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Frau Kaul aus Weingarts
Schreinerin mit 4-Tage-Woche
Ab und an nimmt sich Theresa Kaul Zeit für kleinere Schreinerarbeiten , auch dazu müssen die Maschinen eingestellt werden.Forchheim & Fränkische Schweiz
Ab und an nimmt sich Theresa Kaul Zeit für kleinere Schreinerarbeiten , auch dazu müssen die Maschinen eingestellt werden. // Lilian Wopkes
Signet des Fränkischen Tags von Liliana Wopkes
Weingarts – Die Vier-Tage-Woche im Handwerk kann funktionieren. Bei einem Betrieb in Weingarts arbeiten die Monteure in jeder zweiten Woche nur vier Tage – bei gleicher Bezahlung.

Während einige sie für Spinnerei halten, ist sie für andere die Erfüllung der Work-Life-Balance: die Vier-Tage-Arbeitswoche. Vor allem im Handwerk, heißt es immer wieder, sei das Modell nicht tragbar. Das Gegenteil beweist die Schreinerei Kaul in Weingarts.

Überhaupt wird in dieser Schreinerei so manches gelebt, was nicht selbstverständlich ist, durchaus auch von glücklichen Fügungen begleitet. Geführt wird der Betrieb von einer jungen Frau, der Schreinermeisterin und Betriebswirtin Theresa Kaul. Sie hat die Schreinerei vom Vater übernommen, der von seinem und jener wiederum von seinem. Bis ins Jahr 1902 geht die Betriebsgeschichte zurück.Akzeptanzprobleme gab es für die junge Chefin keine, nicht zuletzt dank der Vorgehensweise des Vaters, der seine Tochter nach und nach in die Geschäfte einführte. Eine glückliche Fügung war das Interesse Theresa Kauls an dem Handwerk und dem Betrieb. Sie hat sich als einzige von drei Töchtern dafür entschieden, den Familienbetrieb weiterzuführen. Und das tut sie in einer guten beruflichen Beziehung zum inzwischen pensionierten Vater. „Wir sprechen auch jetzt über alles, um ein Generationenchaos zu vermeiden“, erzählt sie.

Vor fünf Jahren eingeführt

Über die Aufmerksamkeit, die ihr Betrieb wegen der Vier-Tage-Woche bekommt, ist sie etwas überrascht: „Mir war nicht klar, dass das Wellen schlagen wird.“ Die vor etwa fünf Jahren eingeführte Veränderung war die Reaktion auf die Anregung eines Mitarbeiters; er war es auch, der als Alternative eine Vier-Tage-Woche im Wechsel vorschlug. „Als Arbeitgeber haben wir zuerst die Herausforderung gesehen“, erzählt Kaul, „fingen dann aber irgendwann an zu überlegen, wie wir das umsetzen können.“ Es war klar, dass ein Kompromiss notwendig sein würde, um auch die Interessen der Kunden und die Stabilität des Betriebs zu sichern.

Bürokräfte ausgenommen

Schließlich wurde entschieden, dass nur für die Monteure jede zweite Woche aus vier Arbeitstagen bestehen soll. Die Bürokräfte wurden ausgenommen, um den gewohnten Kundenkontakt und einen reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen zu gewährleisten. „Einer war skeptisch; nach einer Probezeit hatten wir aber eine absolute Mehrheit“, lacht Kaul.

Und wie geht es den Mitarbeitern inzwischen mit diesem Arbeitsmodell? Jede zweite Woche müssen schließlich die Stunden etwas umverteilt werden, und die erste Euphorie ist verklungen. „Die Stimmung ist gut, sie sind zufrieden“, bestätigt Michael Meier. Der gelernte IT-Systemkaufmann ist Theresa Kauls Partner, beruflich und privat. Er ist seit etwa drei Jahren im Betrieb und hier für Vertrieb und Personalwesen verantwortlich.

Inzwischen Alltag

Nach fünf Jahren mit diesem Arbeitsmodell meint er, wäre schon lange der Alltag eingekehrt; die Vier-Tage-Woche sei inzwischen eine angenehme Selbstverständlichkeit. Besonders verlockend wirke sie aber jedes Mal auf Bewerber, wenn mal eine Stelle ausgeschrieben wird.

Die Erfolgsgeschichte der Schreinerei Kaul hat viele Gründe. Ausschlaggebend sind aber Vater und Tochter, die ohne „Generationenchaos“ miteinander auskommen. Die gut ausgebildete Theresa Kaul hat frischen Wind und weibliche Führungsqualitäten mitgebracht. Und Gerhard Kaul vertraut ihr.

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