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Zu viele Verletzte
Ampel an Forchheimer Unfallkreuzung? Entscheidung gefallen
An der Forchheimer Kreuzung Adenauerallee-Bügstraße kommt es immer wieder zu gefährlichen Unfällen vor allem mit Radlern. Die Stadt möchte eine Ampel installieren. Doch klappt das?
An der Forchheimer Kreuzung Adenauerallee-Bügstraße kommt es immer wieder zu gefährlichen Unfällen vor allem mit Radlern. Die Stadt möchte eine Ampel installieren. Doch klappt das? // Stephan Großmann
Forchheim – Fast 30 schwere Unfälle in sechs Jahren: Die Kreuzung Adenauerallee und Bügstraße gilt vor allem für Radler als gefährlich. Die Stadt will mit einer Ampel Sicherheit schaffen. Doch es gibt Widerstand.

Noch ist es relativ hell am Morgen. Doch das ändert sich mit jedem weiteren Kalendertag, schon bald wird es für Schülerinnen, Pendler und Anwohner aus dem Forchheimer Westen noch gefährlicher, in Richtung Innenstadt zu radeln oder zu rollern oder am Nachmittag wieder nach Hause zu fahren. Vor allem für jene, die aus Bequemlichkeit verbotenerweise auf der falschen Seite die Bügstraße am E-Center queren. Um dieser herausragenden Gefahrenstelle besser Herr zu werden, will die Stadt eine Ampel installieren. Eigentlich.  

Forchheims Polizei und Stadtverwaltung sprechen sich für Ampel aus

„Alternativlos“. So beschreibt Forchheims oberster Verkehrspolizist Thorsten Panzner die „Planung zur Errichtung einer Lichtsignalanlage Adenauerallee/Bügstraße“, wie die Ampel in Behördensprache umschrieben wird. Die Polizei befürwortet den Vorstoß der Stadt. Vor allem begründen die Beamten das mit den vielen Unfällen, für die sie in den vergangenen Jahre Berichte schreiben mussten.

Wie Thorsten Panzner aus Zahlen der Zentralstelle für Verkehrssicherheit im Straßenverkehr (ZVS) zitiert, hat es in den vergangenen sechs Jahren fast 30-mal folgenschwer gekracht, sechsmal davon hatte es Schwerverletzte gegeben, ein Mensch ist später sogar an den Folgen des Unfalls gestorben. Laut dem Leiter der Forchheimer Polizei Jochen Prinzkosky liegt das Hauptproblem darin, dass vor allem „weiche Ziele“ zu den Unfallopfern zählten. Also hauptsächlich Rad- oder Motorrollerfahrer. Laut Polizei haben Radfahrer jedoch nur in drei Fällen einen Unfall verursacht.

ADFC: Breiterer Radweg wäre top, Ampel auch wichtig 

„Ich selbst fahre die Strecke jeden Morgen mit dem Auto und weiß, dass das Abbiegen dort hohe Aufmerksamkeit einfordert“, sagt Prinzkosky. Und dass viele Radfahrende bewusst auf der falschen Seite führen und damit ihr eigenes Risiko erhöhten, von einem abbiegenden Fahrzeug erfasst zu werden, entbinde die sogenannte Unfallkommission (bestehend aus Verkehrsbehörde, Polizei und Baulastträger) nicht von ihrem Auftrag, für bestmögliche Sicherheit zu sorgen. Für den Forchheimer Fahrradverband ADFC wäre die ideale Lösung, den Radweg auf beiden Seiten so zu verbreitern, dass er zweispurig nutzbar wäre. Doch ein solches Projekt erscheint derzeit aus vielen Gründen unrealistisch.

Aus Sicht der Unfallkommission ist daher eine Ampel die einzige praktikable Lösung dafür. Das sehen viele anders, wie die erneut lange Diskussion der Stadträte im Planungsausschuss am Dienstagabend zeigt. Eins der Argumente, wenn auch von allen Ampel-Gegnern als nicht ausschlaggebend beschworen, sind die Kosten. Knapp 220.000 Euro würde die Installation der Ampelanlage kosten. Laut Oberbürgermeister Uwe Kirschstein sei das Geld trotz des Haushaltsdefizites da, weil es weniger sei als angenommen (geplant wurde mit 370.000 Euro) und auch problemlos im noch zu erstellenden Nachtragshaushalt ins kommende Jahr würde verschoben werden können.

Ampel-Gegner fürchten erhöhte Staugefahr in Innenstadt

Die Gegnerkoalition gegenüber der Ampel (CSU, Freie Wähler, Junge Bürger, FDP) führen darüber hinaus andere Argumente ins Feld. Erstens fürchten sie um den Verkehrsfluss an der stark befahrenen Straße. Eine Ampel würde in den Stoßzeiten zu Rückstaus führen, zumal die Kreuzung zur Bamberger Straße unmittelbar daneben bereits mittels Ampel geregelt würde. Als Bestätigung nennen sie ihre negativen Beobachtungen aus dem Probebetrieb mit der Baustellenampel von vor drei Jahren und die Erfahrungen von anderen Kreuzungen im Stadtgebiet, wo es trotz Ampeln häufig zu Unfällen komme.

Statt also die Verkehrssicherheit durch Rotphasen zu erhöhen, wähnen sie selbige dadurch gar noch stärker gefährdet. Vor allem, weil aus ihrer Sicht die renitenten Geisterradler die Hauptproblemtreiber seien. FW-Fraktions-Chef Manfred Hümmer schlägt vor, jenen die Geschwindigkeit mittels Versatzbügel auf dem Radweg zu nehmen, sie dank besserer Beschilderung schon in Burk auf die richtige Seite zu bewegen oder für den gesamten Kreuzungsbereich über Tempo 30 nachzudenken.

Eine weitere Idee: Tempo 30 rund um die Kreuzung?
Eine weitere Idee: Tempo 30 rund um die Kreuzung? // Stephan Großmann (Stephan Großmann)

Hängt Stadtbuskonzept an neuer Ampel?

Allesamt gute Argumente, eventuell sogar gute zusätzliche Maßnahmen, sagen die Befürworter der Ampel. Und halten an der aus ihrer Sicht notwendigen Ampel fest. Erstens würde diese mit der bestehenden Anlage in der Bamberger Straße synchronisiert. Was zwar nicht mit Sicherheit ausschließen könne, „dass es während der Spitzenzeiten, wenn auch nur in kurzen Zeitabschnitten, zu einer Verminderung der Leistungsfähigkeit der Kreuzung kommen könnte“, sagt die Stadt. Aber selbst wenn, sei sich die Unfallkommission darin einig, „dass der Schutz der körperlichen Unversehrtheit dem verständlichen Wunsch nach freier Fahrt übergeordnet sein muss“.

Zweitens könnte ein Aus für die Ampel gar weitreichende Folgen für das im Mai 2023 beschlossene Stadtbuskonzept haben, laut dem Forchheims Busse ab August 2025 in verbessertem Takt fahren sollen. Eine Ampel würde den Bussen ein gefahrloses Ausfahren aus der Bügstraße ermöglichen, keine Ampel die Routenplanung erschweren, sagt OB Kirschstein.

Auch deshalb drängt er auf eine rasche Entscheidung. Und die bekommt er, wenn auch anders als gewünscht: Der Verwaltungs-Chef vereint für die Abstimmung ein Ja zu wenig hinter sich, mit 8:7 ist eine Ampelanlage an der Ecke Bügstraße-Adenauerallee vom Tisch.

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