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Fahrradfreundliche Stadt?
Wo sich bei Forchheims 7 Radsünden etwas tut - und wo nicht
Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) und der Radverkehrsbeauftragte Tobias Wilhelm stehen vor großen Herausforderungen, um Forchheim zur fahrradfreundlichen Kommune werden zu lassen.
Bürgermeisterin Annette Prechtel (FGL) und der Radverkehrsbeauftragte Tobias Wilhelm stehen vor großen Herausforderungen, um Forchheim zur fahrradfreundlichen Kommune werden zu lassen. // Stephan Großmann
Forchheim – Forchheim will „fahrradfreundliche Kommune werden“. Warum das nicht nur Rad-Enthusiasten kritisch sehen und was die Stadt gegen die sieben größten Gefahrenstellen bisher unternommen hat.

Forchheim ist nicht das hessische Baunatal, ebenso wenig Meckenheim und Coesfeld (beide Nordrhein-Westfalen). Dafür sprechen viele Gründe, mindestens aber die Fahrradfreundlichkeit. Führen die drei genannten Kommunen beim Fahrradklimatest 2022 bei den Städten zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern, landet Forchheim mit einer Schulnote von 4,2 weit abgeschlagen im hinteren Drittel.

Tobias Wilhelm und Annette Prechtel: Fokus auf Radverkehr in Forchheim

Das ist nicht neu. Doch immerhin tut sich etwas, nicht nur Forchheims Radverkehrsbeauftragter Tobias Wilhelm will den Fokus noch stärker auf die Zweiräder legen. Auch im Rathaus sowie in der Kommunalpolitik bleibt das Thema auf der Agenda. Wenngleich aktuell davon im täglichen Radler-Alltag noch nicht viel zu spüren ist, der Wille und Ideen seien da, sagen die Verantwortlichen.

Tobias Wilhelm ist seit 2024 Radverkehrsbeauftragter der Stadt Forchheim.
Tobias Wilhelm ist seit 2024 Radverkehrsbeauftragter der Stadt Forchheim. // Stephan Großmann

So ist die Stadt Forchheim seit Kurzem vorläufiges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen Bayern (AGFK). Will sie ein dauerhaftes Mitglied werden, muss sie in spätestens vier Jahren das Prädikat „fahrradfreundliche Kommune“ tragen und viele Hausaufgaben erledigt haben. Beispielsweise soll die Stadt über das bereits beschlossene integrierte Verkehrskonzept hinaus ein vollständiges Radverkehrskonzept vorlegen, das den Radverkehr sowohl auf den Haupt- als auch den Nebenrouten fördert.

An einem solchen Konzept arbeiten Wilhelm sowie Bürgermeisterin Annette Prechtel (Forchheimer Grüne Liste) bereits im Hintergrund. Darüber hinaus ist beziehungsweise wäre es wichtig, akute Missstände zu beheben, um Sicherheit und Komfort fürs Radeln in der Königsstadt zu verbessern. Wenig förderlich dürfte es sein, dass die aktuelle Haushaltslage statt großer Sprünge nur großen Streit wegen jedem auszugebenden Euro bereithalten wird.

Forchheims sieben Radsünden – Probleme und Lösungsansätze

Vor gut einem Jahr hat unser Reporter gemeinsam mit Vertretern des ADFC Forchheim die schlimmsten Stellen Forchheims aufgespürt und Lösungsideen aufgezeigt.

Damals hatte Wilhelm seine Stelle noch nicht angetreten, er ist erst seit Februar im Amt. Dennoch ist es an der Zeit zu schauen, ob und was sich an „Forchheims sieben Radsünden“ seit damals getan hat. Zusammen mit Bürgermeisterin Annette Prechtel und dem Radverkehrsbeauftragten Tobias Wilhelm ist unser Autor die Stellen noch einmal mit dem Rad abgefahren.

Bammersdorfer Straße

Problem: Seit Jahren ist die Verkehrssituation vor allem in der Kurve zwischen Bammersdorfer Straße und Adalbert-Stifter-Straße ein Sorgenkind – radelnde Schüler müssen sich die Enge mit Elterntaxis, Bussen und anderen Verkehrsteilnehmern teilen.

Lösung: Theoretisch ließe sich eine Fahrradstraße ausweisen, dies sei laut Wilhelm aber vor allem wegen des ÖPNV kaum möglich. Vielmehr liefen Planungen, für die Schuleltern sogenannte Kiss-and-Go-Zonen (ein Ort abseits der Schule, um kurz anzuhalten, jemanden aussteigen zu lassen und direkt wieder abzufahren) einzurichten und Parkflächen zu reduzieren.

Am 3. Dezember werden die konkreten Ideen für den Neubau der Bammersdorfer Straße im Planungs- und Umweltausschuss erstmals bekanntgegeben. 

Bamberger Straße 

Problem: Der Radweg zieht sich von Forchheim-Nord bis in die Innenstadt. Der schlechte Zustand und nicht abgesenkte Bordsteine sind für Radler große Sicherheitsrisiken. Außerdem hört der Radweg stadteinwärts in Höhe der Bügstraße einfach auf.

Lösung: Wilhelm und Prechtel sind sich einig, dass die Bamberger Straße zu schmal ist, um den Anforderungen an ein sicheres Miteinander von Autos, Radlern und Fußgängern zu ermöglichen. Sie schlagen vor, den Radverkehr perspektivisch um die Bamberger Straße herumzuleiten und eine neue Hauptroute zu finden.

Wilhelm wirkt, als wisse er selbst, wie ambitionierte dieses Ziel ist. Als kurzfristige Kompromisslösung schlägt er eine oberflächliche Sanierung der Rad-Fahrbahn vor.

Piastenbrücke

Problem: Auf der neu gebauten Piastenbrücke gibt es keinen Radweg, was Radler gefährdet und Autofahrer wegen des Überholverbots ausbremst.

Lösung: Schlechte Nachrichten: Von der nunmehr auch für die Brücke geltenden Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern abgesehen, lässt sich das Problem aktuell nicht ändern.  

Adenauerbrücke/Bügstraße

Problem: Wer nach Buckenhofen möchte, muss mit dem Rad entlang der Adenauerallee über die Brücke fahren. Laut ADFC kommt es dort vor allem im Dunklen zu Problemen, weil hohe Bordsteine nicht markiert sind – da sei es kaum auszumachen, wo der Radweg endet. Hinzu kommt die Gefahrstelle bei der Einmündung zur Bügstraße.

Lösung: Die Brücke und die unzureichende Beleuchtung habe man als Problemstelle weiterhin auf dem Schirm.  Was die Kreuzung Adenauer Allee-Bügstraße betrifft, müssen Wilhelm und Prechtel noch das knappe Mehrheits-Nein gegen die angedachte Ampelanlage verkraften. Als kleinere Maßnahmen werde nun beispielsweise über bessere Hinweisschilder (beidseitiger Radverkehr) nachgedacht.

Ruhalmstraße

Problem: Schlechte Sicht und viel Verkehr bringen (nicht nur) radelnde Kinder in Gefahr.

Lösung: Auch hier sind Kiss-and-Go-Zonen angedacht, die zumindest das Problem der vielen Elterntaxis verringern sollen. Darüber hinaus zählt Wilhelm derzeit das Verkehrsaufkommen entlang der Ruhalmstraße. Passen die Werte, könnte dort tatsächlich über eine Fahrradstraße nachgedacht werden.

Absperrung Jahnstraße

Problem: Wer vom Königsbad kommend durch die Gasse zur Jahnstraße radelt, sieht sich (im Dunkeln zu spät) einer Absperrung mit Kette gegenüber. Kein Einzelfall, über die Stadt verteilt gibt es einige gefährliche und zum Teil im Nutzen fragwürdige Ketten, Bügel und andere Absperrungen.

Lösung: Nach und nach werde eruiert, welche dieser Mängel behoben werden können, sagt Wilhelm. Die Liste sei nach wie vor lang. Wirklich viel getan hat sich wenig.

Globus-Ausfahrt

Problem: Für gen Süden Radelnde tat sich am Globus eine Gefahrenstelle auf: Autos, die stadteinwärts nach rechts abbiegen, sind von der Ampelschaltung entbunden, müssen aber auf den Radverkehr achten. Nur: Es fehlte ein Hinweis auf selbigen.

Lösung: Mittlerweile gibt es eine neue Beschilderung, die Autofahrer auf beidseitigen Radverkehr hinweist. Zudem müssen Autos nun stoppen, wollen sie vom Globus kommend rechts in Richtung Forchheim abbiegen. Dem ADFC reicht dies als Lösung nicht aus, die Stadt verbucht diese Lösung dennoch als Punkt für sich.

 

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