Kontrollen der Polizei?
Wie Roland Brütting vom Straßenverkehrsamt erklärt, dürften beispielsweise städtische Mitarbeiter nicht in den fließenden Verkehr eingreifen. Er könne sich aber schon vorstellen, dass es unangenehme Situationen gebe, für ihn Ausdruck „moderner Verkehrsmoral“.
Und die Polizei? Die Beamten warten derzeit noch ab, wie sich die Lage auf der Piastenbrücke entwickelt, wie Verkehrsleiter Thorsten Panzner mitteilt.
Aktuell würden sie lediglich während ihrer Streifenfahrten auf mögliche Verstöße achten, feste Kontrollen sind noch nicht geplant. Ausschließen will dies Panzner für die Zukunft aber nicht.
Kritik von ADFC: Radler von Beginn an vergessen?
Frank Wessel ist wenig überrascht von dieser Diskussion.
Der Vorsitzende des Fahrrad-Clubs ADFC Forchheim sagt auf FT-Anfrage: „Dass nun eine Entrüstungswelle kommt, war klar. Eine – wie auch immer gestaltete – Verbesserung auf der Piastenbrücke ist dringend nötig.“
Erst viel zu spät habe man die Interessen der Radfahrer beachtet.
Geschichte der Piastenbrücke: Noch nie radfreundlich
Seit 1980 brettern täglich Tausende Autos über die Piastenbrücke, 2004 hatte sie einen neuen Anstrich erhalten. 2012 wurde klar, dass der gigantische Betonklotz einmal einer modernen Variante weichen soll; weitere elf Jahre später war es dann so weit.
Seit dem 7. Juli dieses Jahres ist die strahlend rote Brücke wieder für den Verkehr offen.
Deutsche Bahn mauerte, Stadt zog zurück
Dass die Radler auf dem Brückenneubau das Nachsehen haben, hat viele Gründe. Ein Blick ins FT-Archiv zeigt etwa die langen Diskussionen in den Stadtratssitzungen aus dem Jahr 2019 darüber, den Gehweg zu verbreitern, um auch Radlern darauf Platz zu schaffen. Das nüchterne Ergebnis des Ringens damals: zu teuer, zu aufwendig, zu spät.
Nicht nur, dass der Bau wohl noch mehr als die heute schon große Summe von 12,2 Millionen Euro (ursprünglich waren 6,8 Millionen Euro geplant) gekostet hätte. Auch wäre der Anteil der Stadt extrem angewachsen, 2019 schätzt die Verwaltung die städtischen Mehrkosten für Bau und Planung auf zusätzlich 2,75 Millionen Euro.
Außerdem hätten die Forchheimer, laut damaligen Aussagen der Bahn, im Falle einer Neuplanung mindestens bis 2025 warten müssen.
Das Hauptargument gegen einen Neu-Entwurf war aber, dass die Bahn damals die Bauträgerschaft auf die Stadt abgewälzt hätte. Die hätte das aber nicht stemmen können. Am Ende stimmte der Stadtrat einstimmig für die Ursprungsversion.
Lesen Sie hier eine Chronologie der vergangenen Jahre:
Nicht radfreundlich, aber realistisch.
Nun sei es zu spät, um über breitere Gehwege, Radspuren oder Ähnliches nachzudenken, lautet es vier Jahre später beinahe einhellig aus Stadtratskreisen. Also einfach mit der Situation abfinden?
Wäre eine zweite Brücke nebendran eine Lösung?
Die Bahn hält sich raus, auf Anfrage schreibt eine Sprecherin: „Die Planungen seitens der DB beruhen auf einem Bestandsbauwerk. Das neue Bauwerk wurde auf das Bestandsbauwerk aufgesetzt. Die Nutzung der Verkehrswege ist Angelegenheit der Stadt.“
Eine mögliche Lösung könnte eine zweite Brücke sein, eine Art Fahrradsteg direkt neben der Piastenbrücke. Zwar gibt es diese Idee schon länger, sie wurde aber nie wirklich konkretisiert.
Frank Wessel vom ADFC kritisiert das. „Diese Möglichkeit hätte von Anfang an weiterverfolgt werden müssen, spätestens aber, nachdem sich die Bahn gegen den breiteren Geh- und Radweg gesperrt hatte“, sagt er. Nun sei es eigentlich zu spät.
Eigentlich. Wenngleich die Stadt aktuell genügend Großbaustellen beackert und sich mit der Planung eines 60-Millionen-Euro-Verwaltungsgebäudes eine weitere Mammutaufgabe an Bord holt, bleibt die Idee einer eigenen Radbrücke für einige Stadträte lebendig.
Bisher allerdings ist das nur in der Theorie.
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